Unentbehrlich zum Einschlafen: Kuscheltiere unserer Redakteurinnen und Redakteure Foto: IMAGO/Zoonar

Flauschig und unentbehrlich: Zu Kuscheltieren entwickeln Kinder eine enge Bindung. Wie das kommt? Unsere Redakteurinnen und Redakteure erzählen, wie es bei ihnen war.

Sie begleiten uns in der Kindheit, spenden Trost und überdauern oft Generationen. Kuscheltiere erzählen auch etwas über ihre Besitzer, eine Geschichte über uns selbst. Warum sind sie überhaupt für viele Kinder so wichtig? Lernen wir sogar etwas von ihnen? Meist sind Kuscheltiere nach Jahren intensiver Liebe deutlich gezeichnet: Ihnen fehlt gar ein Auge, ein Fuß oder sie sind einfach nur plattgedrückt und glattgeschmust. Unsere Redakteurinnen und Redakteure erinnern sich an eine besondere Beziehung in ihrem Leben.

 

Kleidertausch mit Schlappohr

Poum mit nur noch einem Hausschuh Foto: privat

Die Geschichte begann mit einem Wunder. Es war auf einem kleinen Rummel mit Boxautos, Zuckerwatte und Losbude. Bei Losen, das begriff ich schon mit meinen vier Jahren, war mir das Glück nicht hold. Die großen Stofftiere musste ich traurig den Hauptgewinnern überlassen und trottete müde mit der Familie gen Ausgang, als plötzlich wie aus heiterem Himmel ein junger Mann vor mir stand und mir einen riesigen Bären in die Arme drückte. Es war wie im Traum. Ich war fassungslos und selig.

Leider entpuppte der Bär sich bald als struppiger Kerl, aus dem die Holzwolle aus sämtlichen Löchern rieselte. Er wanderte auf den Müll, ich aber bekam zum Trost Poum! Und der übertraf alle Kuscheltiere, die ich je besaß. Poum war weich und gemütlich, hatte Schlappohren und trug lustige Hausschuhe. Vor allem war er fast so groß wie ich, sodass ich fortan sogar meine Garderobe mit ihm teilen konnte. Poum blieb mein Wegbegleiter, bis ich ihn an die nächste Generation weitergab. Als die erwachsen war, kehrte mein alter Geselle zu mir zurück, allerdings ohne Augen und mit einem Pantöffelchen weniger. So sitzt er nun im Keller, blind und alt. Aber auch wenn ich das nie erzählen würde – in den Arm nehme ich meinen großen kleinen Freund auch heute noch gern.

Adrienne Braun ist Kulturjournalistin und passionierte Wegwerferin. Dass Poum noch nicht ausrangiert wurde, heißt also viel.

Ein Dino trotzt dem Aussterben

Selbstgemachtes Kuscheltier Foto: privat

Ohne Dinos ging es bei mir in der Kindheit nicht. Ein Beispiel: eine von mir im Alter von sieben Jahren kuratierte Sonderausstellung aus Spielzeugsauriern, die in meinem Klassenzimmer zu sehen war, inklusive Infoschildern zu Epoche, Verbreitungsgebiet und Ernährung.

Wenn das Schleich-Sortiment meinen paläontologischen Anforderungen nicht mehr genügte, musste meine Mutter einspringen. So etwa, als sie mein Lieblingsgeschöpf – die Meeresechse Liopleurodon – aus Pappmaché nachbildete. Auch in Sachen Kuscheltier war Handarbeit die Lösung, um meine Ansprüche zufriedenzustellen. Aus einem alten Vorhang, ausrangierten Knöpfen und Kissenfüllmaterial zauberte meine Mutter mir einen blauen Vertreter der Sauropoden, einer Gattung pflanzenfressender Riesensaurier. Während ich ansonsten penibel Wert auf eine wissenschaftlich korrekte Darstellung legte, war mir hier der Anschmieg-Faktor dann doch wichtiger. Zumal es sich um ein gemütliches Kuscheltier-Kopfkissen-Hybrid handelte.

So beeindruckend das Ergebnis, so uninspiriert zeigte ich mich allerdings bei der Namenswahl: Dino. Dafür hat Dino – anders als seine biologischen Vorbilder – bis heute überdauert. Wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern in meinem früheren Kinderzimmer übernachte, ruht mein Kopf noch immer gerne auf meinem alten Kuscheltier.

Valentin Schwarz ist Volontär und liest in seiner Freizeit inzwischen Bücher zur Kulturgeschichte der Dinosaurier.

