Der Standort Friedrichstraße (im Bild die Rückansicht vom Hofäckerareal aus) bietet Entwicklungspotenzial und die Aussicht auf Fördermittel durch die Lage im Sanierungsgebiet Ortskern III. Foto: Fahrland

Befristete Betriebsgenehmigung und perspektivischer Bevölkerungszuwachs bei aktuellem Mehrbedarf zeigen, dass Vöhringen in Sachen Kinderbetreuung vorangehen muss.

Mit der Weiterentwicklung der Kinderbetreuung für beide Ortsteile im Gemeindegebiet stand ein heikles Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats, das erneut intensiv diskutiert wurde. Laut Bürgermeister Stefan Hammer war aufgrund von drei zeitlich begrenzten, provisorischen Gruppen und der steigenden Nachfrage an Ganztagsbetreuung dringend eine Entscheidung erforderlich. „Wenn wir nicht in die Gänge kommen, stehen in zwei Jahren drei Gruppen auf der Straße. Das möchte ich nicht erleben“, warnte das Gemeindeoberhaupt.

 

Eigentlich war bereits im Dezember 2023 die Standortentscheidung für die Kita Friedrichstraße gefallen. Doch dann liebäugelten manche Gemeinderäte mit dem Gedanken, die Mühlbachkita könnte Räumlichkeiten der Mühlbachschule nutzen, die durch den Wegfall der Werkrealschule frei werden.

Im Sommer wurde ein externes Gutachten für die Wahl des am besten geeigneten Standorts in Auftrag gegeben. Marc Schlotter von der Firma Formis aus Empfingen stellte die Ergebnisse vor. Standortfaktoren, bauliche Rahmenbedingungen, funktionale Bedarfe, Außenanlagen und Umwelt flossen in die Bewertungsmatrix. Ergebnis: 23 Pluspunkte für die Friedrichstraße, 15 für Wittershausen und zehn Minuspunkte für die Mühlbachschule.

Viel spricht für die Friedrichstraße

Die Projektentwickler hatten unabhängige Gespräche mit den Einrichtungsleitungen geführt und brachten Erfahrung vom Kindergarten „Kleine Strolche“ Empfingen mit. Über die Raumnot in der Friedrichstraße berichtete Kita-Leiterin Nadja Breil aus erster Hand. Welche pädagogischen Gründe für deren bauliche Erweiterung sprechen, hatte das Kita-Team in einem Brief an den Gemeinderat zusammengefasst. Auch Kämmerin Melanie Hägele und Birgit Kiene steuerten ihre Expertise bei.

Bei der Bedarfsplanung gehen die Meinungen auseinander

Bei der Bedarfsplanung bis 2035 hielt Hammer alle drei von Formis aufgezeigten Szenarien auf Basis der bisherigen Geburtenzahlen für zu konservativ. Er pochte auf die Sach- und Ortskenntnis der Verwaltung. „Wir alle träumen hier von Baugebieten. Wer nach Bauplätzen schreit, muss aber auch die gemeindliche Infrastruktur weiterentwickeln.“ Drei Kita -Gruppen in Vöhringen würden nur den unmittelbaren Bedarf sichern. Neben dem Ersatz für die befristet zu-gelassenen Provisorien gelte es aber auch, junge Menschen und Familien am Ort zu halten und die Erschließung der Baugebiete zu berücksichtigen. Auch die Nähe zur Verkehrsachse A81 spiele eine Rolle.

Gemeinderat stellt Weichen für mehr Bedarf

Hammer forderte eine Zukunftsreserve ein und bot in der Sitzungsvorlage einen Ausweg an: „Um endlich zu einem notwendigen Baubeschluss zu kommen, geht die Verwaltung nun mit, zunächst der Bedarfsermittlung von Formis zu folgen, nur so kann die gegenseitige Blockadehaltung zwischen Verwaltung und Gemeinderat überhaupt durchbrochen und ein so dringend notwendiger Fortschritt erreicht werden.“ Diese Vorgehensweise decke ohne Reserve für obige „Sondereffekte“ nur den derzeitigen Bedarf nach Ganztagsbetreuung ab. Mit größter Dringlichkeit empfahl Hammer, „eine modulare Erweiterungsmöglichkeit am Standort Friedrichstraße zur Bedingung für das Architektenkonzept zu machen.“

Mit dem deutlichen Ergebnis von elf Ja- und zwei Gegenstimmen trug der Gemeinderat den Beschlussvorschlag mit. Die Kita Friedrichstraße wurde als Standort zur Erweiterung der Betreuungskapazitäten innerhalb des Sanierungsgebietes „Ortskern III“ bestätigt.

Im kombinierten Bestands- und Erweiterungsbau sollen fünf Gruppen, vier Schlafräume, ein Bewegungsraum sowie Nebenräume untergebracht werden, unter anderem für Sonderpädagogik, Büro und Besprechung, Sozialräume, Garderoben, Essensausgabe, Lagermöglichkeiten, Sanitär für Kinder und Personal. Der Erweiterungsbau soll eine spätere modulare Ergänzung um einen weiteren Gruppen- und Schlafraum ermöglichen.

Die Formis GmbH übernimmt für 16 500 Euro die Projektsteuerung und Koordination einer Mehrfachbeauftragung von architektonischen Planungsleistungen für die Erweiterung Friedrichstraße.