Bei der Schule in Neuweiler hat die Gemeinde eine Kindertagesstätte errichtet. Beim Umbau eines bestehenden Gebäudeteiles entdeckten die Bauarbeiter einige Überraschungen.
So stellte sich heraus, dass der nun zur Kindertagesstätte umgewandelte rund 30 Jahre alte Gebäudeteil keine Außenabdichtung besaß. Es drang Feuchtigkeit ein. Die Holzkonstruktion wurde angegriffen. Schimmel bildete sich. Das war dem Gebäude aber nicht anzusehen.
Allein deshalb gab es mit all den daraus folgenden Maßnahmen Mehrkosten in Höhe von rund einer halben Million Euro, wie Bürgermeister Martin Buchwald im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich machte.
Für die neue Kindertagesstätte ließ die Gemeinde aber nicht nur ein bestehendes Gebäude umbauen, sondern auch einen Anbau realisieren. In der Einrichtung sind fünf Gruppen mit 99 Plätzen untergebracht. In drei von ihnen werden Kinder betreut, die älter als drei Jahre sind. Die anderen sind Kleinkindgruppen.
Architekt Friedrich Großmann berichtete in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von Neuweiler über die Mehrkosten bei der Kindertagesstätte. Und da ging es nicht nur um die fehlende Außenabdichtung beim bestehenden Gebäude. So investierte die Kommune unter anderem in die Außengeräte, die Technik, die Luftreinigung und den Schallschutz. Zudem wurde die Kindertagesstätte komplett neu eingerichtet. Das führte insgesamt zu Mehrkosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro.
Corona-Krise und Ukrainekrieg lassen Kosten explodieren
Zunächst schätzten die Planer das Projekt 2018 auf 3,1 Millionen Euro. Der Spatenstich war im März 2021 – mitten in der Corona-Krise. Knapp ein Jahr später begann Russland seinen umfassenden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Lieferketten brachen wegen dieser äußeren Umstände zusammen. Es habe kaum Angebote gegeben, gab Großmann in der Gemeinderatssitzung zu bedenken.
Der Holzpreis sei zwischenzeitlich auf 1200 Euro pro Kubikmeter gestiegen. Jetzt liege er wieder bei rund der Hälfte. Die Kosten stiegen deshalb ebenfalls.
Insgesamt investierte die Gemeinde in die Kindertagesstätte 4,26 Millionen Euro. Der Zuschuss liegt bei 1,1 Millionen Euro. Sanierungskosten seien nicht förderfähig, machte Architekt Großmann im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Letztlich koste in Neuweiler ein Kindergartenplatz rund 43 000 Euro. Der bundesweite Durchschnitt liege bei 60 000 bis 70 000 Euro, so Großmann gegenüber unserer Redaktion.
Ärger im Rat: „Den Schimmel hätte man vorher sehen müssen“
Die Mehrkosten erbosten Gemeinderätin Doris Hammann: „Den Schimmel hätte man vorher sehen müssen.“ Rathauschef Buchwald gab aber in der Ratssitzung zu bedenken, dass diese Probleme nicht absehbar gewesen seien. Das Dach und das Gebäude seien angeschaut worden. Auch die Lehrer hätten nichts bemerkt. Das Gebäude sei über kurze Zeiträume belegt gewesen, so Großmann gegenüber unserer Redaktion. „Ich kann nicht kommen und das Gebäude zerlegen“, gab der Architekt gegenüber dem Gemeinderat zu bedenken. Bis zum Schluss habe es dort Unterricht gegeben. Niemand habe gesagt, dass Wasser eindringe oder dass es muffele.
Schimmel nicht erkennbar
Auch über die Mehrkosten wegen der Feuerwehrzufahrt im rückwärtigen Bereich der Schule ärgerte sich Hammann. Hier sagte Großmann im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der bestehende Untergrund für die Zufahrt zu schlecht gewesen sei. Er habe deshalb erneuert werden müssen. Deshalb auch die Mehrkosten.
„Wir haben einen tollen Kindergarten bekommen“, zog Bürgermeister Buchwald ein positives Fazit in der Ratssitzung. Er wurde im vergangenen Jahr bezogen. Jetzt sind noch einige Kleinigkeiten am Gebäude zu erledigen.