Oberbürgermeister Florian Kling vor dem neuen Kindergarten auf dem Wimberg. Foto: Link

Aus Werkrealschule wird Kinderhaus: Ein Verwaltungsgebäude der Werkrealschule Wimberg sollte zu einem Kinderhaus umgebaut werden. Der erste Schritt ist nun mit dem Umbau des Erdgeschosses getan: Im Januar ist der Kindergarten in den unteren Teil des Gebäudes eingezogen. Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht.

Calw-Wimberg - Im November 2018 arbeitete die Calwer Stadtverwaltung das erste Mal an Plänen für den Neubau eines zweigruppigen Kindergartens in der Wimberger Waldsiedlung. Als bereits konkrete Entwurfe für den Kindergarten angefertigt worden waren, kamen dem Bau- und Umweltausschuss aber Zweifel bezüglich der Parkplatzsituation und dem Mangel an Erweiterungsmöglichkeiten. Also wurde kurzerhand der Plan umgeschmissen. Da die Werkrealschule die Schließung bekanntgeben musste, entschied man sich für die Nutzung des Werkrealschul-Areals auf dem Wimberg für das geplante Kinderhaus. Begonnen hatten die Arbeiten im Februar vergangenen Jahres. In dem ersten Bauabschnitt sollte das Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes der Schule in der Pestalozzistraße 12 umgebaut werden. Es war geplant, dass der Kindergarten im September 2021 zum Schuljahresbeginn in das Erdgeschoss einziehen kann.

 

Erhebliche Stolpersteine

Doch diesem Vorhaben standen erhebliche Stolpersteine im Weg: Zum einen fielen die Angebote für Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Elektroinstallation mit rund 200 000 Euro deutlich teuerer aus als gedacht, zum anderen gab im Juli Oberbürgermeister Florian Kling bekannt, dass sich die Fertigstellung des Kindergartens um mindestens drei Monate verzögern wird. Der Grund: Aufgrund des herrschenden Baustoffmangels und der großen Nachfrage nach Handwerkern aller Art, hatte es nach einer ersten Ausschreibung seitens der Schreiner kaum Rücklauf gegeben, berichtete Kling damals unserer Redaktion. Doch damit endeten die Schwierigkeiten nicht: Im Obergeschoss zeigte sich beim Aufreißen der Decke, dass die vorhandene Bausubstanz aus Brandschutzgründen ungeeignet ist, um dort die Lüftungsgeräte einzubauen. Das wiederum habe auch zu Verzögerungen bei anderen Maßnahmen geführt, so Andreas Hailer vom Hochbauamt der Stadt Calw Ende des vergangenen Jahres auf Anfrage unserer Redaktion. Das Ende vom Lied: Der Kindergarten sollte erst einige Monate später fertig werden als geplant.

Also musste eine Übergangslösung her: Die Kinder, die dringenden Bedarf an einem Kindergartenplatz hatten, wurden in der Einrichtung in der Bahnhofstraße untergebracht, wo sich früher der katholische Kindergarten befunden hatte. Hailer gab daraufhin einen neuen Termin für die Fertigstellung bekannt: Am 10. Januar, dem Tag nach den Weihnachtsferien, sollte der Kindergartenbetrieb starten. So kam es dann auch.

Nicht sofort zum Spielen geeignet

Oberbürgermeister Kling besichtigte bei einem offiziellen Pressetermin den neu entstandenen Kindergarten auf dem Werkrealschul-Areal. Unsere Redaktion war ebenfalls vor Ort. "Im Januar konnte der Kindergarten einziehen. Im Moment besteht er aus zwei Gruppen, die noch nicht ganz voll sind. Eine Krippenbetreuung und eine zeitgemischte Gruppe mit Ü3-Kindern, sowohl mit Halb-, als auch mit Ganztagesbetreuung", informierte Isabel Götz, Fachbereitsleiterin Bildung, Kultur und Tourismus bei der Stadt Calw, gleich zu Anfang. Im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes der Werkrealschule drückten sich Kinder an den Fenstern mit den himmelblauen Rahmen die Nasen platt, um die Neuankömmlige rund um das Stadtoberhaupt zu begrüßen. Während der Außenbereich noch "nicht sofort zum Spielen geeignet" sei, wie Hailer Ende des vergangenen Jahres bereits vorgewarnt hatte, tobten die Kinder im Inneren des Kindergartens fröhlich umher.

