Der bestehende Kindergarten in Seedorf wird durch einen Neubau ersetzt. Damit entstehen allerdings nur wenige zusätzliche Plätze. Foto: Merz

Die kommenden Jahre werden eine Aufholjagd. Der Bedarf an Betreuungsplätzen von Kindern unter drei Jahren wächst beständig, die Gemeinde Dunningen kommt mit der Einrichtung solcher Plätze kaum hinterher. Das Wettrennen ist eröffnet.

Dunningen-Lackendorf - Es ist ein wenig wie die Geschichte vom griechischen Helden Achill, der ein Wettrennen mit einer Schildkröte austrägt. Er lässt dem Reptil am Start einen Vorsprung, bis er schließlich selbst losläuft. Aristoteles sagt, dass der Krieger nicht gewinnen kann, denn die Zeit die Achill braucht, um aufzuholen, nutzt die Schildkröte, um weiter vorwärts zu kommen. Achill wird sie deshalb niemals ein- oder gar überholen.

Wie Achill fühlt sich die Gemeinde Dunningen. Die Zahl der Plätze für die Kinder unter drei Jahren (U3) kann mit dem davoneilenden Bedarf nicht mithalten. Kaum ist der Bedarf gedeckt, hat sich die Nachfrage auch schon wieder erhöht.

Und schon im nächsten Kindergartenjahr besteht Handlungsbedarf, wie Annette Schmidt aus der Dunninger Verwaltung warnte, als sie die Kindergartenbedarfsplanung am Montag im Lackendorfer Ortschaftsrat vorstellte. Bei den über Dreijährigen sieht das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hingegen günstiger aus.

Statistiker liegen daneben

Die Gemeinde könne den Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung (U3) mit den vorhandenen Plätzen nicht mehr erfüllen, stellte Schmidt klar. Inzwischen gebe es sogar eine Warteliste, aber die werde immer länger. Schnelle Lösungen sind also gefragt.

Bis vor Kurzem gingen alle Prognosen der Statistiker dahin, dass der ländliche Raum Einwohner verliert, die es in die Städte zieht. Damit lag man allerdings, wie sich inzwischen herausstellte, falsch. Dunningen ist eine stark wachsende Gemeinde mit vielen Baugebieten, deren Bauplätze vor allem junge Familien nachfragen. Die Kehrseite: Der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt, die Gemeinde kommt trotz großer Anstrengungen nicht hinterher. Und es kommt noch schlimmer: Bei der Kindergartenbedarfsplanung wird die zukünftige Nachfrage aus den Baugebieten gar nicht mitgerechnet.

Die Verwaltung hat inzwischen Überlegungen angestellt, wie die Klemme gelockert werden könnte. So beschrieb Schmidt den Plan, die Familiengruppe, die im Pfarrhaus in Seedorf untergebracht ist, in eine reine Krippengruppe umzuwandeln. Dazu müsse allerdings eine neue Betriebserlaubnis beantragt werden. Auch die leerstehende gemeindeeigene Wohnung in der Jahnstraße könnte rasch für eine Krippengruppe mit zehn Plätzen umgenutzt werden.

Für Dunningen noch ungewöhnlich ist die Idee, einen Naturkindergarten für Kinder über drei Jahren einzurichten. Zwei Erzieherinnen waren damit auf die Gemeinde zugekommen. Bürgermeister Peter Schumacher sprach von einem interessanten Konzept, das ihn persönlich überzeuge, und kündigte an: "Da gehen wir in den nächsten Monaten ran." Es gebe inzwischen Erfahrungswerte aus anderen Kommunen, und die seien positiv. Mithin sei ein Naturkindergarten "eine günstige Betreuungsform für eine attraktive Gemeinde". Natürlich müsse das Konzept Hand und Fuß haben. Aber die Kommunen mit Naturkindergarten hätten "durchweg gute Erfahrungen gemacht".

Der geplante Kindergarten-Neubau in Seedorf helfe dagegen nur bedingt aus der Klemme, da er im Wesentlichen die Plätze des alten Kindergartens ersetze. Bürgermeister Schumacher sagte es deutlich: "Die Platzknappheit wird uns die kommenden Jahre begleiten. Das ist ein generelles Problem. Da gibt es nichts schönzureden."

Annette Schmidt bestätigte, dass ein Trend bei den Eltern bestehe, die Kinder immer früher in eine Betreuungseinrichtung zu bringen, meist bereits in oder nach der Elternzeit. Peter Schumacher lobte in diesem Zusammenhang die Leitungen der Dunninger Kindergärten, die in enger Abstimmung durch Verteilung der Bewerber das Beste aus dem Platzmangel gemacht hätten. Allerdings werde man jetzt dazu übergehen, die Anmeldungen zentral über das Rathaus abzuwickeln.

Zügig Räume generieren

Aber in Lackendorf über Kindergarten zu diskutieren, heißt auch, dass früher oder später vom Alten Schulhaus die Rede ist. Christian Stemplinger ergriff die Gelegenheit. Nach seiner Auffassung sollte man den Umbau des Gebäudes zum Kindergarten jetzt zügig in Angriff nehmen. Statt Geld in die Wohnung in der Jahnstraße zu stecken, könne man im Schulhaus "modular" zügig Raum generieren. Ortsvorsteher Hermann Hirt bremste. Wenn man sich entschließe, den Kindergarten im Wohngebiet neu zu bauen, stehe man vor einer ganz anderen Situation. Volker Haag fragte sich, ob denn die geplanten 20 Plätze für den Naturkindergarten ausreichend seien und stellte den Antrag, eine Betriebserlaubnis für bis zu 40 Kindern zu stellen.

Am Ende stimmte der Ortschaftsrat der Kindergartenbedarfsplanung zu.