Im Baugebiet Ziegeleschle II (links) zwischen Hausener Straße, Feuerwehrgerätehaus und Bahnlinie steht in unmittelbarer Nähe zur Kernstadt der Neubau einer Kindertageseinrichtung zur Diskussion. Foto: Bombardi

Die Stadt Hüfingen hat sechs Kindertageseinrichtungen, doch stößt sie an ihre Grenzen.

Hüfingen - In den kommenden Jahren wird der Bedarf das Angebot an freien Plätzen übersteigen. Vor allem die beiden städtischen Kindertagesstätten St. Verena und Luise-Scheppler platzen demnächst aus allen Nähten, weshalb sich der Gemeinderat intensiv mit der Bedarfsplanung auseinandergesetzt hat. Er handelt und will für Entspannung sorgen.

Erweiterung in Mundelfingen

Um den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz möglichst rasch zu erfüllen, entschied sich das Gremium in einem ersten Schritt, den Kindergarten in Mundelfingen zu erweitern: mit einer Regelgruppe für 25 Kinder ab drei Jahren. Bauliche kostengünstige Maßnahmen spätestens zu Beginn des kommenden Schuljahres sollen zudem Platz für eine altersgemischte Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit und ebenfalls 25 Kindern schaffen. Damit soll den geburtenstarken Jahrgängen der vergangenen Jahre in Mundelfingen und Hausen vor Wald Rechnung getragen werden.

Erweiterungen durchdacht

Verbunden mit der Erweiterung im Hüfinger Ortsteil Mundelfingen liegt auch Hoffnung auf eine Entspannung der Belegungssituation in der Kita St. Georg in Behla; und dadurch freiwerdenden Kapazitäten für die Kinder aus der Kernstadt. Indes war sich der Gemeinderat einig, dass lediglich bauliche Maßnahmen den Bedarf in der Kernstadt längerfristig abdecken. Er sondierte diverse Varianten, von denen er eine nochmalige Bedarfserweiterung der bestehenden Kita St. Verena und einen Neubau an der Friedensstraße aus verkehrstechnischen und pädagogischen Gründen auf Anhieb ausschloss. Ähnliche Gründe führte er für eine mögliche Erweiterung der Kita St. Georg in Behla an. Aus Kapazitäts- und Platzgründen sei an einen Ausbau der Kita Luise-Scheppler nicht zu denken.

Neubau eventuell im Gebiet Ziegeleschle II oder Auf Hohen

Final einigte sich der Gemeinderat bei drei Gegenstimmen darauf, das Thema Neubau einer weiteren Kita im Baugebiet Ziegeleschle II oder Auf Hohen weiter zu verfolgen. Der Ausschuss für Umwelt und Technik soll das Thema weiter ausarbeiten. Dieser ist nun gefordert, bis zu seiner nächsten Sitzung am 20. Januar die Vorteile eines von ihm bevorzugten Neubaustandorts aufzuzeigen und so dem Gemeinderat zeitnah die weiteren Schritte bezüglich Realisierung und Finanzierung aufzuzeigen.

Der Gemeinderat willigte der von der Verrechnungsstelle in Stühlingen geforderten Änderung der Betriebskostenverträge für die vier katholischen Kindertageseinrichtungen ab dem 1. Januar ein. Sie fordert eine Erhöhung der nicht gedeckten Betriebsaufwendungen auf 93 statt bisher 89 Prozent und eine Erhöhung für Investitionsausgaben von derzeit 70 auf 90 Prozent. Alternativ entschied sich der Gemeinderat für eine Erhöhung der Schlüsselzuweisungen auf zehn Prozent an den Betriebskosten und fixierte den Betrag bis 2023.

Anpassung bestehender Verträge

Bürgermeister Michael Kollmeier verwies darauf, dass die Stadt von dem qualitativ hochwertigen pädagogischen Engagement der kirchlichen Träger profitiere, was sich insbesondere mit Beginn der Pandemie mehrfach gezeigt habe. Die Gemeinderäte bedauerten, dass Mario Isele nicht in der Sitzung war. Als Kindergartenbeauftragter der Verrechnungsstelle hätte er detailliertere Informationen zur zukünftigen Vertragsgestaltung mitbringen sollen.

Christof Faller (CDU) sprach von einem logischen Schritt, da sich die katholische Kirche mit ihrer Forderung dem bereits bestehenden Vertrag mit der evangelischen Kirche anglich. Kerstin Skodell (SPD) bedauerte, dass es nicht mehr möglich gewesen ist, mit Mario Isele direkt nachzuverhandeln. Adolf Baumann (FDP) prognostizierte mittelfristig einen kompletten Rückzug der Kirchen aus dem Kindergartenbetrieb. Michael Steinemann (BFSO/Die Grünen) appellierte, in die Überlegungen bezüglich eines Kita-Neubaus alternativ auch Angebote wie einen Naturkindergarten einzubeziehen.

Die Situation

Die Hüfinger Bevölkerung zählt mit einem Durchschnittsalter von 42,9 Jahren zu einer der jüngsten im Schwarzwald-Baar Kreis, was sich unter anderem auf die exponierte Lage an mehreren Verkehrsachsen und die sukzessive Planung von Neubaugebieten zurückführen lässt. Damit verbunden ist unter anderem der vermehrte Zuzug von jungen Familien mit Kindern, was die Stadtverwaltung wiederum fordert, vielfältige Angebote und ausreichend Bildungs- und Betreuungsplätze für Kinder unter und über drei Jahren bereitzustellen.