Die Plätze für Kinder unter drei Jahren sollen ausgebaut werden. (Symbolfoto) Foto: Christoph Soeder/dpa

Immer mehr Eltern lassen ihr Kind früher und länger in der Kita betreuen. Das stellt die Stadt vor Herausforderungen. Aber: Sie hat anderen Kommunen auch etwas voraus.

Dieser Trend betrifft nicht nur Sulz: Eltern steigen immer früher wieder in den Beruf ein. Umso flexibler muss das Betreuungsangebot sein – Kapazitätsgrenzen zum Trotz. Die Stadt Sulz klärte nun über die aktuelle Lage auf.

 

Wie sich in Sulz zeigt, wollen immer mehr Eltern ihr Kind bereits ab einem oder zwei Jahren betreuen lassen. Stand März gingen 64 Unter-Dreijährige in eine Kita.

In drei Kinderkrippen stehen aktuell 40 Plätze für Kinder ab einem Jahr zur Verfügung, zudem Plätze in altersgemischten Gruppen für Zwei- und Zweieinhalbjährige.

Um der steigenden Nachfrage nachzukommen, will man im neuen Kindergartenjahr in der Kita-Außenstelle in Renfrizhausen („Dreher“-Gebäude) zehn weitere Krippenplätze einrichten, war in der Sitzung des Verwaltungsausschusses zu erfahren. Im Kindergartenjahr 2025/26 sollen dann 50 Plätze für Kinder ab einem und 65 Plätze für Kinder ab zwei Jahren zur Verfügung stehen. Ein weiterer Ausbau der Krippenplätze ist bereits vorgesehen.

Ganztagesbetreuung wird beliebter

Eltern tendieren zunehmend außerdem zu einer längeren Betreuung – durchaus herausfordernd für die Stadt. Im Bereich Ganztagesplätze übersteige die Nachfrage das Angebot, so die Stadtverwaltung und verweist auf Wartelisten.

Neue Plätze einzurichten sei indes in diesem Bereich nicht so einfach, da pro Platz auch eine Schlafmöglichkeit zur Verfügung stehen müsse, dafür aber nicht genügend Räume verfügbar seien.

Eine Ganztagesbetreuung wird aktuell auf Kastell, in Bergfelden, Fischingen und im Kinderhaus Neckarwiesen angeboten. Eine weitere Gruppe mit Ganztagesöffnungszeiten soll im „Dreher“-Gebäude eingerichtet werden – vorausgesetzt, das Personal dafür kann gefunden werden.

Denn der wohl größte Stolperstein für die Eröffnung neuer Gruppen ist der Fachkräftemangel, wie Susanne Vögele von der Stadt deutlich machte. Damit einher gingen auch teilweise reduzierte Öffnungszeiten, weil Personal fehlte.

Auslastung bei Kindern ab drei Jahren

Die gute Nachricht: Allen Kindern über drei Jahren könne ein Kindergartenplatz angeboten werden. Der Rechtsanspruch sei damit erfüllt. Manche Einrichtung sei bereits zu Mitte des aktuellen Kindergartenjahrs fast voll belegt.

Für Entlastung sorgen die rückläufigen Kinderzahlen. Zum Beginn des aktuellen Kindergartenjahrs mussten 582 Plätze für Kinder über drei Jahren zur Verfügung stehen. Tatsächlich betreut wurden zum 1. März in Sulz 491 Kinder über drei Jahren.

Zum Beginn des Kindergartenjahres 2025/2026 müssen 575 Plätze für Ü3-Kinder zur Verfügung stehen. Die Zahl der tatsächlich vorhandenen Plätze in der Gesamtstadt soll sich auf 705 Plätze summieren.

Der Platzüberhang könne für die Betreuung von jüngeren Kindern in altersgemischten Gruppen genutzt werden, so der Plan der Stadtverwaltung.

Nicht immer wohnortnah

Zwar gibt es einen Kitaplatz für alle Kinder ab drei Jahren, jedoch ist der nicht zwingend immer wohnortnah verfügbar, war im Ausschuss zu erfahren.

Die Kindergärten Kastell, Schillerhöhe, das Kinderhaus Neckarwiesen, der Kindergarten Kanalstraße und der katholische Kindergarten werden 2025/26 laut Verwaltung voraussichtlich voll belegt sein. Kinder aus der Talstadt könnten aber beispielsweise auf den Kindergarten Holzhausen ausweichen, wo es noch genug freie Plätze gebe.

Das liege unter anderem daran, dass sieben Holzhauser Kinder den Naturkindergarten besuchen, so Vögele. Dessen 20 Plätze werden voraussichtlich zum Ende des nächsten Kindergartenjahres voll belegt sein.

Situation im Glatttal

Die stillgelegte Kleingruppe im Kindergarten Glatt wird zunächst nicht reaktiviert, war außerdem in der Sitzungsvorlage zu lesen. Stattdessen sollen dort übergangsweise die Kinder aus Dürrenmettstetten einziehen, bei deren Kindergarten ein Umbau ansteht.

Auf die aus seiner Sicht hohe Anzahl an Auspendlerkindern – 15 von insgesamt 18 – aus dem Glatttal machte Stadtrat Thomas Mutschler aufmerksam und bat darum, der Struktur im Tal künftig besonderes Augenmerk zukommen zu lassen.

Personal und Finanzen

Die Stadt Sulz ist Trägerin von 13 Kitas. Was das Thema Personal angeht, so sind für den Kindergartenbereich 2025 insgesamt rund 75 Vollzeitstellen für pädagogische Fachkräfte ausgewiesen, die auf etwa 120 Mitarbeiter entfallen. Die Herausforderung, Personal zu finden, wird die Stadt jedoch wie viele weitere Kommunen weiter beschäftigen.

Und auch wenn die Kinderzahlen aktuell rückläufig und das Platzangebot ausreichend seien, könne man nicht von einer Entspannung sprechen, so Susanne Vögeles Fazit. Fluchtbewegungen und neue Baugebiete sind da nur zwei Faktoren.

Und: Eltern müssten sensibilisiert werden, dass es den „Kindergarten um die Ecke“ nicht immer geben werde. Das Ziel sei eine gute Auslastung aller Kindergärten, damit diese auch finanzierbar blieben.