Besagtes Inneres wartet mit einigen Neuerungen auf: Barrierefreie Toiletten, einen Aufzug, zwei Gruppenräume mit Fußbodenheizung und einem Mehrzweckraum. Außerdem ist aus Gründen des Schallschutzes und der Raumakustik vermehrt Holz an Decken und Wänden zu finden. Alles in allem hat der Umbau laut Hailer 1,6 Millionen Euro gekostet. Ursprünglich war mit Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro kalkuliert worden. Im Moment würde das Kindergartenpersonal die Einrichtung noch "vom Hintereingang aus betreiben", da vor dem Gebäude noch Baustellenbetrieb herrsche, führte Hailer weiter aus. Im Außenbereich sind noch ein Zaun, ein paar Spielgeräte, Rasenstreifen und ein Pflasterweg geplant. Mit Letzterem soll eine Aufstellfläche für die Feuerwehr geschaffen werden. "Außerdem sollen die Vordachstützen noch im selben Himmelblau wie die Fensterrahmen gestrichen werden", bewies Hailer einen Blick für das Detail. Derzeit gebe es noch Überlegungen zwecks einer möglichen Überdachung zwischen den zwei Kindergärten. Zur Erinnerung: In der Pestalozzistraße gab es bereits einen bestehenden Kindergarten, der direkt an das Gelände der Werkrealschule anschließt.

Dauerhaftes Personalproblem

Der untere Teil des Gebäudes ist nun fertig, doch was ist mit dem oberen Teil? Im Moment wird das Untergeschoss noch von einem massiven Holzgeländer vom Obergeschoss getrennt. Dort sitzt im Moment noch die Verwaltung der Werkrealschule. Doch nicht mehr lange: "Am 7. Februar zieht die Schulverwaltung um in ein Nebengebäude." Das Obergeschoss steht dann leer. Ob und wann es mit dem Umbau im oberen Teil des Gebäudes weitergehen wird, sei noch nicht klar, so Kling. Es bestehe auch die Möglichkeit, in den dritten Gruppenraum im Untergeschoss, der zurzeit als Mehrzweckraum genutzt wird, eine weitere Gruppe einziehen zu lassen und den Mehrzweckraum in das Obergeschoss zu verlegen. Dann könnte man eventuell ohne große Umbauarbeiten auskommen.

Falls das Obergeschoss umgebaut werden sollte, müsse man erst einmal die Obergeschossdecke "ertüchtigen", so Hailer. Diese sei keine Betonrippendecke, sondern würde aus Stahlträgern und Holz bestehen, also de facto eine zu geringe Tragkraft besitzen. Ganz zu schweigen davon, dass die vorhandene Bausubstanz wie bereits erwähnt aus Brandschutzgründen ungeeignet ist, um dort die Lüftungsgeräte einzubauen. Bisher gebe es aber noch keine konkreten Planungen, was das Obergeschoss betrifft, so der Oberbürgermeister. Im Moment würde es "keinen Bedarf geben", da ebenjener erst einmal gedeckt worden ist. Eine umfassende Kindergartenbedarfsplanung sei jedoch vorgedacht.

Einrichtungsleiterin Heike Schlegel ist diesbezüglich besorgt: "Wir werden im Frühjahr 2023 überbelegt sein, wenn nicht noch eine Gruppe gemacht wird."

Kling hielt dagegen, dass man ja schließlich auch das nötige Personal dafür haben müsse. Bereits im Juli des vergangenen Jahres beklagte der Oberbürgermeister ein "dauerhaftes Personalproblem" bei der Ganztagesbetreuung in den Kindertagesstätten in Calw.

Auch wenn noch einige Fragen offen bleiben, herrscht erst einmal Erleichterung bei allen Beteiligten. Hailer: "Wir standen unter enormen Zeitdruck. Man hat immer im Blick gehabt, die Kinder sollen bald kommen, aber noch rollen die Bagger." Er sprach von einer "großen Erleichterung", dass die Kinder nun endlich eingezogen sind. Und diese sind in ihrem neuen Kindergarten "laut den Mamas glücklich", lacht eine Erzieherin.