Wenn Steven Rodriguez aus dem Bilderbuch vorliest, ist das Interesse groß. Foto: Siegmeier

Die „Wurzelkinder“ des Bühlinger Waldkindergartens genießen die Spielmöglichkeiten in der Natur. Das neue Betreuungsangebot kommt bestens an.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, die Vögel zwitschern und hier und da zirpt eine Grille. Inmitten dieser Naturidylle am Waldrand von Bühlingen hat der Waldkindergarten „Wurzelkinder“ sein Domizil.

 

Im Sandkasten unter dem schmucken gelben Sonnensegel herrscht bereits Hochbetrieb. Hier wird eifrig gebuddelt und gebaut. Ein Junge befüllt den großen Kipplaster mit Sand. Die Kinder sind völlig in ihr Spiel vertieft.

Auf einem der Baumstammsitze haben sich PIA-Azubi Jan und ein kleiner Junge mit einem Bilderbuch ein Plätzchen gesucht. Unter seinem süßen Sonnenhut lauscht er gespannt, was Jan ihm vorliest.

Eine Gruppe Mädchen hat sich im Schatten hinter dem Naturwagen mit den blauen Fensterläden ein Plätzchen gesucht. Hier wird eifrig diskutiert und die Mädels haben Spaß, sich die pieksigen Holzhackschnitzel in die Schuhe zu stecken und damit umherzulaufen.

Immer wieder kommt das eine oder andere Kind an diesem Vormittag hinzu – ausgestattet mit Sonnenhut, kleinem Vesperrucksack und festem Schuhwerk. Noch kurz von Mama oder Papa am Tor verschieden, und schon geht es mitten hinein ins Spielparadies, in dem schon mal ein Stock zum Rasenmäher werden kann und der Vesperrucksack als Schultasche dient.

Die Kinder genießen die vielfältigen Spielmöglichkeiten auf dem großzügigen Areal. Foto: Siegmeier

„Die Kinder sind unheimlich kreativ und haben enorme Fantasie“, freut sich Saskia Ahrens, die sich die Leitung des Kindergartens mit Steven Rodriguez teilt und selbst ganz fasziniert ist, wie sich der Kindergarten entwickelt.

Der Waldkindergarten ist noch recht neu. Im September hat er den Betrieb aufgenommen – als erster seiner Art in Rottweil. „Aber wir haben sehr viele Kontakte zu den Waldkindergärten in der Region und tauschen uns auch regelmäßig aus“, informiert Saskia Ahrens.

Ein schönes Miteinander haben übrigens auch die Kinder. Man hilft sich gegenseitig, wenn Hilfe benötigt wird, und der Umgang ist freundlich. „Wir sagen den Kindern, sie sollen die anderen so behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchten. Und das klappt sehr gut“, freut sich Rodriguez.

Kinder lieben den Waldplatz

20 Kinder kann der eingruppige Kindergarten aufnehmen. „Aber wir sind jetzt erst mal komplett“, informiert Saskia Ahrens, die betont, dass es ein großes Glück gewesen sei, dass der Kindergarten sein Domizil auf dem „herrlichen Areal inmitten von Wiesen“ bekommen habe. Direkt angrenzend ist ein kleiner Wald. Und der wird nicht nur jetzt bei der großen Hitze von den Kindern genutzt. Täglich geht es nach Freispiel und gemeinsamem Vesper zum „Waldplätzle“. Dann aber mit langen Hosen, wie Saskia Ahrens den Kindern mit auf den Weg gibt, die grad noch ihre Vesperdosen aufräumen und dann ihre langen Hosen überstreifen. Die Kinder lieben den Waldplatz, denn hier tun sich nochmal ganz andere Spielmöglichkeiten auf.

Dass es im Waldkindergarten weniger Spielsachen gibt als in anderen Einrichtungen, das stört die Wurzelkinder absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Mit Stöcken, Baumrinde, Steinen und Co. lässt sich vortrefflich spielen, wie sich zeigt.

Wenn das Wetter mal nicht so passend ist, dann wird schon mal im Naturwagen gebastelt, werden Steine angemalt oder der Webrahmen ausgepackt. Langeweile gibt es hier jedenfalls nicht, und so richtig schlechtes Wetter auch nicht, denn mit Matschhosen, Regenjacken und Gummistiefeln macht es auch bei Regen Spaß, über den Platz zu sausen.

Raum für die Wurzeln

„Wir möchten den Kindern Raum geben, ihre Wurzeln zu schlagen, sich frei zu entfalten und ihre individuelle Entwicklung zu fördern“, sagt Saskia Ahrens über das Konzept der Einrichtung. Zentraler Bestandteil der Arbeit sei die bewusste Wahrnehmung der Natur. Dabei wolle man bewusst Wege der Reizüberflutung vermeiden und den Kindern die Möglichkeit geben, in einem natürlichen Umfeld zur Ruhe zu kommen und die Sinne auf gesunde Weise zu schärfen und zu schulen.

Der Kindergarten bietet verlängerte Öffnungszeiten von 7.30 bis 13.30 Uhr.