Die Spielgeräte sind bereits angeliefert für den gerade entstehenden Louise-Scheppler-Kindergarten: Das freut die Trossinger Bürgermeisterin Susanne Irion und die Architektin Amelie Fehrenbach (rechts). Foto: Cornelia Hellweg

Bald sollen die ersten Kinder in den Louise-Scheppler-Kindergarten in Trossingen einziehen. Bürgermeisterin Irion und Architektin Amelie Fehrenbach über den Stand der Dinge.

Die Spielgeräte stehen schon bereit. Noch in Kisten eingepackt sieht man unter anderem Bobbycars, Legosteine, Bauklötze oder Werkzeug für kleine Handwerker. Die großen haben noch alle Hände voll zu tun, damit im Oktober die ersten Mädchen und Jungen im neuen Louise-Scheppler-Kindergarten betreut werden können.

 

Bürgermeisterin Susanne Irion und Architektin Amelie Fehrenbach sind auf der ehemaligen Bühne der Kantine des alten Karl-Hohner-Heims über Pläne gebeugt, die zeigen wie dieser Platz einmal kindgerecht gestaltet aussehen wird. „Bis zum Jahr 2030 benötigt die Stadt zehn weitere Kinderbetreuungsgruppen“, beschreibt die Bürgermeisterin die Lage. An der Händelstraße wird daher ein Gebäude umgenutzt zum Kindergarten mit zwei Gruppen für über Dreijährige. Insgesamt 50 Kinder sollen hier Platz finden.

Da die Stadt keine eigenen Kindergärten betreibt, läuft dieser Bereich über die Freien Träger. In diesem Fall übernimmt die evangelische Kirchengemeinde Trossingen die Trägerschaft der neuen Einrichtung. Das ist nicht selbstverständlich, weiß die Bürgermeisterin. Denn in Zeiten rückläufiger Gemeindemitglieder und Kirchensteuern schaut man auch in der evangelischen Kirche genau hin, wo im Bereich Kinderbetreuung Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Die evangelische Kirchengemeinde sei in Trossinger der größte Freie Träger in Sachen Kindergärten mit insgesamt 24 Gruppen. Personal für die neue Einrichtung sei bereits eingestellt. In zwei Wochen soll der Louise-Scheppler-Kindergarten mit zunächst einer Gruppe in Betrieb genommen werden. Im November folgt dann die zweite Gruppe.

Pläne für die Umnutzung der Bühne in der ehemaligen Kantine: Architektin Amelie Fehrenbach (links) und Bürgermeisterin Susanne Irion. Foto: Cornelia Hellweg

In den Räumen sei bereits vorübergehend eine Gruppe des Albblick-Kindertagesstätte untergebracht gewesen. Für eine reguläre Nutzung musste allerdings einiges gemacht werden. Die Stadt investiert dafür 750 000 Euro. „Das ist relativ günstig für einen Kindergarten“, sagt die Architektin. Sie freut sich, das Projekt im Auftrag der Stadt umsetzen zu dürfen. Auch hier ist Kreativität gefragt. Beispiel Bühne: Aus der wird eine Art Berglandschaft für die Kinder und erfüllt gleichzeitig den Zweck, die Kleinen vor einem Sturz von dem höher gelegenen Bereich zu bewahren.

Der große Außenbereich wird später noch kindgerecht gestaltet. Bis das fertig ist, können die Kinder beispielsweise auf den nahe gelegenen Piraten-Spielplatz ausweichen. Es habe durchaus Anfrage von Eltern gegeben, die die benachbarten Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge als nicht so optimal für einen Kindergarten ansahen, so Susanne Irion. Dieses Thema erledigt sich allerdings bald, weil der Landkreis Tuttlingen als Träger der GU diesen Standort aufgibt.

Einblick in den Sanitärbereich des noch im Umbau befindlichen Louise-Scheppler-Kindegartens. Foto: Cornelia Hellweg

„Wir gehören zu den Kommunen, die den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz voll erfüllen“, sagt die Bürgermeisterin stolz. 80 Prozent der für eine Betreuung angemeldeten Kinder könnten in der Wunscheinrichtung der Eltern aufgenommen werden. „Das kostet der Stadt viel Kraft. Wir sind stolz darauf, dass wir das hinbekommen.“ Trossingen sei eine wachsende Stadt, hier lebten relativ viele kinderreiche Familien. Innerhalb von fünf Jahren habe sich die Einwohnerzahl um 500 erhöht. Daher der stark steigende Bedarf insbesondere im Ü3-Bereich. „In diesem Jahr gehen drei zusätzliche Gruppen in Betrieb“, berichtet Susanne Irion. Die Marschrichtung lautet: möglichst jedes Jahr weitere Gruppen an den Start bringen.

Zu den Perspektiven zählen eine mögliche Umnutzung des evangelischen Pfarrhauses, in dem zwei Gruppen Platz fänden. Neu ist laut der Bürgermeisterin der Vorstoß eines Gewerbebetriebes bei der Stadt, der in seinem Neubau auch Platz für einen Kindergarten schaffen möchte. „Wenn das klappt, wären wird durch“, so Susanne Irion.

Die Themen Kindergärten und Schulen seien derzeit die großen Schwerpunkte der Gemeinderatsarbeit. Ob die zusätzlich aufgebauten Kapazitäten auch längerfristig benötigt werden, bezeichnet sie als „Wette auf die Zukunft“.