Die geplante Reduzierung der Öffnungszeiten in den Kindergärten „Villa Kunterbunt“ und „Spatzennest“ fand keine Mehrheit im Mötzinger Gemeinderat.
„Wir wollen die Öffnungszeiten reduzieren, denn zehn Stunden am Tag sind nicht mehr verantwortbar, und wir müssen das Ganze sehen“, hatte Bürgermeister Benjamin Finis den Standpunkt der Verwaltung deutlich gemacht. Die vorgeschlagene Senkung auf eine tägliche Betreuungszeit von neun Stunden wurde dennoch knapp mit sechs zu fünf Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.
In den beiden Kindertageseinrichtungen wird im Ganztagesbereich von montags bis donnerstags von 7 bis 17 Uhr und freitags von 7 bis 16 Uhr eine durchgehende Betreuung angeboten. Wie der Rathauschef in der gut besuchten Sitzung dazu ausführte, gestalte sich die personelle Abdeckung an den Nachmittagen schwierig. Nur wenige Kinder nähmen diese Betreuungszeiten wahr.
Trotzdem müsse der Mindest-Personalschlüssel erfüllt werden, auch wenn die Kinderzahlen vor allem in der letzten Stunde „sehr übersichtlich sind“. Vor diesem Hintergrund kam aus den Einrichtungen selbst die Bitte nach einer Anpassung der Öffnungszeiten. Andere Kommunen im Kreis Böblingen, so Finis, seien diesen Schritt bereits gegangen.
Reduzierung würde 70 000 Euro einsparen
Nach Rückmeldungen einiger Eltern hatte die Verwaltung ihren ursprünglichen Beschlussvorschlag modifiziert und einen neunstündigen Betreuungskorridor ohne explizite Festlegung der genauen Zeiten vorgeschlagen, der nach den Sommerferien umgesetzt werden sollte. Von der Maßnahme versprach man sich im Rathaus eine jährliche Einsparung in der Größenordnung von 70 000 Euro.
MLi-Rat Daniel Hampel kritisierte in der folgenden Diskussion „die schlechte Kommunikation mit den Eltern“. Mit Blick auf die entstehenden Baugebiete sei jetzt der falsche Zeitpunkt für diese Entscheidung. Außerdem könne man nicht den gleichen Preis für eine reduzierte Leistung aufrufen, so Hampel unter Hinweis auf den Kostenfaktor. Denn die Stunde weniger werde nicht in den Kindergartengebühren ausgeglichen. In diesem Sinne argumentierte ebenfalls SPD-Rat Stefan Ziegler mit den Worten: „Man kann nicht Vollkasko buchen und nur Teilkasko erhalten“.
Wie Regina Brenner (SPD) in Erinnerung rief, habe man im Gemeinderat vor 15 Jahren dafür gekämpft, „den Eltern gerecht zu werden und familienfreundliche Zeiten anzubieten“. In ihren Augen war es nicht verständlich, dass dieser Punkt überhaupt auf der Tagesordnung stand, zumal „junge Familien nach Mötzingen ziehen sollen“. Brenner betonte: „Die Zahlen rechtfertigen das nicht, und es geht einfach nicht, rigoros eine Stunde wegzustreichen“. Sie stellte in der Sitzung den Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, was aber keine Mehrheit fand.
Jasmin Haar: Es fehlt an Fachpersonal
Auf den „eklatanten Fachkräftemangel“ im Betreuungsbereich machte Jasmin Haar (MLi) aufmerksam, die mit dem Verwaltungsvorschlag mitgehen konnte. Denn es gebe in Mötzingen auch Eltern, die sich fragen, „warum wir uns diesen Luxus mit zehn Stunden leisten“ – zumal es zunehmend Probleme gebe, Personal zu finden. Und weil die Kommunen um Fachpersonal konkurrieren und attraktive Arbeitsplätze schaffen müssten, zeigte sie sich überzeugt: „Die zehn Stunden werden wir uns nicht mehr lange leisten können“.
„Ich habe gute Argumente gehört und bin hin- und hergerissen“, erklärte MLi-Rat Alfons Aigner. Für ihn stelle sich allerdings die Frage, wie das alles finanziert werden soll. „Wenn man nüchtern auf die Zahlen schaut, geben wir 70 000 Euro für sechs Kinder aus“, sagte Aigner und fügte hinzu: „Wir können es nicht allen recht machen und jedem Einzelinteresse nachgehen“. Insofern war der modifizierte Verwaltungsvorschlag in seinen Augen nachvollziehbar.
Egon Stoll (MLi) sah unter Hinweis auf die neuen Baugebiete zwar auch nicht den passenden Zeitpunkt für die Reduzierung der Öffnungszeiten. Dennoch wunderte er sich darüber, „dass Eltern das gebuchte Angebot nicht nutzen“. Er wünschte sich eine Bedarfsplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre – denn „dann hätten wir diese Diskussion nicht“.