Kürzere Betreuungszeiten und trotzdem ein erhöhter Personalbedarf – das klingt absurd, wäre aber Realität, wenn die Gemeinde die Öffnungszeiten des Kindergartens „Windrad“ in Erdmannsweiler entsprechend der Wünschen der Eltern anpassen würde. (Symbolfoto) Foto: Helen Moser

Höhere Kosten trotz weniger Betreuungsstunden – so lautet das Ergebnis des Versuchs der Gemeinde, im Kindergarten „Windrad“ in Erdmannsweiler auf Wünsche berufstätiger Eltern einzugehen.

 
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Die neuen Öffnungszeiten sind laut der Elternbeiratsvorsitzenden Andrea Müller wichtig zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Laut Hauptamtsleiter Florian Kienzler gibt es derzeit von Montag bis Freitag die Regelbetreuung mit 8 bis 12 Uhr und verlängerte Vormittagsöffnungszeiten mit 7 bis 12.55 Uhr. In beiden Fällen kommt dazu montags, dienstags und donnerstags Betreuung von 14 bis 16 Uhr.

Gewünscht ist von Eltern nun die generell verlängerte Öffnungszeit von 7 bis 14 Uhr, freitags bis 13 Uhr, komplett ohne Nachmittagsbetreuung. Obwohl so die wöchentliche Betreuungszeit von etwa 35,5 auf 34 Stunden sänke, wäre laut dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) die Einstellung einer weiteren Kraft nötig, welche die Gemeinde pro Jahr knapp 60 000 Euro zusätzlich kosten würde. Grund dafür sind vorgeschriebene Ruhepausen. Zudem würde die Betriebserlaubnis erlöschen, eine neue erfordere ein noch zu erstellendes Kinderschutzkonzept.

Kosten stünden in keinem Verhältnis

Man verkenne nicht die Notwendigkeit, Familie und Erwerbstätigkeit zu verbinden, so Bürgermeister Fritz Link. Unter Berücksichtigung von Haushaltssituation und reduzierter Betreuungszeit stünden die Kosten aber in keinem Verhältnis. Pausenbedarfe ließen sich per Teilzeit ermöglichen. Auch wolle man die Betriebserlaubnis behalten. Er sprach von „Absurditäten, Überregulierung und völlig überzogenen Vorgaben“. Standards seien dringend zu hinterfragen, weitere Gespräche mit dem KVJS nötig. Elternbedarfen gerecht zu werden, stehe unter der Voraussetzung der Finanzierbarkeit. Die Gemeinde investiere 2023 Jahr schon 800 000 Euro in die Erweiterung zweiter Kindergärten.

Beschluss wird erst einmal vertagt

Der Wunsch Müllers nach einer Einführung der neuen Zeiten schon zum Beginn des Kindergartenjahres 2023/2024 nannte Link unrealistisch, da Personalrekrutierung derzeit „mehr als schwierig“ ist. Das Kinderschutzkonzept könne man selbst erstellen, dazu brauche es keine externen Berater. Ob das aber in der Kürze der Zeit zu erledigen ist, müsse man sehen, merkte Kienzler an.

Die Ausschussmitglieder hatten Verständnis für den Elternwunsch. Johannes Kronbach und Birgit Helms sprachen sich für eine schnellere Umsetzung aus. Kronbach schlug vor, den Beschluss auszusetzen und mit dem KVJS eine Lösung zu erarbeiten. Bernd Möller sah die Gefahr, dass andere Einrichtungen nachzögen und es dann nicht bei 60 000 Euro bleibe. Den nötigen Aufwand nannte er „unglaublich“. Hans Mack war eher pessimistisch gestimmt, was die Möglichkeit längerer Öffnungszeiten angeht. Jan-Jürgen Kachler war von den Zahlen „erschrocken“ und sah es als wichtiger an, alle Einrichtungen zu erhalten.

Der Ausschuss für Tourismus, Kultur, Bildung, Jugend und Soziales stimmte schließlich dafür, den Beschluss auszusetzen und weitere Gespräche mit dem KVJS zu suchen, mit dem Ziel eines deutlich günstigeren Personalansatzes.