Ein Abenteurer mit tragischem Ende

Abenteuergeschichte rund um Timmi und Jimmi, von unserer Autorin angefertigt Foto: privat

Es gibt nur ein Kuscheltier von Bedeutung für mich: Timmi, ein Bär, der ein bisschen wie ein dicker Hund aussah, mit sehr kurzen Beinen und nicht besonders kuscheligem Fell. Es gab noch einen zweiten von der Sorte, der gehörte meinem zwei Jahre älteren Bruder Stefan. Er hieß Jimmi. Wir hatten die Bären von unserer Oma Feli bekommen, die leider so früh starb, dass ich keine Erinnerungen an sie habe.

Timmi und Jimmi waren keine Kuschelbären, aber wir haben ausgiebig mit ihnen gespielt und uns Geschichten mit den beiden ausgedacht, die wir seitenweise aufschrieben. Die Rollen klar verteilt: Jimmi war intelligent und mutig, Timmi tollpatschig, ängstlich und immer hungrig. Entsprechend musste Timmi von Jimmi regelmäßig gerettet und aus allerlei misslichen Lagen befreit werden. Ich habe zu Hause noch eine Einladung zu einem Theaterstück gefunden – Titel: „Timmi wird von einer Kobra gebissen.“ Aufführungsort: „Bei Stefan.“

Timmi und Jimmi gibt es leider beide nicht mehr. Nicht einmal ein Foto haben wir damals von den Abenteurern gemacht. Nur Zeichnungen gibt es noch. Wie Jimmi verloren ging, ist unbekannt, aber Timmi habe ich selbst schweren Herzens vor Jahren weggeworfen. Ich hatte ihn von meinen Eltern mit nach Stuttgart genommen, um dann festzustellen, dass er voller Motten war. Kein schöner Abgang eines großen Helden.

Viola Volland ist Reporterin im Familienteam, Mutter eines 14-Jährigen, und hat schon lange keine Kuscheltiere mehr in ihrem Bett.

Affenliebe mit Doppelgänger

Toldi, deutlich plattgedrückt und abgeschmust Foto: privat

Meine große Liebe Toldi ist eigentlich meine Nummer zwei. Unsere Geschichte ist eine der Stellvertreter und Doppelgänger. Den Ersttoldi habe ich angeblich im Alter von wenigen Monaten bei einem Spaziergang unbemerkt aus dem Kinderwagen geworfen. Und obwohl die Mutter alle Wege kurz darauf noch einmal ablief, war Toldi Nummer eins schon weg. Meine Eltern schienen dennoch wild entschlossen, mich mit einem kleinen Steiff-Affen in roter Latzhose zu beglücken, denn sie kauften das gleiche Exemplar sofort wieder.

Ohne Toldi wollte ich schon bald nicht mehr ins Bett, ich musste mit meiner Wange seinen Kopf platt drücken, um selig einzuschlafen. Eines Abends konnte ich ihn nicht finden. Wir suchten, und als mein Vater ihn endlich hatte, hielt er mir das Tier vors Gesicht, sagte genervt: „Nimmst den so lang.“ Das war verwirrend, doch ich traute mich nicht nachzufragen. Wieso „den so lang“? Das war doch mein Toldi, oder war er es gar nicht? Ich drehte ihn von vorne nach hinten und wieder zurück. Auf diese Weise bekam ich einen Vorgeschmack auf die gelegentlich aufblitzende Unheimlichkeit derjenigen, die uns am nächsten stehen. Wie echt sind sie überhaupt? Sind sie vielleicht Roboter?

Als ich älter wurde, bekam meine Liebe zu Toldi den bitteren Beigeschmack der Scham. Ich steckte ihn in die Schublade, holte ihn dann aber doch wieder raus. Es war ein schreckliches Hin und Her, unsere Trennung dauerte Jahre. Heute liegt Toldi im Schrank und tut so, als wäre er nur ein Kuscheltier.

Eva-Maria Manz ist Themenkoordinatorin im Familienteam. Ihr zehnjähriger Sohn zeigte komischerweise nie Interesse an Kuscheltieren.

Zwei Katzen gegen einen Hund

Schlappi, auch ziemlich plattgeliebt Foto: privat

Als mein Bruder auf die Welt kam, da war ich vier, und ich musste wegen ihm meine zwei – echten – Katzen weggeben. Die Wohnung sei zu klein, und die Katzen könnten den kleinen Bruder ersticken, lautete die Begründung. Ich war sehr traurig – und stinksauer.

Zu seinem ersten Osterfest bekam mein kleiner Bruder dann einen Kuschelhund geschenkt. Er, also der Hund, gefiel mir, und da ich Trost suchte, der kleine Bruder sich noch nicht wehren konnte und in meinen Kleinkindaugen sowieso Rache verdient hatte, machte ich diesen kurzerhand zu meinem. Ich taufte ihn Schlappi – und fortan war er mein treuer Begleiter. Ihn erstickte nun wiederum ich mit meiner Liebe und in meinen Armen, in denen er fortan jede Nacht schlief.

