Papagei, Flagge und Kanone machen aus dem Bollerwagen ein Piratenschiff, das durch Hüfingen schippert. Foto: Nadja Varsani

Piraten, Haie und Quallen – mit einem exotischen Fasnetmotto trotzen die jungen Narren in Hüfingen dem tristen Wetter.

Es nieselt leicht, als sich die Schaulustigen am Straßenrand versammeln. Doch das tut der Freude keinen Abbruch, die den Narren bei der Aufstellung für den Kinderumzug in die Gesichter geschrieben steht. Unter dem Motto „Fasnet a d’Südseeba(a)r“ tummeln sich kleine und große Piraten, Quallen, Haie und allerlei anderes Meeresgetier.

 

Schon seit rund 100 Jahren veranstaltet Hüfingen den Kinderumzug. 1924 erhielt jedes Kind in der Festhalle eine Wurst mit Wecken, ein Brauch, der heute noch beibehalten wird. Heute wird der Kinderumzug hauptsächlich von den beiden Kindergärten, Grundschulen und dem Kinderheim Mariahof gestaltet.

Pünktlich zum Start des Zuges hört es auf zu regnen. Rund zehn Gruppen aus Schulen und Kindergärten veranstalten ein buntes Programm um Baptistle und Bärcheappeli und werfen den Menschen schallende „Narri Narros“, Konfetti und Gutsle entgegen.

Viele Kostüme sind selbst gemacht. So die der Klasse 3b der Lucian-Reich-Schule. Die Kinder sind in Müllsäcke gehüllt, die kreativ mit Meeresmotiven verziert wurden. „Das ist meine Südseeunterwasserbande“, verrät Lehrerin Bettina Vogt. Auch die anderen Klassenstufen der beiden Grundschulen haben sich in punto Selbstgestaltung nicht lumpen lassen. Sie schwenken als Quallen geschmückte Regenschirme und tragen Tauchsysteme aus PET-Flaschen.

Die Kindergärten haben sich von Fluch der Karibik inspirieren lassen. Kleine Piraten verteilen Goldmünzen und anderes glitzerndes Gut am dicht gesäumten Umzugsweg und der Kitawagen wurde zur „Black Pearl“ umgewandelt. Sogar eine Palmeninselverkleidung lässt sich entdecken.

Das sagt die erste Narrenrätin

Zwischen den kleinsten närrischen Gästen in Piratenmontur und Hai-Kostüm treiben bekannte Figuren wie das Bärcheappeli und die Schächerkatzen ihr Unwesen. Für Roxana Scherzinger, die als erste Frau in die Geschichte des Hüfinger Narrenrats eingeht, ist es der erste Umzug nach ihrer Vereidigung. Die gute Stimmung ist ihr sichtlich anzusehen. „Auch wenn es viel Arbeit ist, macht es hauptsächlich Spaß, Narrenrätin zu sein“, verrät sie.

Nach einem Probejahr als Anwärterin wurde sie am Zunftball der Hüfinger offiziell vereidigt. In den traditionellen Fastnachtsvereinen sind Frauen bisher so exotisch wie das Motto der Hüfinger Fastnacht. Das könnte sich durchaus ändern, findet Roxana Scherzinger.

Sie will die Ärmel hochkrempeln

Sie engagiere sich auch als Rätin, um die Traditionen weiterleben zu lassen. Dass es dabei an der Zeit sei, auch Frauen einzubeziehen, sieht sie durchaus als Chance für die Vereine. „Frauen bringen einen anderen Blick und Ideen mit. Außerdem braucht es eine gewisse Machermentalität und mir fallen direkt ein paar Frauen ein, die Schwung in die Vereine bringen können“, sagt sie mit einem selbstbewussten Lächeln.

Das bunte Treiben endet schließlich vor dem Rathaus, wo die Zimmermannen gemeinsam mit den Bärcheappeli den Narrenbaum stellen. Nicht jedoch, ohne zwischendrin eine Stärkung einzufordern. Diese wird prompt von Bürgermeister Patrick Haas organisiert und in kleinen Bechern ausgeschenkt. Dann glückt es auch, den rund 21 Meter hohen Narrenbaum aufzustellen.

Es wird zum „Dante-Mine-Lied“ geschunkelt

Beim anschließenden Anstimmen der Hüfinger Fasnachtshymne „Dante-Mine-Lied“ unter den Klängen der Stadtmusik haken sich alle zum Schunkeln unter. Als krönender Abschluss bahnt sich die Sonne den Weg durch die Wolken.

Mit dem Verstummen der Instrumente geht es weiter mit dem närrischen Treiben im Städtle, und so finden sich viele der bunten Umzügler am Abend in der Stadthalle wieder.