Der Verein Kinderhilfe Rumänien setzt sich unermüdlich dafür ein, Kindern und Jugendlichen in dem südosteuropäischen Land eine Zukunft zu geben. Edith Kirchmann ist wieder vor Ort.
Nach dem vergangenen harten Winter wird Edith Kirchmann, Vorsitzende der Kinderhilfe Rumänien und der Stiftung Ajutati Copiii („Helft Kindern“), erst Ende März einen Besuch in Rumänien unternehmen. Dieses Mal wird sie gemeinsam mit dem neu gegründeten Stiftungsrat wichtige Themen wie etwa Projekte, Gesetzesänderungen oder anstehende Probleme bearbeiten.
Gespräche mit den zuständigen Kinderschutzbehörden der Kreise Arad, Timis und Hunedoara stehen ebenfalls auf dem Programm. Sie sind für die Versorgung aller institutionalisierten Kinder in ihrem jeweiligen Bezirk verantwortlich und bestimmen unter anderem auch die Belegung der Familienhäuser.
Besuche in drei Landkreisen
Selbstverständlich werden wieder alle Einrichtungen in den drei Kreisen Arad, Hunedoara und Timis besucht. Wie Edith Kirchmann berichtet, verließen einige Hausbewohner nach Erreichen der Volljährigkeit die Einrichtungen, darunter zwei junge Erwachsene, die seit mehr als 14 Jahren in einem der Familienhäuser lebten.
An ihrer Stelle wurden Kinder neu aufgenommen wie etwa ein Junge, der weitere zwölf Geschwister hat und zuletzt in einer Pflegefamilie untergebracht war. Oder auch ein weiterer kleiner Bub, dessen Mutter nicht in der Lage ist, ihr Kind zu versorgen. Auf der anderen Seite verabschiedete sich eine 17-jährige junge Dame, die in Kürze mit Genehmigung der Kinderschutzbehörde heiraten wird. Ihre Eltern sind beide im Gefängnis.
Jedes Haus hat einen eigenen Charakter
Die Vorsitzende berichtet weiter: „Jedes Familienhaus trägt einen eigenen Charakter, der von den Gegebenheiten des Hauses mitbestimmt wird, von der Besetzung der Bewohner und der Führung der Einrichtung. Im Beerhaus herrscht eine strenge Ordnung, im Robert-Blum-Haus, wo nur männliche Minderjährige wohnen, haben die Kinder mehr Freiheiten.
In Evershaus I ist es selbstverständlich, dass die Kinder vor allem in dem riesigen Garten mit anpacken müssen. Im Peter-Schnell-Haus sind vorwiegend jüngere Kinder untergebracht, die für Adoptionen vorbereitet werden und im Sunnanväderhaus leben Menschen mit Behinderung, die eine besondere Förderung benötigen“.
Fast an jedem Stadtrand gibt es Armut
Mehrmals wurde Edith Kirchmann gefragt, wann sie wieder eine Inforeise nach Rumänien organisiert. Einige Mitreisende waren besonders von dem noch immer herrschenden Elend in Roma-Siedlungen beeindruckt. Auch bei ihrem nächsten Aufenthalt wird sie eine Familie aufsuchen, von wo zwei Ehemalige der Einrichtungen stammen. Fast an jedem Stadtrand gibt es Gegenden, wo Armut und Verwahrlosung Zuhause sind und gerade aus solchen Bezirken stammen viele Hausbewohner der Familienhäuser.
Die Narben der Vergangenheit bleiben
„Junge Menschen, die heute als Erwachsene die Einrichtungen verlassen, haben immer die Chance, sich sozial zu integrieren, aber leider bleiben auch oft Narben aus ihrer Vergangenheit zurück“, weiß Edith Kirchmann. „Fehlende Zugehörigkeit zu ihren Wurzeln, Mangel an Sicherheit und Zuverlässigkeit prägen im Erwachsenenalter häufig ihr Verhalten. Trotzdem haben es bisher fast alle sogenannten Ehemaligen geschafft, ein selbstständiges Leben aufzubauen, einen Job zu finden und eine Familie zu gründen“.
Im Herbst ist wieder eine Inforeise nach Rumänien in Planung, bei der sowohl die Sonnenseiten als auch die Schattenseiten dieses Landes beleuchtet werden sollen.