Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, werden in Schömberg die Plätze in den Kindertagesstätten nach bestimmten Kriterien vergeben. In einem Jahr soll überprüft werden, ob sich diese Kriterien bewährt haben. Das gilt für alle sechs Kindertagesstätten der Gemeinde. Auf dem Bild ist die Kindertagesstätte Villa Kinderbunt im Kernort zu sehen. Foto: Wolfgang Krokauer

Die Nachfrage nach Plätzen in den Kindertagesstätten ist in Schömberg derzeit sehr hoch. Wenn aber die Nachfrage das Angebot übersteigt, muss es Kriterien geben, wer bevorzugt bedient wird. Diese Kriterien sind umstritten.

In Zusammenarbeit mit den Leiterinnen der Kindertagesstätten erstellte die Gemeindeverwaltung bereits vor einem Jahr einen solchen Kriterienkatalog. Dabei orientierte sich Schömberg an anderen Kommunen.

 

Bisher keine Probleme

Die Gemeindeverwaltung teilte mit, dass es bei der Platzvergabe bislang keine Probleme gegeben habe. Der Katalog habe sich bewährt.

Durch die Einführung des digitalen Vergabesystems „Little Bird“ für Betreuungsplätze in Kindertagesstätten zum 1. April gibt es die Möglichkeit, die Kriterien im Rahmen des Anmeldeverfahrens direkt abzufragen.

Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema. Hier sollte der Katalog verbindlich festgelegt werden, um für Transparenz zu sorgen. Folgende Kriterien wurden in den Katalog berücksichtigt und nach Punkten bewertet: Kindeswohl; Kinder von Mitarbeitern der Gemeinde oder Kinder von leitenden Ärzten der Schömberger Kliniken; Beschäftigung/Erwerbstätigkeit, Ausbildung/Studium, Maßnahmen für Arbeitssuchende oder besondere soziale Härte und der entsprechende Umfang; sonstige Kriterien wie Geschwisterkinder in der Einrichtung, besonderer Förderbedarf und Alter des Kindes.

Der Katalog führte in der Gemeinderatssitzung zu Diskussionen.

So fragte Jörg Krax (MUZ), warum zum Beispiel Kinder von leitenden Ärzten der Schömberger Kliniken bevorzugt bedacht werden sollen. Es gebe zig andere Berufsgruppen, die mindestens genauso wichtig seien. Seine Fraktionskollegin Catherina Haessler wollte wissen, weshalb die Alleinerziehende weniger Punkte habe als der leitende Arzt. Das Ganze schlage Wellen. Es gebe die Sorge, dass in der Wunschkita kein Platz vorhanden sei.

Kein starres System

Michael Nothacker (UWV) berichtete von Anrufern, die wissen wollten, warum Mitarbeiter der Gemeinde zehn Punkte bekämen, Alleinerziehende aber nur sechs. Er fragte, ob das Ganze in Stein gemeißelt sei.

Hauptamtsleiterin Alina Mundi antwortete zur Kritik, dass sich der Kriterienkatalog grundsätzlich bewährt habe. Zudem sei es ohnehin kein starres System.

Bürgermeister Matthias Leyn ergänzte, dass derzeit sowieso alle bedient werden könnten. Benedikt Teufel ( UWV) wunderte sich, warum infrage gestellt werde, was erprobt sei.

Am runden Tisch erörtert

Tino Bayer (MUZ) wollte trotzdem wissen, was den Gemeinderat daran hindere, das Thema noch einmal zu diskutieren. Leyn antwortete, dass die Verwaltung an dem Kriterienkatalog gesessen sei. Das Thema sei am runden Tisch besprochen worden.

Krax monierte zudem, dass eine Härtefallregelung fehle. Dazu meinte Mundi, dass ein Kind stets woanders untergekommen sei, wenn eine Kindertagesstätte ausgelastet gewesen sei. Christoph Eck (CDU) stimmte Mundi zu. Bei Härtefällen werde immer eine Lösung gefunden.

Ulrike Wankmüller (MUZ) regte an, den Kriterienkatalog in einem Jahr noch einmal zu überprüfen. Diese Idee fand auch Eck gut. Letztlich einigte sich das Gremium auf diese Lösung. Der Gemeinderat beschloss den von der Verwaltung vorgeschlagenen Kriterienkatalog.

Schließzeiten festgelegt

Außerdem legte der Gemeinderat die Schließzeiten der Kindertageseinrichtungen in den Sommerferien ab 2026 auf die Ferienwochen zwei bis vier fest.