Ursula Buzzi zitierte aus Briefen der Heimleiterin, rechts Wolfgang Tuffentsammer. Foto: Falko Vogler

Auf eine Zeitreise zum Schiltacher Kinderheim Mosetter, mit Wolfgang Tuffentsammer, begaben sich etliche Besucher des Vortrags im Martin-Luther-Haus.

Im Namen des Historischen Vereins und der Volkshochschule konnte Falko Vogler im Martin-Luther-Haus Pfarrer i. R. Wolfgang Tuffentsammer begrüßen. Über 40 Besucher, darunter frühere Nachbarn und Personen mit Verbindungen zum ehemaligen Kinderheim, waren gespannt, was Tuffentsammer über die Jahre zusammengetragen hatte.

 

Tuffentsammer machte deutlich, dass der Vortrag den Heimalltag lediglich anhand einzelner Geschichten schlaglichtartig beleuchten könne.

Tuffentsammer schilderte, wie es durch Anfragen und Besuche ehemaliger Heimbewohner zu seiner intensiven Beschäftigung mit diesem Thema kam.

Persönliche Begegnungen, Schriftwechsel und überlassene Fotografien vermittelten schließlich das Bild eines Hauses mit einer starken evangelischen Grundausrichtung, die aber auch Einflüsse der damaligen Wandervogelbewegung aufnahm. Wanderungen und im Sommer Strandbadbesuche waren im Heim an der Tagesordnung. Christliche Werte blieben auch während der NS-Zeit die Leitlinie.

Gründung 1928

Therese „Leine“ Eyth, verheiratete Mosetter, Tochter des aus Schiltach stammenden Malers Karl Eyth, gründete das Kinderheim 1928 in der Hohensteinstraße, es bestand bis 1968. Die Kinder genossen bei „Tante Leine“, wie sie liebevoll genannt wurde, persönliche Zuwendung, was über die Jahre zum Markenzeichen des Hauses wurde.

Tuffentsammer berichtete ausführlich über die im Kinderheim Beschäftigten, zu denen auch Schiltacher Pflichtjahrsmädchen gehörten und beispielhaft über einzelne Heimkinder. Es gab unterschiedlichste Beweggründe, Kinder bei Mosetter unterzubringen, auch geheim gehaltene Schwangerschaften und hier vorgenommene Entbindungen gehörten dazu. Einige der Heimbewohner gingen hier zur Schule, Freundschaften mit Schiltacher Kindern hielten teils lebenslang. Ein Jugendlicher, der über Jahre im Heim war, machte bei Hansgrohe sogar eine Werkzeugmacherlehre.

Einblicke in den Heimbetrieb und die damalige Zeit vermittelten erhaltene Briefe sowie schriftliche Erinnerungen von ehemaligen Heimkindern. Es wurde deutlich, dass das Heim in Schiltach eine Institution war und weitreichende Kontakte pflegte. Ausgesprochen geehrt fühlte man sich, als die Tochter eines französischen Offiziers aus Paris zum Deutschlernen im Kinderheim einzog. Erstaunt vernahm das Publikum, dass sich einst zwei halbwüchsige Buben mit dem Handkarren nach Freudenstadt aufmachten, um im Auftrag der Heimleitung eine Ladung Ovomaltine zu übernehmen um dann zu Fuß wieder den Rückweg nach Schiltach anzutreten. Betrachtungen zum Gebäude und seiner Zimmer und die für den Heimalltag wichtigen Außenbereiche folgten, ebenso ein Kurzfilm, der unbeschwerte Kinder auf dem Heimgelände zeigte.

Erinnerungen von Azubi

Ursula Buzzi zitierte Passagen aus Briefwechseln zwischen der Heimleiterin und einer Mitarbeiterin, Reinhard Mahn trug Abschnitte aus den Schiltach-Erinnerungen des schon erwähnten einstigen Auszubildenden vor.

Ein ausführlicher Bericht sowie die Audioaufzeichnung sind auf www.geschichte-schiltach-schenkenzell.de zu finden.