Mit Daniela Kohl möchte die nächste Tagesmutter aus Villingen-Schwenningen aufgeben und spätestens 2027 die private Kindertagespflege schließen.
Ein kleines buntes „Zwergen“-Schild vor dem Haus in der Görlitzer Straße, das der evangelischen Kirchengemeinde gehört, weist zu 160 Quadratmetern Fläche.
Vor 15 Jahren gestartet, entwickelte sich die private Kindertagespflege schnell zu einem Haus voller Leben und Kinderstimmen: „Doch mittlerweile ist es still, zu still geworden“, erzählt Daniela Kohl.
Bis zum Sommer 2024 gingen neun Kinder ein und aus, heute verlieren sich in den Spiel- und Ruheräumen maximal noch fünf Jungen und Mädchen. Zu wenig, um alles finanziell zu stemmen. „Meine Rücklagen sind aufgebraucht, jetzt geht es um meine Existenz und darum, keine weiteren Schulden zu machen“, erzählt Daniela Kohl im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Zäsur nach „sehr guten Jahren“ sei im Sommer 2024 gewesen. Damals ging das städtische Jugendamt in das Kreisjugendamt über und damit auch der Bereich Kitas und Kindertagespflege. Die Kooperation innerhalb der Behörden, vermutet sie, sei holprig gewesen, „irgendwie sind wir unter dem Radar verschwunden, wenige Eltern haben überhaupt von uns gewusst“, so Daniela Kohls Eindruck.
In der Doppelstadt entstehen neue Kitas
Sind auch die Geburtenrückgänge Schuld an der deutlich geringeren Nachfrage, wie es offiziell heißt? „Nein“, sagt die dreifache Mutter bestimmt, „würden sonst neue Kitas in Villingen-Schwenningen gebaut? Würden sonst Eltern aus VS Kitaplätze in Brigachtal und Bad Dürrheim angeboten?“
Vor allem Kinder unter drei Jahren, so der Ansatz, sollten in der eher familiären Atmosphäre der Pflegestellen betreut werden. Negativ habe sich auch ausgewirkt, dass Eltern seit ein paar Jahren doch deutlich mehr für die Betreuung von Tagesmüttern bezahlen müssen als in Kitas. „Früher waren wir günstiger.“ Für die Gebühren der Kitas entscheiden Kommune oder Landkreis.
Beiträge für Tagespflege ähnlich wie für Kindertageseinrichtungen
Die Kostenbeiträge in der Kindertagespflege, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes, orientieren sich an der Empfehlung der Kirchen und kommunalen Landesverbände. Damit seien die Kostenbeiträge in der Kindertagespflege ähnlich hoch wie die Beiträge in den meisten Kindertageseinrichtungen im Landkreis.
Meistens, aber nicht überall. Die Stadt Villingen-Schwenningen erhebe in den Kindertageseinrichtungen aufgrund der Beschlussfassung des Gemeinderates geringere Beiträge.
Tagesmutter fehlt die Sicherheit
Wir sitzen in der kleinen „Zwergen“-Küche. Kohl blickt zum Fenster in den Garten hinaus, in dem seit 2010 Kinder wuselten. Sie breitet einen Stapel Papiere auf einem Tisch aus. „Es fehlte mir, uns, auch an Sicherheit.“ Was sie damit meint? Sie tippt auf einen Bogen: Sie habe vom Landkreis im August 2025 die Bewilligung für die Aufnahme eines zweijährigen Kindes für ein Jahr bekommen. Im Dezember hätten ihr die Eltern mitgeteilt, sie erhielten von der Stadt ab Januar 2026 einen städtischen Kita-Platz und nahmen „schweren Herzens das Kind wieder raus“.
Daniela Kohl fächert einige weitere Ausdrucke auf den Tisch. „Das ist kein Einzelfall, wie soll ich da planen?“ Für sie ein weiteres Zeichen dafür, dass es an der Kommunikation zwischen Stadt und Landkreis hapere. „Die Vergabestelle der Stadt sollte es doch auf dem Schirm haben, dass die Bewilligungen des Landkreises stets für ein Jahr gelten, von August bis August.“
Zurück in den alten Beruf
Bald liegt die „Zwergen“-Zeit hinter ihr, statt ihre Qualifikationen weiter einbringen zu können, ob gestalterisch oder musikalisch, möchte die 51-Jährige wieder in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten, im Handel als Kauffrau. „Jetzt schaffe ich den Absprung noch.“ So wie andere Tagesmütter, die auch aufgaben, möchte sie nicht in eine Kita der Doppelstadt wechseln.