Man sieht es Schlappi heute an. Sein eines Auge ist schief, sein Leib plattgedrückt, den Gliedmaßen fehlt das körnige Innenleben. Ich habe ihn fast zu Tode geliebt. Meinen kleinen Bruder habe ich über die Zeit übrigens auch noch sehr lieb gewonnen. Und er hat mir den Diebstahl, den ich ihm später gestand, nie übel genommen. Er selbst hatte dann übrigens gleich zwei Lieblingskuscheltiere: einen Panda und einen Tiger. Also einen Bären – und eine Katze.

Andrea Jenewein ist Reporterin im Team Wohnen und Stadtentwicklung. Ihr elfjähriger Sohn hat Winnie Puuh als Lieblingskuscheltier.

Sein Name ist Tobi, Teddy Tobi

Teddy Tobi, dieser Weltenbummler, lebt heute in München Foto: privat

Goldbraunes Fell, freundliche dunkle Knopfaugen und lustige Knubbelschnauze – einen Bären wie aus dem Bilderbuch bekam unsere Tochter von ihrer Patentante Elke zur Geburt geschenkt. Damals waren Plüschtier und Menschlein genau gleich groß. Einen Namen bekam der Bär erst viel später. Seine Besitzerin musste erst das Sprechen erlernen. Und in der ihr schon im frühen Alter eigenen Ernsthaftigkeit nennt sie ihn Teddy Tobi. Abkürzungen oder Verniedlichungen sind nicht erlaubt. Der Bär wird stets beim Vor- und Zunamen gerufen. Dafür, dass er im April seinen 20. Geburtstag feiert, hat sich Teddy Tobi gut gehalten. Wahrscheinlich, weil er immer nur umarmt und nie angenuckelt wurde. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn das Kuscheltier kam fortan überall hin mit – egal ob in die Berge, ans Meer oder bis nach New York. Nur bei der zehnmonatigen Australien-Reise nach dem Abitur wurde er aussortiert. Kein Platz im Koffer, eine voluminöse Fönbürste zum Haareglätten bekam den Vorzug. Teddy Tobi bildete daraufhin mit den Eltern eine Art Schicksalsgemeinschaft. Wenn die Sehnsucht besonders groß war, tröstete man sich gegenseitig. Nun ist das Kind aus der großen weiten Welt zurück und studiert in München. Zum Glück passt Teddy Tobi dort auf sie auf.

Susanne Hamann leitet die Reiseredaktion und hat zwei erwachsene Töchter.

Eine flauschige Linie entlang der Bettkante

Zottel wirkt wie ein gutmütiger Geselle. Foto: privat

Als Kind liebte ich Kuscheltiere. Ich hatte eine ganze Sammlung, die ich viele Jahre lang jeden Morgen nach dem Aufstehen ordentlich auf mein Bett setzte. Sie bildeten ein flauschige Linie, welche die gesamte Bettkante inklusive Kopf- und Fußteil säumte.

Aber natürlich gab es einen Liebling. Ich weiß nicht mehr, wie ich zu ihm kam, ob er ein Geschenk war oder ob ich ihn mir womöglich selbst kaufte. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr so ganz klein war, wahrscheinlich schon in die Schule ging, als sein hellbraunes zotteliges Fell mich in den Bann zog – und ihm den Namen „Zottel“ einbrachte.

Zottel ist ein klassischer Teddybär. Ursprünglich hatte er eine kleine Schleife um den Hals. Die fand ich aber hässlich, komplett „unkuschelig“ und schnitt sie darum einfach ab. Wahrscheinlich begleitete mich Zottel Nacht für Nacht auf meinen Traumreisen und spendete mir Trost in all den Situationen, die für ein Kind schlichtweg aussichtslos erscheinen – sei es ein Streit mit der besten Freundin, eine schlechte Note in der Schule oder der erste Liebeskummer. Doch um ehrlich zu sein, sind meine Erinnerungen daran verblasst.

Ich weiß aber, dass Zottel mir über all die Jahre ein treuer Begleiter war. Er war das einzige Kuscheltier, das mit mir mein Elternhaus verließ und ins Studentenwohnheim zog. Er bekam einen Ehrenplatz in der ersten kleinen Wohnung, die ich zusammen mit meinem Freund in Stuttgart hatte. Heute sitzt er oben auf dem großen Bücherregal im Schlafzimmer und wacht über mich. Und manchmal, wenn ich mich unruhig im Bett hin- und herwälze, weil ich die Ideen, Wünsche und Sorgen meiner Töchter mal wieder nicht nachvollziehen kann, erinnert er mich mit seinen schwarzen Knopfaugen, die fast komplett in seinem zotteligen Fell verschwinden, daran, dass ich selbst einmal jung war und Flausen im Kopf hatte.

Alexandra Kratz ist Reporterin im Familienteam und hat zwei Töchter (12 und 15), die noch immer viel zu viele Kuscheltiere, aber jeweils nur einen Favoriten haben.

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