Viele Jahre war Ulrike Haist die pädagogische Leiterin des Kinderheims „Villa Sonnenheim“. Nun geht sie in den Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Redaktion wird deutlich, dass ihre Arbeit nicht nur erfüllend, sondern auch sehr anstrengend war.
Weit über Freudenstadt hinaus steht Ulrike Haist für Heimerziehung mit Herz und für liebevolles und professionelles Erzieherhandeln: Mit 66 Jahren geht die langjährige pädagogische Leiterin des Kinderheims „Villa Sonnenheim“ nun in den wohlverdienten Ruhestand.
Ursprünglich wollte Haist, die in Altensteig aufgewachsen ist, „irgendeinen Beruf mit Tieren erlernen“. Dass sie Erzieherin wurde, war den Vorgaben ihrer Eltern geschuldet. Zunächst sehr zu ihrem Leidwesen musste sie nach ihrem Realschulabschluss ein Haushaltsjahr bei den Aidlinger Schwestern absolvieren.
Dieses Jahr in einem Heim für Kinder mit schweren Behinderungen sei eine wichtige Station in ihrem Leben gewesen, sagt Haist rückblickend. Denn hinterher war ihr klar: „So etwas möchte ich auch einmal machen“.
Sehnsucht nach der Heimat
Ihr beruflicher Werdegang führte sie zur Erzieherausbildung nach Kehl-Kork, danach studierte sie an der Fachhochschule Freiburg Heilpädagogik. Als Diplom-Heilpädagogin trat sie ihre erste Stelle 1983 an der Familienberatungsstelle Freudenstadt an.
Sie habe sich damals so nach dem Schwarzwald gesehnt, erinnert sich Haist. In Freudenstadt habe sie, so berichtet sie, mit leuchtenden Augen ihren Hans-Martin kennengelernt, den sie bald darauf heiratete. Die Töchter Mirijam, Dina und Katharina vervollständigten das Familienglück.
Das Ehepaar Haist wagte einen Neuanfang
Beruflich wagte das Ehepaar Haist 1994 mit der Übernahme des privaten Hallwanger Kinderheims Sonnenheim einen völligen Neubeginn. Heimleiterin Rosmarie Krämer hatte zuvor jahrelang händeringend nach einer Nachfolge gesucht.
Bald zeigte sich allerdings, dass das veraltete Gebäude und der Standort im Hallwanger Täuscheweg kein Entwicklungspotenzial boten. Das Ehepaar Haist zog deshalb mit dem Kinderheim in den Freudenstädter Wölperwiesenweg um und bot fortan dort den ihnen anvertrauten Kindern einen sicheren Ort, Halt und Orientierung.
Bald war das schöne alte Jugendstilhaus mit den markanten gelben Fensterläden restlos ausgebucht. Der enormen Nachfrage wegen wurde 1997 die Wohngruppe „I-Tüpfelchen“ in der Ludwig-Jahn-Straße 30 gegründet. Im Jahr 1999 kamen die heute als Stiftung betriebene Kinderwerkstatt Eigensinn sowie die Akademie Eigensinn dazu.
Welch enorme Arbeitsbelastungen sich aus all diesen Projekten ergaben, wird im Gespräch mit Haist erst nach und nach deutlich. Vieles musste zu Beginn durch den großen Freundeskreis mitgetragen werden. „Hans-Martin war ein Visionär. Er ging davon aus, dass schon alles irgendwie gehen wird, trotz unserer drei kleinen Kinder“, erzählt Haist.
Dass ihre Tage hierdurch jahrzehntelang bis zum Anschlag mit Arbeit gefüllt waren und kaum Zeit zum Luftholen blieb, merkt und sieht man der 66-Jährigen nicht an. Sie selbst erwähnt es nur ganz nebenbei.
Großer Bedarf
Häufig musste sie akzeptieren, dass im Heim der Bedarf an Kindertherapiestunden weit höher war als das, was die bewältigen konnte. Ihre langen Arbeitszeiten zu reduzieren war deshalb keine Option für sie. Angesichts ihres Alters leiteten Ulrike und Hans-Martin Haist bereits 2021 die Übergabe ein.
Ehe der Wechsel ganz vollzogen war, erkrankte Hans-Martin Haist 2022 schwer. Im Juli 2023 verstarb er. „In seinem Krankenjahr konnten wir vieles besprechen, regeln und sortieren. Zudem haben wir viel Beistand erhalten“, sagt seine Frau.
Offizieller Abschied im Kurhaus
Mit Blick auf ihren Ruhestand freut sich Ulrike Haist vor allem auch darauf, nicht mehr diese große Verantwortung zu haben. Und sie freut sich darauf, mehr reisen zu können und mehr Zeit mit ihren drei Töchtern und sechs Enkelkindern verbringen zu können, alte Freundschaften wiederzubeleben, Pilgerwanderungen zu unternehmen und einfach mehr Zeit zu haben.
Ihr Abschied von der „Villa Sonnenheim“ und das Jubiläum dieser Einrichtung werden am Donnerstag, 26. September, um 15.30 Uhr im Freudenstädter Kurhaus gefeiert.