Die Firma Kalbacher beabsichtigt laut Stadt ihr Grundstück in der Schlachthofstraße 5 – 7 zu verkaufen. Die Verwaltung steht den dortigen Plänen der Firma Aldi ablehnend gegenüber.
Anlass für die Projektanfrage seien die Verkaufsabsichten der Firma Kalbacher für die Flurstücke 4730/1 und 4833/1 in der Schlachthofstraße.
Verwaltung skizziert die Pläne von Aldi
Folgende Planung sei von Aldi für das Areal vorgesehen: zum einen ein mehrgeschossiges Gebäude mit Handel, Dienstleistungen, Hotel sowie einem Kino mit acht Sälen. Zum anderen die Verlagerung und Vergrößerung (von rund 800 auf 1100 Quadratmeter) bestehender Lebensmitteldiscounter von der Küpferstraße auf das Kalbacher-Gelände. Darüber hinaus die Schaffung weiterer Gewerbeflächen von einer Größe mit insgesamt bis 1000 Quadratmetern, so die Stadt.
Als mögliche Nutzungen seien auch eine Kita und ein Seniorenheim genannt worden. Allerdings sei dieser Ansatz nie konkretisiert worden und auch nicht in den Plänen enthalten, erklärt die Verwaltung in der Vorlage für den Ausschuss für Umwelt und Technik, der am kommenden Donnerstag tagt. Das Kino in der Innenstadt am Alten Markt solle als Programmkino weitergeführt werden, erklären Gerd Haasis und Alexander Nöltner, Fachbereichsleiter Stadtplanung.
Planungsrechtliche Situation und Bewertung
„Bestandsstandort und Planstandort befinden sich im Gewerbegebiet ’Ob der Gass’. Entsprechend der Festsetzungen des Bebauungsplans sind Einzelhandelsnutzungen ausgeschlossen. Für den bisherigen Aldi-Standort besteht Bestandsschutz“, erläutern die Fachbereichsleiter.
Zudem befinde sich der Planstandort in „nicht integrierter Lage“. An nicht integrierten Standorten seien auch nach der Fortschreibung des Märkte- und Zentrenkonzepts (MZK) allenfalls nicht zentrenrelevante Sortimente zulässig.
Stadt: Gebiete für Gewerbe und Handwerk sichern
Das MZK empfehle zudem an bisherigen Standorten in Gewerbegebieten ohne Einzelhandel, diesen komplett auszuschließen, um die Gewerbegebiete für Handwerks- und Gewerbebetriebe zu sichern. Weder ein Lebensmittelmarkt noch ein anderer Einzelhandelsbetrieb seien somit am Planstandort zulässig. Daneben „konterkariere“ die Verlagerung und Vergrößerung des Aldi-Markts die Bemühungen um eine Verbesserung der Nahversorgung in Haagen.
Das Büro Junker und Kruse – es wurde mit der Fortschreibung des MZK für die Stadt Lörrach beauftragt – komme nach Prüfung des Vorhabens zu dem Ergebnis, dass „der Lebensmittelmarkt und der Drogeriemarkt am Planstandort in der Schlachthofstraße nicht zulässig sind“, heißt es wörtlich.
Bei einem Gespräch mit der Verwaltungsspitze, Donato Acocella, Inhaber des Büros „Dr. Acocella Stadt- und Regionalentwicklung“ mit Sitz in Lörrach, sowie Vertretern der Firma Aldi und einem Vertreter der Firma Schweikart (Kinobetreiber) hat die Stadt ihre Position erläutert.
Nach der Vorstellung des Projekts durch Aldi habe auch die Verwaltung deutlich gemacht, dass das Vorhaben planungsrechtlich nicht zulässig sei und im Widerspruch zum MZK stehe: „Aus Sicht der Stadt hat die Sicherung der bestehenden Gewerbeflächen Vorrang“, verdeutlichen Haasis und Nöltner in der Vorlage.
Das sagt die Stadt zum Kino auf dem Kalbacher-Areal
Aus städtebaulicher Sicht sei das im Gewerbegebiet gelegene Kalbacher-Areal für eine Kinonutzung nicht geeignet, auch angesichts der großen innenstadtnah gelegenen Entwicklungsflächen (gemeint ist offenbar das Koechlin-Areal, das heißt: das ehemalige KBC-Gelände, Anm. d.Red.).
Das Kalbacher-Areal liege „in deutlicher Entfernung zur Innenstadt, so dass positive Synergieeffekte für diese nicht zu erwarten sind“, so die Fachbereichsleiter.
Dagegen könne eine mögliche Schließung des Kinos am Alten Markt zu einem Funktionsverlust in der Innenstadt führen, vor allem in den Abendstunden: „Ein Kino auf dem Kalbacher-Areal würde den Bestrebungen nach einer möglichst multifunktionalen Innenstadt entgegenstehen.“
Großkino sei auf Koechlin-Areal denkbar
Sofern dennoch ein Großkino in Lörrach angesiedelt werden solle, wäre entsprechend der aktuellen Planungsüberlegungen zum Koechlin-Areal „der nordöstliche Bereich dieses Areals deutlich besser geeignet für eine Kinonutzung als das Kalbacher Areal“, argumentiert die Stadt.
Die geplante Anbindung des Koechlin-Geländes
Durch die geplante Anbindung des Koechlin-Geländes an die Innenstadt und die Öffnung dieses Areals wären positive Synergieeffekte für die Innenstadt möglich, heißt es.
Abschließend betonen die Fachbereichsleiter, die Stadt bleibe mit der Firma Kalbacher im Gespräch – auch, um gemeinsam mögliche Alternativen für die Entwicklung des Areals zu prüfen.