Als Alternative zum gedruckten Buch sind elektronische Lesegeräte kein Randprodukt mehr. Die große Auswahl an Zusatzfunktionen kann am Anfang aber verwirren. Eine Expertin der Stiftung Warentest gibt Tipps.
Stuttgart - Weg vom Buch, hin zum elektronischen Lesegerät? Diese Frage wird dieser Tage wohl vermehrt gestellt, denn das Weihnachtsfest rückt näher, und ein beliebtes Geschenk sind Kindle, Tolino und Co. allemal. Das Wichtigste vorweg: Allzu viel falsch machen können Verbraucher bei einem Kauf insgesamt nicht, meint Sandra Schwarz. Sie ist Expertin der Stiftung Warentest, die im Mai 2020 neun Reader der gängigen Marken Kindle, Pocketbook, Tolino und Kobo verglichen hat. Das Fazit: „Die Qualitätsunterschiede sind nicht riesig, aber die Tücken liegen im Detail.“ Schwarz empfiehlt, den Reader individuell auszuwählen. Aber welche Punkte sind dabei wichtig?
Auch das Leihen von E-Books aus Bibliotheken ist möglich
System Wer sich für die Welt von Kindle entscheidet, bindet sich an die Plattform Amazon und deren spezielles Dateiformat. Mehr Flexibilität bieten nahezu alle anderen Hersteller. Deren E-Reader sind mit dem gängigen E-Pub-Dateiformat kompatibel, was – mit Ausnahme von Amazon – händlerübergreifendes Kaufen erlaubt. Auch das Leihen von E-Books aus Bibliotheken ist damit möglich. Wer unschlüssig ist, ob sich der Kauf eines Readers lohnt, kann zunächst das Lesen von E-Books auf dem Smartphone oder Tablet testen. Einige Anbieter, darunter Amazon und Tolino, bieten dafür Apps an.
Besser lesbar als Smartphones und Tablets
Display In puncto Lesbarkeit haben E-Reader im Vergleich zu Smartphones und Co. klar die Nase vorn. Ihre papierähnlichen Displays funktionieren in der Regel mit „elektronischer Tinte“ – also schwarzen und weißen Pigmenten, die das Umgebungslicht reflektieren. Im Gegensatz zu beispielsweise Tablets spiegeln sie auch im prallen Sonnenlicht nicht. Viele Modelle haben eine integrierte LED-Beleuchtung, etwa für das Lesen nachts ohne Lampe. Inzwischen sind auch einige E-Reader mit Farbbildschirmen auf dem Markt. So hat die Stiftung Warentest im April 2021 das neu erschienene Pocketbook Color getestet, das derzeit für rund 200 Euro erhältlich ist. Der Reader ist gerade für Comic-Fans eine Überlegung wert.
Gratis-Probejahr für kindgerechte Inhalte
Sicherheit Inwiefern auch kleine Jungen und Mädchen an einem E-Reader Freude haben, dürfte wohl am ehesten von deren Interesse und Leselust abhängen. Viele Hersteller bieten die Möglichkeit, bestimmte Inhalte zu sperren oder die Lesezeit der Geräte zu begrenzen. Einen E-Reader speziell für Kinder hat zum Beispiel Amazon für derzeit rund 110 Euro auf den Markt gebracht: Er beinhaltet ein Gratis-Probejahr für viele kindgerechte Inhalte.
Die Geister scheiden sich eher bei den Zusatzfunktionen
Komfort-Funktionen Ihre Basisfunktionen erfüllen die meisten Reader gut. Die Geister scheiden sich eher bei den Zusatzfunktionen, erklärt Schwarz. Wer etwa einen eingebauten Wasserschutz oder Hörbücher möchte oder den Reader nicht nur mit WLAN, sondern auch mit dem Mobilnetz verbinden will, sollte darauf achten, dass das Gerät über diese Funktion verfügt. Wichtig ist auch die Frage, ob der Speicherplatz des Geräts bei Bedarf erweiterungsfähig sein soll. Aufpassen sollten Nutzer, die auf dem Reader Dokumente in speziellen Formaten, wie etwa Word-Dateien, lesen wollen: Nicht jeder Reader kann das, in manchen Fällen ist es nur auf Umwegen möglich.
Viele E-Reader haben eine zusätzliche LED-Beleuchtung
Gesundheit Heute haben viele E-Reader eine zusätzliche LED-Beleuchtung, die, wie auch Handys oder Tablets, sogenanntes blaues Licht abgibt. Ihm wird häufig nachgesagt, augenschädlich zu sein und den Schlaf zu stören. Der Experte Michael Bach von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) gibt Entwarnung: In Experimenten mit Smartphones wurde gezeigt, dass das Lesen vor dem Einschlafen keine Auswirkungen auf die Schlafqualität hatte. Die Blaulicht-Menge elektronischer Geräte sei außerdem viel zu gering, um die Netzhaut zu schädigen.
Wie sieht die Ökobilanz aus?
Ökobilanz Je mehr Bücher auf einem E-Reader gelesen werden, desto besser ist die Ökobilanz gegenüber seinen gedruckten Gegenstücken. Doch mit einem direkten Vergleich tut sich die Forschung schwer. Eine Studie des Öko-Instituts Freiburg aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass sich beim Lesen von mehr als zehn Büchern pro Jahr à 200 Seiten über mindestens drei Jahre hinweg ökologisch eher der Reader rechnet. Aber diese Studie gibt nicht unbedingt den heutigen Stand der Technik wieder.
Teuere Geräte sind auch besser
Preis Gilt bei E-Readern der Grundsatz: Je teurer, desto besser? „In unserem Test schneiden die teuersten Lesegeräte für 200 bis 300 Euro tatsächlich am besten ab, Display und Akku sind teils einen Tick besser. Nutzer zahlen den Aufpreis aber auch für Extras wie Umblättertasten oder eine automatische Anpassung der Lichtfarbe. Wer darauf verzichten kann, bekommt einen guten Reader schon für um die 90 Euro“, sagt Expertin Schwarz.