Nach 25 Jahren als Leiterin des evangelischen Kindergartens in der Johanniterstraße sagt Karin Schwarzwälder der Einrichtung zu den Sommerferien Lebewohl. Foto: Siegmeier

25 Jahre lang war der evangelische Kindergarten in der Johanniterstraße ihre zweite Heimat. Mit Beginn der Sommerferien geht die langjährige Leiterin der Einrichtung, Karin Schwarzwälder, nun in den Ruhestand.

Rottweil - Dass ihr der Abschied nicht gerade leicht fällt, ist im Gespräch gleich zu merken. "Ihr" Kindergarten und "ihre" Kinder, werden ihr fehlen, das weiß sie schon jetzt. Im September 1996 trat sie ihren Dienst im Johanniter-Kindergarten in Rottweil an. 1976 ist sie in die Kindergartenarbeit eingestiegen. Nachdem sie bei ihrer Schwester, die ebenfalls Erzieherin ist, mehrfach hospitiert hatte, hat sich Karin Schwarzwälder für den Beruf entschieden.

 

"Damals hatte der Kindergarten noch einen anderen Stellenwert", erzählt sie. Damals seien viele erst mit vier Jahren in den Kindergarten gekommen. Nach dieser Zeit arbeitete sie neun Jahre lang in einer Einrichtung in Heidelberg. "Hier gab es dann Kinder aus ganz verschiedenen Kulturen, und auf Bildung wurde großen Wert gelegt", erinnert sie sich. Auch hier habe ihr die Arbeit sehr viel Spaß gemacht.

Kinder "wollen die Welt heute ganz anders entdecken"

1996 kam sie dann nach Rottweil. "Die Anforderungen an einen Kindergarten haben sich über die vielen Jahren immer wieder verändert. So seien etwa immer mehr Mütter berufstätig, deshalb habe man irgendwann die Öffnungszeiten geändert. "Und dann kam der Bildungsplan", steckt Schwarzwälder die verschiedenen Abschnitte ab. Der Kindergarten sei von der anfänglichen "Kinderaufbewahrung" zu einer Bildungseinrichtung geworden: "Es hat eine Veränderung des Blickwinkels stattgefunden", freut sie sich und betont, dass der Kindergarten immer auch ein Spiegel der Gesellschaft sei. "Die Dinge, die wir hier tun, haben sich dennoch nicht wesentlich verändert. Es gibt immer noch Bauklötze, Bücher, Konstruktionsmaterial und mehr. Hinzugekommen ist der mathematisch-technische Bereich", erklärt sie. Die Kinder seien sehr aufgeweckt, interessiert und würden heutzutage auch ganz andere Fragen stellen und Interessen zeigen als noch vor 30 Jahren. "Sie wollen die Welt heute ganz anders entdecken", sagt Karin Schwarzwälder.

Unzählige Generationen von Kindern hat Karin Schwarzwälder auf ihrem Weg bis zur Schulzeit begleitet. "Meine Arbeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Vor allem die Vielseitigkeit der Arbeit mit Eltern, Kindern, dem Team und als Teil der evangelischen Kirchengemeinde macht die Arbeit aus. Mit den Kindern übt man alle Bereiche des täglichen Lebens ein, vermittelt Werte und stärkt sie in ihrem Tun. "Es war mir immer ganz wichtig, dass die Kinder auch Durchhaltevermögen lernen, das ist ein ganz wichtiger Wert", sagt sie. "Außerdem können sie hier auch lernen, dass man gemeinsam Dinge schaffen kann, die einem allein nicht gelingen". Die christliche Erziehung und die Vermittlung von Werten sei ihr ebenfalls ein großes Anliegen.

Ein Highlight ihrer Kindergartenzeit sei zweifelsohne die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Einrichtung 2007 gewesen. "Alle drei evangelischen Kindergärten in Rottweil haben gemeinsam eine Ausstellung vorbereitet. Die Erziehung in den vergangenen 100 Jahren stand darin im Mittelpunkt. Das war ein schönes Projekt", erinnert sie sich. Auch die Einweihung der Krippe 2013 sei ein Meilenstein gewesen.

Abschied durch Corona anders

Einen Job am Computer habe sie sich nie vorstellen können, sagt Karin Schwarzwälder – wenngleich mittlerweile viel Büroarbeit anfalle. Protokolle, Listen und Dokumentationen müssten erstellt werden, "das gab es früher nicht", sagt sie schulterzuckend. Die Pandemie sorge allerdings für einen ganz anderen Alltag, bedauert die Erzieherin. Auf vieles müsse verzichtet werden. Derzeit gibt es nur eine Notbetreuung. Nach dem Lockdown hätten sich die Kinder teils schwer getan, als Gruppe wieder zusammenzufinden, berichtet die Erzieherin. "So habe ich mir den Abschied nicht vorgestellt", hofft sie, dass sich die Situation bald wieder entspannt.

Ihren letzten Arbeitstag hat sie am 30. Juli. Offiziell soll Karin Schwarzwälder im Gottesdienst am 18. Juli in der Predigerkirche verabschiedet werden.