Die Stadt Kandern erneuert die Heizung im Kindergarten Wollbach. Ein hybrides System kommt – doch im Gemeinderat gab es Kritik an der weiteren Nutzung von Gas.
Die Stadt Kandern möchte die Heizungsanlage im Kindergarten Wollbach austauschen. Die alte Gasheizung ist aus den frühen 1990er-Jahren und laut Hochbau-Leiterin Judita Kovac mittlerweile sehr störanfällig. Etwa zehn Mal sei die Anlage bereits ausgefallen.
So soll es nun ein hybrides System werden: Zwei Wärmepumpen sollen die Grundlast abdecken, eine Gastherme die Betriebssicherheit gewährleisten. Die Baukosten werden laut einer Kostenberechnung des Planungsbüros auf gut 250.000 Euro geschätzt. Die Beschlussvorlage wurde mit zehn Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen.
Der Beschlussdruck war groß: „Wir haben nur die drei Wochen im Sommer, wenn die Kita geschlossen ist, um diese Heizung einzubauen. Wenn wir heute nicht beschließen, müssen wir ein ganzes Jahr warten“, hatte Kovac zuvor gesagt.
„Nicht zu Ende gedacht“, kritisiert Pablo Wagner
Dass die Stadt Kandern dabei weiterhin auf fossile Energie setzt, stieß im Gemeinderat allerdings teilweise auf Unverständnis. Für Gemeinderat Pablo Wagner (Grüne) war der Beschlussvorschlag keine vorausschauende Lösung, zumal man über Jahrzehnte mit dieser Entscheidung leben müsse.
Er kritisierte die weitere Nutzung von Gas und wandte sich auch klar gegen strombasierte Heiztechnik. Beides führe aus seiner Sicht in neue Abhängigkeiten und sei weder wirtschaftlich noch zukunftsfähig. „Das ist eine Grundsatzfrage – und aus meiner Sicht wird hier nicht zu Ende gedacht.“
Als Alternative plädierte Wagner dafür, die nahe gelegenen Waldflächen zu nutzen, und fragte: „Warum nicht eine Holzvergaseranlage? Da geht doch die Entwicklung hin.“
„Keine Alternative“, sagt die Bürgermeisterin
Für die Stadt habe es allerdings keine Alternative gegeben, entgegnete Bürgermeisterin Simone Penner. Zwar sei ein zentrales Heizsystem (Nahwärme) erwogen worden.Dafür wäre jedoch eine neue Ausschreibung nötig gewesen. Laut Verwaltung hätte der Planungs- und Bauprozess dann drei bis fünf Jahre gedauert.
Das Planungsbüro IB Behringer aus Todtnau hatte zuvor mehrere Möglichkeiten geprüft – etwa Pellets oder Holzhackschnitzel zum jetzigen Heizraum zu befördern (dafür wäre ein Außenlager erforderlich) oder eine Containerlösung mit Schornstein.
Letztlich wurden alle Alternativen verworfen, vor allem wegen der beengten Verhältnisse vor Ort. Kovac sagte: „In Wollbach wäre eine Außenanlage mit Container so mitten in der Ortschaft einfach nicht möglich gewesen.“
Eine neue Ausschreibung würde den Austausch um Jahre verzögern
Auch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) war zwischenzeitlich Thema. Aus der Nachbarschaft lag laut Beschlussvorlage ein Angebot vor, sich an ein mögliches BHKW anzuschließen. Doch auch hier wäre ein Wettbewerb mit Ausschreibung erforderlich gewesen. „Wir als Stadt können nicht einfach sagen: Da baut jemand ein BHKW, und wir schließen uns an“, so Penner. Zudem würde auch diese Lösung den Prozess um Jahre verzögern – und das möchte die Stadtverwaltung vermeiden.
Auch Gabriele Weber, Fraktionssprecherin der SPD, sagte: „Das Thema ist jetzt da – und wenn wir eine neue Heizung brauchen, sollten wir den Schritt gehen. Weitere Ausschreibungsverfahren würden alles nur unnötig verkomplizieren.“