Spätestens seit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz im Jahre 2013 räumt die Stadt Albstadt der Kinderbetreuung einen Spitzenplatz auf ihrer Prioritätenliste ein. Im Soll ist sie dennoch, wie der Gemeinderat jüngst erfuhr.
29 Kindertagesstätten gibt es in Albstadt, ließ Nadine Conzelmann, Leiterin des Sachgebiets Kindertageseinrichtungen im Amt für Familie, Bildung, Sport und Soziales, die Gemeinderäte wissen, und in diesen 29 Kitas werden insgesamt 2042 Plätze angeboten – 76 zu wenig, denn der errechnete Bedarf liegt bei 2118 Plätzen.
Im Ü3-Bereich für Kinder über drei Jahren stehen 1701 Plätze zur Verfügung; laut Bedarfsplanung müssten es 1742 sein. Im U3-Bereich beträgt das Defizit 35 Plätze: 341 gibt es, 376 müssten es sein – Tendenz steigend. Das Fachamt weiß außerdem von 38 Kindern, die von insgesamt zwölf Tagesmüttern betreut werden.
277 neue sind schon entstanden
Nicht dass die Stadt in den vergangenen Jahren nichts unternommen hätte, um das Angebot in quantitativer wie qualitativer Hinsicht zu verbessern. 277 neue Kindergartenplätze seien geschaffen worden, berichtete Conzelmann, 185 im Ü3- und 92 im U3-Bereich, unter anderem im Bauernhofkindergarten auf dem Roßberg. Aber parallel zum Angebot ist auch die Nachfrage – sprich: die Kinderzahlen – gestiegen, denn die Stadt wächst, die Geburtenzahlen sind in Albstadt vergleichsweise hoch, und dann sind da ja noch die Kinder aus der Ukraine.
Man muss also nachlegen; Pläne dafür gibt es. Der Bauernhofkindergarten soll erweitert werden, auf dem Ebinger Kreuzbühl entsteht ein neuer Naturkindergarten, und der Truchtelfinger Kindergarten Gänsbach soll ausgebaut werden und eine Krippe bekommen.
Skepsis ist angebracht mit Blick auf das Großprojekt
Nicht zu vergessen: das Großprojekt einer neuen Kindertagesstätte für ganz Onstmettingen in der Schwabstraße. Die ist allerdings Zukunftsmusik: Herbst 2027 wurde Ende 2022 als Perspektive für die Fertigstellung genannt, und es war von Kosten im zweistelligen Millionenbereich die Rede. Angesichts der prekären Finanzlage der Stadt erscheint Skepsis angebracht – aber in Albstadt haben Bildung und Kinder ja Vorfahrt.
Wobei die Finanzierung des Angebots nicht das einzige Problem der Stadt ist; der Fachkräftemangel kommt hinzu. In den 13 städtischen Kindertagesstätten sind derzeit 15 Kita-Leiterinnen und 167 pädagogische Fachkräfte entweder in Voll- oder in Teilzeit beschäftigt; die Stadt will, wie Nadine Conzelmann darlegte, alle zu Gebote stehen Mittel nutzen, um die Mannschaftsstärke zu steigern: Die Ausbildungskapazität – derzeit befinden sich zehn Nachwuchserzieherinnen im Anerkennungsjahr – soll gesteigert, die praxisintegrierte Ausbildung forciert, der Quereinstieg erleichtert und die Bewerbungsverfahren gestrafft werden. Auch die Attraktivität ist ein Thema – in der Sitzungsvorlage war von Brezelüberraschungen die Rede.
Die zentrale Vergabe hat sich bewährt
Die Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen kommentierten Conzelmanns Bericht wohlwollend: Lennart Spengler (CDU) bescheinigte der Stadt, sie verwalte den Mangel gut; in Albstadt hätten noch keine Kinder in Container ausquartiert werden müssen, sicherlich auch dank der zentralen Vergabe, die sich bewährt habe. Marianne Roth (SPD) schlug vor, an der Bitzer Steige einen Shuttle-Bus für die Rossberg-Kinder einzurichten. Sabrina Hipp von den Grünen empfahl, an allen Stellschrauben zu drehen, um die Kinderbetreuung sicherzustellen: konsequente Leerstandsnutzung, gegebenenfalls die Kürzung der Betreuungsstunden und eine Flexibilisierung der Betreuungszeiten – es wäre zu prüfen, ob der klassische Regelplatz überhaupt noch zeitgemäß sei.