Rund um den Wichtelwagen können die Kinder Natur pur erleben. Das freut nicht nur die Jüngsten, sondern auch Leiterin Theresa Rieger (links). Foto: Schneider

Sie sind bei Wind und Wetter draußen und können so die Natur ganz anders wahrnehmen – die Kinder des Sulzer Naturkindergartens „Vergiss-Mein-Nicht“.

„Wir sind hier nahe am Wald und haben eine richtig schöne Fläche, wo sich die Kinder austoben können“, hatte sich Bürgermeister Jens Keucher vor gut zweieinhalb Jahren bei der Einweihung des Naturkindergartens „Vergiss-Mein-Nicht“ gefreut.

 

Jetzt ist einige Zeit vergangen, und unsere Redaktion hat nachgefragt: Wie ist es denn so im „Wichtelwagen“, dem Wald und in der ganzen freien Natur? „Im Frühling startet jetzt wieder eine besonders schöne und lebendige Zeit bei uns“, kommt Leiterin Theresa Rieger ins Schwärmen.

Schmetterling und Barfußpark

So seien die Hochbeete bereits bestückt worden – die Kinder können also von Anfang an begleiten, wie alles wächst und gedeiht. So sind alle auf die ersten Erdbeeren und Radieschen gespannt. Ein weiteres Highlight sei das Schmetterlingsprojekt. „Aktuell begleiten wir sieben Raupen hautnah auf ihrem Weg – von der Raupe bis zum Schmetterling“, erklärt die Pädagogin.

Für die Kinder ist es sehr spannend, diese Entwicklung mitzuerleben. Und alle hoffen, die Schmetterlinge bald gemeinsam in die Freiheit entlassen zu können. Die Zeit bis dahin nutzt man einfach zum Bau eines neuen „Schnecken-Hotels“. Aber man hat natürlich noch viel mehr zu bieten. „Ausflüge – zum Beispiel nach Bergfelden an den Barfußpark oder zur Osterschnitzeljagd in Dürrenmettstetten – sind immer ein Erlebnis“, zählt sie auf.

Zeit zum Spielen

Auch der Ausflug zu den Büffeln beim Büffelhof Steinwand sei etwas ganz Besonderes gewesen. „Ein echtes Highlight ist für die Kinder jedes Mal der Besuch bei Jakob Schon auf dem Hof Rosenfeld“, betont Rieger. Die Nähe zu den Tieren und die Einblicke in die Landwirtschaft seien eben einfach immer wieder spannend.

Und wie läuft ein „normaler“ Tag im Waldkindergarten ab? Einen ganz festen Ablauf gebe es nicht, da immer darauf geachtet werde, wie die Kinder gerade drauf seien und was sie bräuchten, schränkt sie ein. Was aber fix sei, ist die Ankommenszeit mit Freispiel – nämlich zwischen 7.30 und 8.30 Uhr.

Büffelhof und Gärtnerei

Danach steht das gemeinsame Frühstück an. Frisch gestärkt, gehen die Kinder dann auf Entdeckungstour in die Natur, oder es gibt verschiedene Angebote am Platz des Kindergartens. Was gerade noch am Wachsen ist, ist der Weidentunnel. Sind die biegsamen Laubengehölze entsprechen groß, kann der Morgenkreis unter einem dichten Blätterdach stattfinden.

Es gebe Kooperationen nicht nur mit dem Büffelhof oder dem Hof Rosenfeld, sondern auch mit der Landschaftsgärtnerei der Familie Wegenast. Die Vorschüler besuchen darüber hinaus alle zwei Wochen die Grundschule Holzhausen – ihre Vorschule.

Die Jahreszeiten erleben

In der kühleren Jahreszeit – von Oktober bis Mai – ist man freitags auch noch in der Turnhalle. „Das ist für die Kinder immer ein schöner Ausgleich“, hält Rieger fest. Und was ist das Besondere an einem Naturkindergarten? – Schließlich ist „Vergiss-Mein-Nicht“ momentan die einzige Einrichtung dieser Art in Sulz.

„Ein großer Vorteil bei uns ist, dass wir keine Wände haben“, lautet eine pragmatische Antwort. Dadurch sei der Lärmpegel deutlich geringer, was sowohl den Kindern als auch den Erzieherinnen sehr gut tue. Außerdem erlebten die Kinder die Natur und die Jahreszeiten ganz direkt. Das heißt: Sie sind bei Wind und Wetter draußen und bekommen ein ganz anderes Gefühl für ihre Umwelt. „Das ist etwas sehr Wertvolles“, betont sie.

Auch Eltern sind begeistert

Doch manchmal geht es auch in den „Wichtelwagen“. Schließlich befinden sich dort die Toilette, viele Spiele und Puzzles, Bastelmaterialen und die – noch – verpuppten Schmetterlingslarven. Und eine kleine Küche ist da. „Wir gehen auch gemeinsam auf den Wochenmarkt, um die Lebensmittel aus der Region einzukaufen“, erklärt Rieger. Gekocht und gebacken werde dann im Wagen.

Dass das Konzept ankommt, bestätigen die Rückmeldungen der Eltern. „Wir hören oft, dass die Kinder ausgeglichener sind und sehr gerne zu uns kommen“, gibt die Leiterin das Feedback wieder. Und zieht auch ein eigenes Resümee. So schaue man auf die Jahre seit der Gründung 2023 mit großer Zufriedenheit zurück.

Platz für 20 Kinder

„Wir haben gemeinsam viel aufgebaut und einen Kindergarten geschaffen, auf den wir wirklich stolz sind“, betont sie – ein Ort, an dem die Kinder sich wohlfühlen und frei entwickeln können. Und sie sieht auch weiterhin positiv nach vorne: „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den Kindern die Natur im Frühling zu entdecken und viele neue Erfahrungen zu machen.“

Aktuell sind 14 Kinder im Naturkindergarten angemeldet – wobei es noch Platz für mehr gibt. Insgesamt können 20 Kinder ab drei Jahren, die allerdings trocken sein müssen, von 7.30 bis 13.30 Uhr Natur pur erleben.