„Eine Feuerwehr, die keine Jugendarbeit macht, hat mittel- und langfristig ein Problem“, sagt der Dobler Kommandant Sven Schatz. Die Wehr der Sonneninsel zeigt, wie es geht.
In unserer Serie über die Feuerwehr stellen wir die speziellen Fähigkeiten verschiedener Feuerwehren vor, die so praktisch jede Situation meistern können.
Doch bevor es überhaupt so weit kommt, braucht man überhaupt eine schlagkräftige Truppe. Die bekommt man am besten über gute Jugendarbeit. Dass man so bereits im Kindesalter die Jüngsten zur Feuerwehr bekommt, dafür ist die Feuerwehr Dobel mit ihrer Kinderfeuerwehr ein Paradebeispiel.
„Eine Feuerwehr, die keine Jugendarbeit macht, hat mittel- und langfristig ein Problem“, erklärt Sven Schatz, Kommandant der Feuerwehr Dobel. Vielmehr sei es elementar, dass man die Kinder früh abholt. Und früh bedeutet in dem Fall wirklich sehr früh: „Es geht ab sechs Jahren los.“
Jugendarbeit seit 1980
Bereits seit 1980 engagiert sich die Dobler Wehr in der Jugendarbeit. Die Jugendfeuerwehr startet im Alter von zehn Jahren. Da man die Kinder aber noch früher abholen wollte, entstand die Idee zur Kinderfeuerwehr.
Die ersten Überlegungen gab es schon ab etwa 2014. Der endgültige Start habe sich dann durch Corona um ein Jahr verzögert, 2021 ging es dann aber los – und entwickelt sich seither prächtig. „Das ist der richtige Weg, das zeigen die Zahlen“, sagt Schatz.
„Wenn wir es machen, machen wir es richtig“, erzählt Werner Stängle, der Leiter der Kinderfeuerwehr. Da habe dann die zusätzliche Vorbereitungszeit wegen Corona gar nicht geschadet. Und das bedeutet zum Beispiel auch, dass die Kinder eine eigene Uniform bekommen, schließlich seien sie ja auch Teil der Feuerwehr.
Bei den Uniformen sei vieles möglich, eine Norm gebe es da nicht. So habe man sich dann für Uniformen im gleichen Stil wie bei der übrigen Feuerwehr entschieden. Ausgerüstet sind die Kids dann etwa mit Fleecejacke, Hose, Handschuhen – und natürlich mit einem Feuerwehrhelm.
Profis mit ins Boot geholt
Da den Organisatoren klar war, dass da auch Mädchen mit dabei sein würden, habe man sich von vornherein „Profis“ mit ins Boot geholt und Kindergärtnerinnen als Fachberater eingestellt. „Die gehen mit den Kindern ganz anders um“, sieht sich Stängle bestätigt. Insgesamt besteht das Team aus acht Betreuern, davon zwei Frauen.
Bislang übte die Kinderfeuerwehr immer montags von 17 bis 18 Uhr, jetzt will man aber auf den Freitag wechseln. In der Übungsstunde stehen dann etwa zur Hälfte Spiele auf dem Programm, die in die Feuerwehrtechnik übergreifen, aber auch die Technik gehört zum Training, etwa wie man einen Schlauch richtig hält oder eine Wasserversorgung aufbaut. Dafür sei alles an Technik da, D-Rohre, Strahlrohre und vieles mehr.
„Antreten“ wird spielerisch geübt
Den Betreuern ist dabei auch bewusst, dass sie nicht immer ihr geplantes Programm umsetzen können. Man müsse am Anfang „die Kinder etwas beobachten, ob es Sinn macht, an dem Tag was zu machen“, erzählt Stängle lachend. Von Anfang an werde auch das „Antreten“ geübt, zwar spielerisch, aber mit den gleichen Vorgaben wie bei der „normalen“ Wehr.
Für die Kinder gibt es auch zwei Leistungsübungen mit festen Vorgaben, den „Kinderfunken“ in zwei Stufen. Diese Übungen „machen wir jedes Jahr, sodass beim Wechsel in die Jugendfeuerwehr alle Stufe zwei haben“. Das komme gut an und die Kinder sind stolz, „wenn sie ihre Medaille bekommen“.
Erfolg kommt nicht von ungefähr
Nach den Sommerferien habe man fünf Kinder an die Jugendfeuerwehr abgegeben – und trotzdem noch 18 Kinder. Beachtlich für einen kleinen Ort wie Dobel. 24 Kinder und Jugendliche sind zudem in der Jugendfeuerwehr.
Aber der Erfolg kommt nicht von ungefähr, den Kindern wird auch viel geboten. Neben den Übungsstunden gibt es Tagesausflüge, etwa zum KIT nach Karlsruhe, zum THW oder auch mal zum gemeinsamen Pizza oder Eis essen. Auch Grillen steht auf dem Plan, und: „an Weihnachten backen und das dann essen“.
Begeistert sind die Betreuer auch von der Zusammenarbeit mit den Eltern. „Das klappt hervorragend“, erzählt Stängle. So melde man es an, wenn mal eine Übung länger geht und die Eltern „geben nicht nur die Kinder ab, sie informieren sich auch“.
Gute Nachwuchsarbeit sorgt für „Probleme“
Aber die gute Nachwuchsarbeit sorgt auch für „Probleme“. Denn die Jugendfeuerwehr mit ihren 24 Mitgliedern besteht fast zur Hälfte aus Mädchen – und die brauchen natürlich einen eigenen Umkleidebereich und Spinde. Man habe deshalb schon die Küche gegen den Umkleideraum getauscht, um mehr Platz zu schaffen. Denn schließlich soll jeder „die gleichen Möglichkeiten und Rechte haben“, so Schatz. Mittelfristig brauche man dafür eine Lösung, aber man sei dran, sagt er und betont, dass das ein absolutes „Luxusproblem“ sei.
Die Dobler Feuerwehr profitiert von ihrer Nachwuchsarbeit. In Summe gibt es 110 Feuerwehrleute – und das bei rund 2400 Einwohnern. „90 Prozent der aktiven Mannschaft waren in der Jugendfeuerwehr aktiv“, erzählt Schatz. Aus der Kinderfeuerwehr ist freilich noch niemand in der aktiven Abteilung gelandet. Die ältesten davon seien mittlerweile zwölf Jahre alt.
Jugendwart Davin Großmann ist überzeugt von der Arbeit in der Kinderfeuerwehr. „Wir profitieren sehr von der Vorarbeit“, sagt er. Denn man bereite die Jugendlichen ja auf den Einsatz bei den Aktiven vor. Da merke man jetzt deutlich, dass Grundkenntnisse da sind, wenn die Kids aus der Kinder- in die Jugendfeuerwehr wechseln. „Man muss sie deutlich mehr fordern“, aber das „kommt uns auch entgegen“, denn so könnten anspruchsvollere Übungen gemacht werden.