Mit der Schließung zweier bekannter Kindergärten reagiert die Stadt Rottweil auf den Sparzwang und schlägt gleichzeitig eine neues Kapitel in Sachen Kinderbetreuung auf.
In der Rottweiler Betreuungslandschaft stehen große Veränderungen an. Stadt und Katholische Kirchengemeinde werden zwei Kindergärten stilllegen, die über Jahrzehnte hinweg integraler Bestandteil Rottweiler Kinderbetreuung waren. Der Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss (KSV) gab grünes Licht.
Zunächst ging es im KSV aber um den Bedarf an Betreuungsplätzen im U3- und Ü3-Bereich. „Die Anstrengungen der letzten Jahre tragen Früchte“, sagte Bürgermeister Ines Gaehn – wenngleich man bei der Geburtenzahl einen leichten Rückgang verzeichnet. Auf der anderen Seite entwickeln sich die Neubaugebiete, Familien siedeln sich an.
Die Kinderbetreuung habe in Rottweil einen hohen Stellenwert. Hochwertige frühkindliche Bildung und Betreuung seien entscheidend für die kindliche Entwicklung – und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so Tamara Heim von der Abteilung Schulen und Kindergärten. Die Stadt könne den Rechtsanspruch auf Betreuung vollständig erfüllen. Und das trotz finanziell herausfordernden Zeiten und auferlegtem Sparpaket.
Die größten Veränderungen
Die größten Änderungen, die aus den Sparplänen erfolgen, sind die Schließung zweier Einrichtungen. Zum einen der Kindergarten auf der Brücke, in dem bereits aktuell eine Krippengruppe (zehn Plätze) geschlossen wird. Der Kindergarten soll in den neuen Volksbank-Kindergarten – Kita Hegneberg II – überführt werden, und zwar unter städtischer Trägerschaft.
Zum anderen wird der Katholische Kindergarten Himmelreich geschlossen. Dafür entsteht über dem dann neu gebauten Rewe in der Schramberger Straße ein vier-gruppiger Kindergarten unter katholischer Trägerschaft. Drei Ü3- und eine U3-Gruppe soll es dort geben. Der Übergang erfolge schrittweise, der Kindergarten Himmelreich bleibe als Außenstelle bestehen, solange dies nötig sei, so Gaehn.
Wichtig sei – flexibel auf Entwicklungen reagieren zu können. „Wir verbauen uns nichts“, betonte Heim. Zudem habe es bei den betroffenen Eltern und bei den Kindergartenteams bereits Zustimmung gegeben. Künftig werde man noch genauer die Stichtage im Auge haben, um angemessen reagieren zu können, so Heim.
Leerstand keine Option
Bislang war man davon ausgegangen, dass die beiden geplanten, neuen Kindergärten –Rewe und Volksbank – zusätzlich zu den bereits vorhandenen Kindergartenplätzen kommen und damit auf den Bau weiterer Wohngebiete reagiert wird. Denn auch auf dem Hegneberg wird es in diesem Sinne in den kommenden Jahren Zuwachs geben.
Für das Vorgehen der Stadt gab es im Ausschuss nur Lob. Ingeborg Gekle-Maier (Grüne) sprach von einer „herausragenden Leistung“ des Teams um Tamara Heim. Die Kinder aus dem Himmelreich und der Siedlung auf der Brücke dürften aus sanierungsbedürftigen Gebäuden „in neue, schöne Kindergärten umziehen“. Außerdem zeige sich anhand der Zahlen, dass sich der „Kampf ums Herzstückle“ (Kindergarten Zepfenhan) gelohnt habe.
„Als wir 2020 einen Engpass hatten, war das eine große Herausforderung“, blickte Monika Hugger (CDU) zurück. Dass nun jedes Kind einen Betreuungsplatz bekomme, sei toll, aber: Leerstand könne sich die Stadt nicht leisten.
Was passiert mit den Grundstücken?
Peter Schellenberg (FWV) sah das ähnlich. Als es um die Entscheidung für den Rewe-Kindergarten ging, habe man nicht im Hinterkopf gehabt, dass die Einrichtung Himmelreich schließen könnte. Nun mache man aus der Not eine Tugend. Und: „Das Grundstück Himmelreich kann man sicher städtebaulich gut entwickeln.“
So weit ist die katholische Kirchengemeinde da allerdings noch nicht. Wie Gesamtkirchenpfleger Andreas Schmötzer auf Nachfrage mitteilt, sei die „Zukunft der Gebäude in der zuständigen Kirchengemeinde Heilig Kreuz noch nicht beraten worden“. Aber: Die Gremien würden sich dieser Fragestellung in den kommenden Monaten widmen.
Bei den Wurzelkindern läuft es
Gut angenommen wird übrigens der neue Waldkindergarten in Bühlingen, der nun „Wurzelkinder“ heißt. Und weitere Kindergartenplätze wird es in der Kita der Helios Klinik geben. Das „Sonnenhaus“ wird um zwei Gruppen (22 Ü3 und zehn U3) erweitert.
Die Inbetriebnahme des Kindergartens in der alten Edith-Stein-Schule mit drei Ü3-Gruppen soll im Juni erfolgen. Dann zieht der sogenannte Container-Kindergarten Hochmauren um.