Harry, Ron und Hermine leben gar nicht in Hogwarts, sondern in Sulz-Holzhausen. Denn auf dem Hof Rosenfeld von Jakob Schon und Paula Altner sind die drei Ziegen die Stars.
„Die Kinder sollen sehen, wie die Tiere leben und wo die Lebensmittel herkommen“, findet Jakob.
Der Landwirt des Hofs Rosenfeld wartet gerade auf die Gruppe des nahegelegenen Naturkindergartens. Deren „Wichtelwagen“ steht auf einer von Schon gepachteten Wiese. „Meine Voraussetzung damals lautete, dass die Kinder uns auch regelmäßig besuchen“, verrät er. So wolle er schon in jungen Jahren das Verständnis für die Landwirtschaft wecken.
Produkte frisch vom Hof
Der heutige Besuch ist ein ganz besonderer. Denn da eröffnen Jakob und seine Freundin Paula ihren Streichelzoo. In dem eingezäunten Gehege befinden sich drei Ziegen – Harry, Ron und Hermine, wie Jakob aufzählt. „Oft haben Radfahrer und manchmal sogar auch Autos am Straßenrand angehalten, um unsere Tiere auf der Weide anzuschauen“, erinnert er sich.
Das wollten die beiden mit dem Gehege nun offiziell machen. Ein Automat, an dem gegen Münzeinwurf Pellet-Futter für die Ziegen herauskommt, ist ebenfalls da. Nur ein kleines Häuschen, in dem es hofeigene Produkte sowie Eis und kühle Getränke für heiße Tage geben soll, wartet noch auf Umsetzung.
Ziegen, Katze, Schafe
„Ihr müsst leise sein und langsame Bewegungen machen“, erklärt Jakob Schon den Kindern, die ganz gespannt vor dem Zaun stehen. Denn bei lauten Rufen können die Tiere schnell Angst bekommen und weglaufen. Und tatsächlich sind die Tiere erst einmal auf Abstand bedacht, bis sie Vertrauen fassen und sich dem Zaun – und dann den dahinterstehenden Kindern nähern.
Jemand, der deutlich weniger Berührungsängste hat, ist Findus. Seelenruhig schlendert die Katze über den Hof, während Liese und Lotte, die beiden Schafe, die Kinderschar erst einmal argwöhnisch beäugen.
Körperpflege für Kühe
Für die geht es erstmal zu den Texas-Longhorn-Rindern – deren Bild auch gut sichtbar an der Hofwand angebracht ist. Das Besondere ist – wie der Name schon sagt – die Länge der Hörner. Bei erwachsenen Tieren können sie eine Spanne von bis zu über 2,5 Metern umfassen. „Mit den Hörnern können sie sich sogar unten am Fuß kratzen, wenn sie wollen“, beschreibt Jakob die Körperpflege der besonderen Art bei den Jungtieren.
Etwas weiter stehen drei junge Kühe in einem Stall – mit schwarz-weißem Fell und deutlich kürzeren Hörnern. „Sie können sich sogar selbst den Rücken schrubben“, sagt der Bauer und deutet auf einen Besenkopf mit harten Borsten, der außerhalb des Stalls in entsprechender Höhe befestigt ist.
Wichtige Grüngut-Stelle
Doch bei den Kühen ist nicht nur eine Massage von oben wichtig. Mindestens genauso von Relevanz ist, was unter ihnen ist – die Einstreu. Und, wo die denn überhaupt herkommt. Dafür geht Jakob mit den Kindern zuerst zur Grüngut-Sammelstelle.
„Mein Opa bringt hier immer sein Gras hin“, meldet sich ein Junge. Das greift Jakob – im wahrsten Sinne des Wortes – auf und fasst in den großen Haufen. „Oben ist das Gras noch grün, unten zersetzt es sich aber und wird langsam zu Erde“, erklärt er.
Mitbringsel für Kinder
In einer überdachten Halle lagert ein mehrerer Meter hoher Berg an Kompost. „Wenn man hier hineingreift, ist es ganz warm“, zeigt er den Kindern. Er gräbt ein bisschen mit der Hand – schnell wird richtiger Dampf sichtbar, der aus dem Inneren herausströmt.
Zuerst dient die Masse als trockene Einstreu für die Rinder, danach bringt man sie als Dünger auf die Felder aus. Und damit sich die Kinder von der Qualität des Komposts auch selbst überzeugen können, bekommt jedes einen kleinen Blumentopf, den es mit der Erde füllen kann.
Füttern und streicheln
Dann wird ein Bohnensamen hineingedrückt, und Paula bringt einen Eimer Wasser, aus dem jeder seine Pflanze bewässern kann. „Die Töpfchen stellen wir auf unser Fensterbrett und schauen, wie die Bohnen anfangen zu wachsen“, erklärt Theresa Rieger, die Leiterin des Naturkindergartens.
Zum Schluss gibt es noch ein besonderes Erlebnis. Jedes Kind erhält eine Handvoll Tierfutter und kann sie den drei Ziegen in ihrem Gehege zum Fressen geben. Und weil es ja schließlich ein „Streichelzoo“ ist, hebt Jakob den schwarzen Harry empor, damit die Kinder voller Begeisterung sein Fell streicheln können.
„Wenn man die Tiere sehen, riechen und fühlen kann, ist das eine ganz andere Erfahrung“, hält er fest. In Zeiten, wo manche Kinder der Überzeugung seien, die Milch käme aus dem Tetrapack im Supermarkt, müsse man auf diese Weise Aufklärungsarbeit leisten, findet er. Und freut sich, dass es, blickt man in die leuchtenden Kinderaugen, gut ankommt.