Das Gröbste ist überstanden. Doch die Talplatz-Baustelle hat den Kinobetrieb so manches mal vor Herausforderungen gestellt, wie uns der Theaterleiter berichtet. Foto: Cools

Große Leinwand statt Streaming: Erlebt das Kino ein Comeback? Wir sprechen in Oberndorf mit Jöran Johannsen über Film-Highlights, Baustellen-Ärger und große Pläne.

Nach der Corona-Pandemie scheinen sich die Besucherzahlen in den deutschen Kinos nur langsam zu erholen – in Oberndorf ist das anders. Das Kinoparadies erlebte 2025 im Vergleich zum Vorjahr einen Besucherzuwachs. Theaterleiter Jöran Johannsen zieht im Gespräch mit uns Bilanz.

 

Woran es liegen könnte, dass es wieder mehr Besucher ins Oberndorfer Kino zieht? Womöglich an der Renovierung der Säle, meint Johannsen, der seit Juni 2025 in Oberndorf ist. Vielleicht habe sich inzwischen herumgesprochen, wie bequem die neuen Sitze sind, und dass deren Anordnung auch bei großen Vordermännern noch gute Sicht garantiert.

Vielleicht erlebt das Kino aber auch eine Art Revival. Streamingdienste sieht Johannsen ohnehin nicht als eine Konkurrenz, sondern als anderes Angebot. Das Kino erfüllt schließlich einen ganz anderen Anspruch. Und Filme wie „Avatar: Fire and Ash“ – der läuft gerade im Kinoparadies – die wirken erst richtig auf einer riesigen Leinwand mit sattem Sound, ist er überzeugt.

Das filmische Highlight 2025, gemessen an den Besucherzahlen, war in Oberndorf übrigens „Das Kanu des Manitu“ – wenig überraschend, war der Film doch auch bundesweit mit mehr als fünf Millionen Besuchern der erfolgreichste Film des Jahres. Übrigens: Während das Kino in anderen Ländern ganzjährig ähnlich beliebt sei, boome es bei den Deutschen vor allem in der kalten Jahreszeit.

Familienfilme sind sehr beliebt

Acht der Top-10-Filme 2025 in Oberndorf seien dem Genre Familienentertainment zuzuordnen, teilt uns der Theaterleiter mit und zählt unter anderem „Die Schule der magischen Tiere“, „Lilo&Stitch“ und „Zoomania 2“ auf.

Letzteres sei auch sein persönliches Filmhighlight gewesen. „Schöne Charaktere, lustig – da kann man auch als Erwachsener Zerstreuung findet“, lautet sein Fazit. Was er generell schade findet: Dass nur noch wenig ganz Neues auf den Markt komme. Der Fokus liege überwiegend auf Fortsetzungen erfolgreicher Filme.

Regionales kommt auch an

Was gut laufe, seien Filme, die spontan für wenige Tage oder Wochen ins Kino kämen – „KPop Demon Hunters“ beispielsweise. Auch Regionales sei in Oberndorf sehr beliebt, zum Beispiel die Naturdoku „Was die Alb uns erzählt“, die am 14. Januar gezeigt wird.

Für 2026 hofft er auf ein paar Überraschungserfolge im Filmprogramm. Wenn sich ein Streifen als unerwartet gut entpuppe, mache das am meisten Spaß, findet der 51-Jährige. Für ihn entscheidet vor allem ein guter Trailer, was er sich anschaut. Kritiken lese er nie. „Geschmäcker sind einfach sehr verschieden.“

Zwei weitere Kinosäle und ein Gastronomiebetrieb

Zwei Leinwände gibt es im Oberndorfer Kinoparadies. Der größte Kinosaal bietet Platz für rund 140 Personen. Was gezeigt wird, hängt auch davon ab, was an den anderen Kinoparadies-Standorten läuft – und natürlich habe man auch die deutschlandweiten Zahlen im Blick, erklärt Johannsen.

Jöran Johannsen ist seit Juni Theaterleiter in Oberndorf. Foto: Cools

Das Oberndorfer Kinoparadies soll um zwei weitere Säle mit Platz für rund 50 Personen erweitert werden – um auch Specials anbieten zu können, beispielsweise einen Horror- oder Sci-fi-Abend einmal im Monat, und auch kleineren Filmen eine Leinwand zu bieten. Außerdem ist ein Gastronomiebetrieb vorgesehen. Einen Termin für den Baustart gebe es aber noch nicht, so Johannsen.

Benehmen und Baustelle bereiten Kummer

Wenn die Besucherzahlen 2025 auch erfreulich waren, so gab es doch auch das eine oder andere Ärgernis für den Theaterleiter. So lasse mancher Besucher leider gutes Benehmen vermissen, bringe selbst beispielsweise Snacks und Getränke mit und richte im Kinosaal dann eine Sauerei an, die eine mühevolle Reinigung erfordert.

Gelinde gesagt unerfreulich war und ist für Johannsen aber auch die Talplatz-Baustelle. Weil immer wieder verschiedene Teile des Platzes gesperrt wurden, sei manchmal über Nacht quasi der Eingang weggefallen, oder der Schaukasten konnte auf einmal nicht mehr genutzt werden, nennt der 51-Jährige Beispiele. Das habe es schwer gemacht, sich auf die Situation einzustellen.

Das immerhin ist inzwischen kein Problem mehr. Weil die Fläche vor dem Kino aber seit Monaten nicht geteert sei, würden die Kinobesucher jede Menge Dreck von draußen hineintragen, meint Johannsen. Ein Abschluss des Talplatzumbaus wird also nicht nur von den Bürgern, die sich auf die Neugestaltung freuen, herbeigesehnt.