Ein Zahnrad bewegt das andere, und nach Belieben können weitere Rädchen zum Bewegen gebracht werden. Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Erforschen, erleben, verstehen – damit lässt sich das interaktive Mitmachmuseum Tutorama umschreiben. Was dort alles geboten wird, verrät dieser Erfahrungsbericht.

Der vierjährige Bub bleibt fasziniert vor dem Ball stehen, der wie durch Geisterhand in der Luft gehalten wird und umhertanzt. Lange beobachtet er das Phänomen, dann schnappt er sich den roten Ball. Claudia Herczeg-Kohler steht daneben und lächelt. Die Leiterin des interaktiven Mach-Mit-Museums in Tuttlingen verzichtet darauf, dem Bub den Bernoulli-Effekt zu erklären. Das ist eher was für Jugendliche, die sich schon mit physikalischen Phänomenen auseinandersetzen, schließlich wird die gleichnamige Gleichung auch zur Berechnung des Auftriebs von Flugzeugen verwendet.

 

Anfassen erlaubt

Die jungen Besucher merken im Tutorama gleich: Hier darf, anders als in einem historischen Museum, alles betastet und in die Hand genommen werden. Übrigens nicht nur die jungen Besucher: Auch Erwachsene, sogar Senioren, haben ihren großen Spaß in der Einrichtung, die von der Karl-Storz-Stiftung betrieben wird und die im ersten Jahr ihres Bestehens schon rund 8500 Besucher hatte.

Das Tuttlinger Familienunternehmen Karl Storz mit weltweit 9400 Mitarbeitern, das medizinische Instrumente für minimalinvasive Operationen fertigt und Kliniken mit Hightech-Operationssälen ausstattet, hat mit dem Tutorama der ganzen Region eine höchst interessante Freizeiteinrichtung ermöglicht und damit ein wertvolles Geschenk gemacht.

Wie von Geisterhand wird der Ball durch das Gebläse in der Luft gehalten. An dieser Station wird der Bernoulli-Effekt gezeigt Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Doch nicht nur der vierjährige Julius hat seine Freude an den physikalischen und optischen Experimenten, sondern auch sein Opa, der ihn begleitet. Beide überqueren wenig später einen Gitterrost und stellen sich in einen Kreis, umgeben von einer Rinne, in der Seifenlauge steht. Mit einem kleinen Flaschenzug ziehen sie einen flachen Ring nach oben und stehen sofort in einer riesigen Seifenblase, die sie unter Lachen zum Platzen bringen.

Riesige Seifenblase

Der Opa kann seinen Enkel nur mit Mühe dazu bringen, nach der zehnten oder 15. Wiederholung zur nächsten Station zu laufen. Hier zaubert der Kleine mit Würfeln und weiteren geometrischen Figuren erneut Seifenblasen. Eine Ecke weiter fasziniert eine showreife Zauberkammer die kleine Gruppe: Einer versteckt sich in einer Box und streckt seinen Kopf durch eine Öffnung. Für die Umstehenden bleibt der gesamte Körper unsichtbar, aufgrund einer optischen Täuschung mit Hilfe von Spiegeln ist die Box nicht zu sehen, und es scheint, als würde sich der Kopf ohne Körper im Raum bewegen.

Wer sich mitten in eine riesige Seifenblase stellen will, muss nur mit dem Seilzug den Gummiring aus dem Wasserbecken nach oben zieh Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Auf dem weichen Teppich kniend, baut das Kindergartenkind dann eine orientalische Stadt nach. An der nächsten Station sollen farbige Dreiecke und Quadrate so aneinandergelegt werden, damit ein Viereck gefüllt werden kann. Während das Kind seine Form mit kleiner Unterstützung der Museumsleiterin bald gefüllt hat, verzweifelt der Opa und meint resigniert: „Es muss nicht für alles eine Lösung geben“. Doch als er einen Tipp von Tutorama-Leiterin Herczeg-Kohler bekommt, kann auch er die Steine richtig einsetzen und strahlt.

Welches Quadrat passt hier rein? Claudia Herczeg-Kohler, die Museumsleiterin wartet, bis Julius die Lösung selbst findet Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Staunende Gesichter gibt es dann bei der Kugelbahn: Kommt die rote oder die blaue Kugel zuerst am Ziel an? Ist der gerade Weg immer der schnellste? Tatsächlich schafft es die rote zuerst, obwohl sie einen längeren Weg zurückzulegen hat, dafür aber von einem größeren Gefälle profitiert. Ein paar Schritte weiter lockt ein besonderer Spiegel. Wer dort hinein schaut, sieht sich gleich fünf Mal von vorne und von hinten.

Erforschen, erleben, verstehen – damit lässt sich das interaktive Mitmachmuseum Tutorama umschreiben. „Unser Ziel ist, dass unsere Besucher Spaß haben und die Neugierde für Naturwissenschaften und Technik geweckt wird“, definiert Herczeg-Kohler den Anspruch der Einrichtung. Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen nutzen die Einrichtung schon rege.

Dabei ist das Ausleben des Entdeckerdrangs nicht nur Kindern und Jugendlichen vorbehalten. „Wir haben Seniorengruppen im Haus, die gerne herkommen“, stellt sie fest.

Ob Knobelspiele oder physikalische Experimente, Windkanal oder Balancieren, Code knacken oder Kugeln auf den Weg schicken: Im Tutorama sind die Experimente generationenübergreifend. Angst vor Fehlern muss man hier nicht haben, denn es zählt nur Tüfteln und Probieren. Am Ende kommt jeder auf spielerische Weise auf die Lösung. Etwa wenn auf einer riesigen Deutschland-Landkarte mit einer begrenzt langen Schnur alle Hauptstädte verbunden werden sollen.

Die rund 80 interaktiven Stationen auf drei Stockwerken sind größtenteils selbsterläuternd, wer jedoch mehr wissen will, kann sich an Tafeln in verständlicher Sprache und auf Deutsch oder Englisch mehr Informationen holen. Auch Auszubildende des Medizintechnikunternehmens Karl Storz in Tuttlingen stehen bei Bedarf den Besuchern als Guides zur Seite.

Azubis als Guides

Die Exponate im zweiten und dritten Obergeschoss sind für Besucher ab sechs Jahren geeignet, doch auch die Jüngeren dürfen sich hier tummeln und sind bei vielen der Aufgaben gar nicht überfordert. Im ersten Obergeschoss ist der Bereich „Tutorama Kids“, der sich speziell an die Kleinsten im Alter von vier bis sechs Jahre wendet.

Der Besuch ist als Gruppe möglich, jedoch nur nach Reservierung. Es gibt eine Caféteria, in der selbst mitgebrachte Getränke und Vesper verzehrt werden können. Geöffnet ist das Mach-Mit-Museum montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr (Abendtermine auf Anfrage).

Die Eintrittsgelder werden wieder in das Museum investiert, Kinder unter vier sind frei, ab vier Jahren werden zwei Euro verlangt, Schüler und Jugendliche zahlen drei Euro, Erwachsene 5,50 Euro.

Für Kindergeburtstagsfeiern kann ein Tisch reserviert und selbst eingedeckt und geschmückt werden. Unternehmen können Räume für Tagungen buchen. Im Innenhof stehen 14 Parkplätze zur Verfügung, in der Nähe befindet sich das Parkhaus Stadthalle.

Kontakt & Info

Kontakt
Nendinger Allee 9, 78532 Tuttlingen, E-Mail: info@tutorama.de.

Weitere Informationen
gibt es unter: www.tutorama.de.