Auf den Spuren eines Höhlenmädchens und der Donauschwaben: Zwei Bücher für junge Menschen verbinden spannend Vergangenheit und Gegenwart.
Mit dem Rulaman sind Generationen von Kindern groß geworden. Jetzt erinnert die Stuttgarter Autorin Iris Lemanczyk mit ihrem Kinderbuch „Fischi tappt im Dunkeln“ an die Faszination von Höhlen und ihrer urzeitlichen Bevölkerung, wobei sie dem Steinzeitjungen aus dem Jugendbuchklassiker mit dem Mädchen Jule einen hellwachen, sehr gegenwärtigen Höhlen-Nerd gegenüberstellt. Wie schnell wachsen Tropfsteine? Welche Tiere lebten und leben in einer Höhle? Neben Fachwissen geht es in Iris Lemanczyks sehr lebendig erzählter Geschichte vor allem um Freundschaft und Vertrauen, um Ängste und wie man mit ihnen umgeht.
Eintauchen in die Geschichte des Südwestens kann man ebenfalls in Sabine Zaplins Buch „Die Wasserwandler“, das am Beispiel des Schwarzwald-Mädchens Anna von der Auswanderung der sogenannten Donauschwaben im 18. Jahrhundert erzählt. Einfühlsam schildert die Autorin die karge dörfliche Welt, in der Annas Familie ums Überleben kämpft und in der es kindliche Leichtigkeit schwer hat. Ein Fieber geht um, an dem auch Annas kleiner Bruder stirbt.
- Sabine Zaplin: Die Wasserwandler.
- Stroux-Edition.
- 200 Seiten. 16 Euro. Ab 12 Jahren
Für einen ersten Lichtblick in dieser finsteren Welt sorgt eine kostbare Puppe, die wie durch ein Wunder an Weihnachten vor Annas Tür liegt. Sie und der neue Freund Elias begleiten Annas Familie auf der beschwerlichen Reise donauabwärts, zu der sich einige aus dem Dorf entscheiden, nachdem der Gast einer Trauerfeier für eine glücklichere Zukunft „da draußen im fernen Ungarland“ geworben hatte. Auch Sabine Zaplin springt in ihrem Jugendbuch über Zeiten und spiegelt Annas Schicksal in Sami, einem Jungen mit Wurzeln in Eritrea, der auf der Flucht vor anderen Kindern im Laden einer Nachfahrin des Schwarzwaldmädchens landet.
Wie ist es, wenn man sich unerwünscht fühlt?
Mit Pferdegespannen nach Ulm, von dort auf Zillen die Donau hinab: Sabine Zaplin gelingt es, aus Annas Perspektive einen ungewohnten Blick auf die Zumutungen von Flucht zu werfen. Wie ist es, wenn man sich unerwünscht fühlt, wenn man alles hinter sich lässt ohne zu wissen, was vor einem liegt? Bereits in Ulm spürt Anna, dass sie nicht mehr dazugehört. Da ist Ungarn noch weit und einige Abenteuer warten auf dem Weg.
- Iris Lemanzcyk: Fischi tappt im Dunkeln – Auf den Spuren des Höhlenmädchens.
- Verlag Horlemann.
- Illustriert von Fariba Gholizadeh
- 90 Seiten. 13,90 Euro. Ab 8 Jahren
Jules Erlebnisse bei einem Klassenausflug in die Gutenberger Höhle, von denen Lemanczyks Kinderbuch erzählt, sind da weit weniger dramatisch – und trotzdem höchst spannend. Denn tief drinnen in der versteinerten Zauberwelt kann Fischi, wie Jules Freund Salih sie nennt, nicht nur ihr gesammeltes Wissen auspacken. Ein Stromausfall sorgt für plötzliches Dunkel und stellt kindliche Nerven auf die Probe. Beim Höhlenbesuch entdeckt Jule zudem, dass die neue, etwas komische Nachbarin Frau Wirz eigentlich eine Gleichgesinnte ist: Die Expertin führt Jules Klasse rein ins Höhlen-Abenteuer und sicher wieder raus, während Jule ihr eigenes Ding macht.
Mit feinem Gespür für Zwischenmenschliches begleitet Iris Lemanczyk ihre Protagonistin und macht zugleich doppelt neugierig: Wer „Rulaman“ noch nicht kennt, will vielleicht den Roman von David Friedrich Weinland und mit ihm die Schillerhöhle bei Bad Urach entdecken. Wer Lust bekommen hat auf die Gutenberger Höhle: Das Tropfstein-Schmuckstück bei Lenningen ist vom 1. Mai an wieder geöffnet.
Auf der Alb und an der Donau
Höhle
Iris Lemanczyk: Fischi tappt im Dunkeln – Auf den Spuren des Höhlenmädchens. Verlag Horlemann. 90 Seiten. 13,90 Euro. Ab 8 Jahren
Donau
Sabine Zaplin: Die Wasserwandler. Stroux-Edition. 200 Seiten. 16 Euro. Ab 12 Jahren