Blick auf den Kindergarten in Neuweiler: Aus Sicht der vier Einrichtungen der Kommune ist mehr Personal erforderlich. Foto: Thomas Fritsch

Eltern und Erzieherinnen in Neuweiler sprechen sich für mehr Personal in den Kindergärten aus. Konkret geht es um eine 80-Prozent-Stelle. Doch ob das erforderlich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Im Grunde schien es fast nur eine Formalie zu sein: die Schaffung einer neuen 80-Prozent-Stelle für die Kindergärten von Neuweiler. Immerhin hatten sich Kindergartenausschuss und Elternbeirat Mitte Oktober einstimmig dafür ausgesprochen und offenbar klar Bedarf gesehen. Ganz so klar und einfach verlief die Debatte im Gemeinderat dann allerdings doch nicht.

 

Standpunkte

Neuweilers Bürgermeister Martin Buchwald machte gleich zu Beginn klar, dass er dieses Ansinnen angesichts der schlechten Finanzlage der Gemeinde nicht unterstützen könne. Die Personallage sei, zum Wohle der Kinder, aktuell aber ohnehin gut.

„Auf jeden Fall ein Gewinn“

Marion Nie-Hoegen, Neuweilers koordinierende Kindergartenleiterin, widersprach ihm da deutlich. Eine zusätzliche Kollegin, so erklärte sie, wäre „auf jeden Fall ein Gewinn“. Oft fehlten Erzieherinnen, etwa wegen Krankheit, was dann von anderen aufgefangen werden müsse. Eine zusätzliche Stelle könne flexibel dort eingesetzt werden, wo der Bedarf bestehe, ohne zugleich an anderer Stelle ein Loch aufzureißen.

Diskussion

Gemeinderat Micha Stockinger pflichtete ihr bei. Er ist der Meinung, „dass wir überall sparen können, nur nicht an den Kindern“. Sein Eindruck sei, dass die Verwaltung das immer wieder tue.

Bernd Greule störte sich offenbar an der Formulierung an „Kindern sparen“. Das werde gerne als Schlagwort verwendet; Fakt sei aber auch, dass Baden-Württemberg mit den höchsten Betreuungsschlüssel habe. Wie funktioniere es denn dann in anderen Ländern?

Jonathan Stockinger konnte sich nicht so recht erklären, wo genau das Problem liegt und wie die 80-Prozent-Stelle berechnet wurde.

Nie-Hoegen führte dazu aus, dass es immer wieder an verschiedensten Stellen Schwierigkeiten gebe. Etwa weil Erzieherinnen zu verschiedenen Prozentanteilen arbeiteten; dadurch seien manche Tage und Uhrzeiten gut besetzt, andere weniger gut. Manche Zeiten, wenn die Kinder gebracht oder abgeholt würden zum Beispiel, seien zudem sehr personalintensiv. So würden Lücken entstehen, die sich nochmals verschärften, wenn etwa jemand ausfalle.

Sind Hol- und Bringzeiten zu flexibel?

Jonathan Stockinger war das jedoch nicht konkret genug. Er fragte etwa, ob sich diese Lücken dann genau zu einer 80-Prozent-Stelle addieren würden. Ob es denn besonders hohe Fehlzeiten gebe oder ob die Hol- und Bringzeiten vielleicht zu flexibel seien. Und ob all das nicht Herausforderungen seien, die es in jeder Kommune gebe.

Buchwald erklärte dazu, in diesem Bereich gebe es bei Städten und Gemeinden eine „wahnsinnig große“ Bandbreite. Manche hätten mehr, andere weniger Personal. Und es gebe verschiedene Berechnungen, weil etwa mehr Krankentage einkalkuliert würden. Insgesamt, so bekräftigte der Bürgermeister auch an Micha Stockinger gewandt: „Wir tun schon wahnsinnig viel für unsere Kinder.“

Kritik

Und während Reinhard Kussack eher ein Organisations- als ein Personalproblem vermutete, meinte Anton Höschle, er wolle eine konkrete Liste sehen, wie viele Erzieher wann wo eingeplant seien. Er bemängelte, dass das nicht schon geschehen sei. Sein Chef würde ihm „die Ohren langziehen“, würde er so unvorbereitet in Personalsitzungen kommen.

Buchwald erklärte, das zu erarbeiten, Nie-Hoegen meinte, sie habe das bereits getan und auch der Verwaltung vorgelegt. Der Bürgermeister sicherte auf jeden Fall zu, dem Gemeinderat noch die nötigen Informationen zukommen zu lassen, um dann erneut beraten zu können.

Elternsicht

Einem in der Sitzung anwesenden Vertreter des Elternbeirats war das zu vage. Er erklärte, er sehe vor allem zwei Probleme: Einerseits die vier verschiedenen Standorte, die alle besetzt sein müssten, wodurch im Bedarfsfall aus Neuweiler Personal abgezogen und an den dortigen Kindern gespart würde. Andererseits rechne die Verwaltung die Zahlen schön.

Weiterer Aufschub ist „eine Farce“

Dass das Thema nun, obwohl es ohnehin bereits mehrere Anläufe gebraucht habe, erneut verschoben werden solle, bezeichnete er als „eine Farce“ – und fürchtete, so werde das Ganze nichtöffentlich verschwinden.

Für eine Entscheidung, das wurde schnell deutlich, fühlten sich die Räte an diesem Tag aber doch schlicht „unterversorgt mit Informationen“, wie es Jonathan Stockinger auf den Punkt brachte. Kussack und Höschle pflichteten bei.

Das Gremium votierte einstimmig für eine Vertagung. In der nächsten Sitzung soll nun erst nichtöffentlich, dann öffentlich beraten werden.