Der Erweiterungsbau an der Kita am Pfarrweg wurde vom Gemeinderat abgelehnt. (Archivfoto) Foto: Stadler

Die Pläne zur Erweiterung der Kita am Pfarrweg in Pfalzgrafenweiler liegen jetzt auf Eis, die für einen Waldkindergarten werden hingegen forciert.

Der Baubeschluss für den Anbau an die Kita am Pfarrweg stand in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Pfalzgrafenweiler auf der Tagesordnung. In der Einrichtung sollen zwei Ganztagsgruppen für Kinder unter drei Jahren Platz finden.

 

Die Kostenschätzung für den Anbau wurde im August auf etwa 1,1 Millionen Euro aktualisiert. Momentan gibt es für einen solchen Anbau kein Förderprogramm.

Vorgesehen war, den Baubeschluss im Gemeinderat zu fassen und den vom Architekturbüro vorbereiteten Bauantrag bei der unteren Baurechtsbehörde einzureichen. Der Beschluss würde zu einer Entzerrung der Betreuungssituation in Pfalzgrafenweiler beitragen, erklärte Hauptamtsleiter Marco Kaupp. Aktuell könnten 15 Kinder über drei Jahren und sieben unter drei Jahren keinen Betreuungsplatz bekommen. Bürgermeister Dieter Bischoff betonte die Bedeutung der Kinderbetreuung sowohl für die Eltern als auch die Arbeitgeber.

Ziefle: Waldkindergarten günstiger und schneller

Ratsmitglied Andreas Ziefle (CDU) jedoch machen die Finanzen Sorgen. Deshalb könne er dem Baubeschluss aufgrund fehlender Eröffnungsbilanz und der hohen Bausumme nicht zustimmen. Ein Waldkindergarten sei preiswerter und schneller realisierbar, auch mit Eigenleistungen bei den Außenanlagen, so Ziefle.

Bischoff bedauerte diese Einstellung und verwies auf die finanzielle und gesellschaftliche Verantwortung aufgrund des bestehenden Betreuungsbedarfs. Auch andere Kommunen investierten, weshalb er appellierte, diesen mutigen Schritt zu gehen und die weitsichtige Investition zu tätigen.

Rege Diskussion

Es entwickelte sich eine rege Diskussion um den Baubeschluss. Im Gremium wurde daran erinnert, dass bereits zu Jahresbeginn beschlossen wurde, dass ein Waldkindergarten kommen soll.

Auch bei Susanne Kolenko (FWV) schrillten die Alarmglocken wegen der finanziellen Verantwortung und vieler Berichte zu Haushaltssperren in anderen Kommunen. Sie betonte, dass die Kommune sorgfältig geplant habe, aber bereits im Frühjahr sei spürbar gewesen, dass für den Kita-Erweiterungsbau keine Begeisterung im Gremium vorhanden war.

Gärtner: Verwaltung nimmt Wunsch des Rats nicht ernst

Den neuen Ratsmitgliedern fehlte das Hintergrundwissen aus den bisherigen Sitzungen des Gremiums in der letzten Amtsperiode. So zeigte sich Petra Benner (SPD) genauso überrascht von der Diskussion wie Bürgermeister Bischoff. Zudem fehlten den Räten Bedarfsberechnungen zu den benötigten Kita-Plätzen.

Adolf Gärtner (FWV) kritisierte, dass die Einrichtung des Waldkindergartens als großer Wunsch des Gemeinderats nicht ernst genommen werde. Er hätte bereits aufbereitet werden können, so Gärtner.

Andreas Ziefle beantragte, den Baubeschluss nicht zu fassen, zwei bis drei Jahre zu warten und stattdessen den Waldkindergarten zu forcieren. Hauptamtsleiter Kaupp geht davon aus, dass dieses Vorhaben im kommenden Jahr nicht realisierbar ist. „Beim Waldkindergarten geht’s wieder von vorne, bei null, los“, sagte er. Zunächst müssten die Kosten ermittelt und dann 2025 in den Haushalt eingestellt werden. Für Bürgermeister Bischoff müsste zuerst ein Konzept für den Waldkindergarten vorliegen, um sich auf diesen Weg zu begeben.

Ziefles Antrag hat Vorrang

Petra Benner beantragte die Vertagung dieser Angelegenheit bis nach der Klausurtagung. Martin Lutz (FWV) verwies auf den Beschluss vom Januar, wonach der Waldkindergarten geplant und 2025 umgesetzt werden soll. Zudem wolle er keine Zentralisation im Bereich der Kinderbetreuung und bemängelte die Größe der Kita am Pfarrweg durch die geplante Erweiterung.

Da Ziefles Antrag Vorrang hatte, ließ Bischoff darüber abstimmen. Elf Ratsmitglieder sprachen sich dafür aus, das Vorhaben „Erweiterung Kita am Pfarrweg“ ad acta zu legen und in die Planung des Waldkindergartens einzusteigen.