Der Angeklagte gab zu, ein kinderpornografisches Video weitergeleitet zu haben. Er habe es für "Fake" gehalten, sagte er. (Symbol-Foto) Foto: DPA

Ein junger Mann verschickt mit seinem Handy ein Kinderporno-Video. Er hat sich nichts dabei gedacht. Das Amtsgericht in Freudenstadt spricht von "jugendtypischem Verhalten" in Zeiten des Internets.

Freudenstadt - Das Video ist eine Minute und 15 Sekunden lang – und der Inhalt ist so widerlich und abstoßend, dass der Richter es im Prozess gar nicht erst zeigen will. Auf der Anklagebank sitzt ein junger Mann, 20 Jahre alt. Auf den ersten Blick wirkt er deutlich jünger – ein großer Junge, könnte man sagen.

Eine der entscheidenden Fragen des Prozesses lautet denn: War dem Angeklagten tatsächlich bewusst, was er mit der Weiterleitung des Videos getan hat? Das Video, so erklärt der Staatsanwalt, zeigt, wie ein kleiner, zwei oder drei Jahre alter Junge an einer erwachsenen Frau sexuell herumfummelt.

Prozess wirft Schlaglicht auf den Umgang mit dem Internet

Ob er sich zur Anklage äußern wolle, fragt Richter Graf-Frank den Angeklagten. "Das ist schon richtig, ich habe das Video bekommen und weitergegeben. Ich habe nicht gewusst, dass es verboten ist, das Video zu schicken." Im Übrigen habe er den kurzen Clip für einen Fake gehalten. "Ich bin einfach nicht darauf gekommen, dass so etwas in echt passiert." Das Video habe er von einer Whatsapp-Gruppe erhalten. Hätte er gewusst, dass man so etwas nicht weitergeben darf – er hätte es nicht getan.

Der Prozess vor dem Amtsgericht wirft ein Schlaglicht auf den Umgang vieler Menschen mit sozialen Medien – vor allem auf das Verhalten von Jugendlichen. Richter Graf-Frank skizziert das Verhalten der Jugend wie folgt: "Einfach mal munter weiterschicken, ohne sich Gedanken zu machen, was man da weiterreicht." Junge Leute fänden das "irgendwie cool".

Richter verhängt Geldauflage in Höhe von 1000 Euro

Der Angeklagte stammt aus dem Irak, als er mit seinen Eltern aus den Bürgerkriegswirren nach Deutschland kam, war er 14 Jahre alt, 2019 machte er die mittlere Reife, derzeit arbeitet er in der Automobilindustrie, verdient zwischen 1400 und 1800 Euro im Monat.

Zur Tatzeit sei er 18 Jahre und elf Monate alt gewesen, ein Heranwachsender also, wie der Vertreter des Jugendamts betont. Er plädiert dafür, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Die Art, mit dem Video umzugehen, sei ausgesprochen "jugendtypisch", sagt er zur Begründung.

Die jungen Leute fänden etwas "irgendwie witzig" und schickten es einfach weiter, "ohne sich das länger zu überlegen". Der Vertreter des Jugendamtes schlägt eine Verwarnung sowie eine "Geldauflage" von 500 bis 600 Euro vor, die etwa an eine Einrichtung für traumatisierte Kinder gehen solle.

"Jugendtypisches Verhalten"

Das Wort "jugendtypisches Verhalten" macht im Prozess geradezu die Runde – sowohl Staatsanwalt als auch Richter und Verteidigung nutzen es zur Beschreibung der Tat und des Verhaltens des Angeklagten. "Seien Sie froh, dass das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt", meint die Staatsanwaltschaft. "Sonst droht eine Gefängnisstrafe, das ist kein Kavaliersdelikt." Der Staatsanwalt fordert 1000 Euro Geldstrafe, die Verteidigung dagegen eine "sehr strenge Verwarnung" ohne Geldauflage.

Der Richter folgt dem Staatsanwalt, 1000 Euro Geldauflage. Wichtiger aber vor allem seine Verwarnung sowie sein Hinweis auf das Elend der Kinderpornografie: "Diese Filme schaffen einen Markt, der Markt wiederum schafft eine Nachfrage – und irgendwann muss dann ein Kind herhalten" für solche Videos.

"Ihnen muss klar werden, dass das ein großer Fehler war, der niemals mehr geschehen darf," so der Richter. Wer kinderpornografisches Material geschickt bekommt, für den gelte nur eine Regel: "Nicht anschauen, sofort löschen, einfach weg."