Gebühren, Zentralisierung, Platz-Reduzierung und Stellenstreichung. Was jetzt auf die Eltern in Horb zukommt.
Die Zuhörerbänke im Gemeinderat sind gut gefüllt. Denn: Der Gemeinderat entscheidet, ob es endlich einen gemeinsamen runden Tisch mit Elternvertretern gibt, wie in der Petition gefordert. Doch der Ärger dürfte nicht aufhören.
Patrick Seidler, zuständig für die Kitas: „Die Petition der Eltern erreichte 1106 Stimmen. Das ist sehr eindrücklich.“ Klar ist auch: Ein runder Tisch wird eingerichtet. Er soll zum ersten Mal am 15. Juni tagen, so Horbs OB Michael Keßler.
Und bei diesem runden Tisch gibt es reichliche Konfliktstoff. Seidler: „Dort werden wir noch einmal über die Kita-Gebühren in Horb sprechen.“
Rathaus kündigt „Kita-Konsolidierung“ an
Doch auch das neue „Konsolidierungspaket“ bei den Kitas wird das Thema des runden Tisches. Grund: Bisher sind 150 Kinder weniger angemeldet. Deshalb seien laut Seidler „Sofortmaßnahmen für 2026/27 geplant.“ Es gehe um die „Konsolidierung“.
97 Plätze sollen stillgelegt werden. Seidler: „ Es werden keine Standorte geschlossen. Das sind Platzkapazitäten, die bei Bedarf reaktiviert werden können.“
OB Keßler verspricht „relativ hohe“ Garantie für ortsnahe Betreuung
Horbs OB Michael Keßler: „Je weniger freie Plätze wir haben, desto größer wird das Risiko, das Kinder in Horb hin und her fahren. Deshalb haben wir noch Pufferplätze. Wir glauben, mit diesem Puffer (150 weniger Anmeldungen, 97 Plätze werden gestrichen, Anm. d. Red.) eine relativ hohe Garantie zu bieten, das Geschwisterkinder am selben Ort betreut werden.“
Darüber hinaus sollen Stellen gestrichen werden. Seidler: „Der Stellenplan soll an reale Platzzahlen angepasst werden. Die Springerstellen könnten wir ganz einsparen. Das spart bis zu 300.000 Euro im Jahr, ohne dass die Qualität darunter leidet.“ Dabei handelt es sich um 3,5 Stellen.
Kitas auch für die Raumschaft offen
Bestimmte „Spezialangebote“ sollen zentralisiert werden. Dort, wo die passenden Pädagogen und Raumkapazitäten vorhanden sind.
Die Kitas in Horb sollen für Eltern aus anderen Raumschaften geöffnet werden. Seidler: „Wir haben sogar schon Anfragen aus dem Landkreis Böblingen.“
FD/FW-Fraktionschef Anton Ade sagt nach den Ausführungen: „Eine Zentralisierung kann ich mir maximal bei U3 vorstellen. Das geht nur mit den Eltern.“
Wie flexibel ist Horbs Kita-System?
ULH-Gemeinderat Hermann Walz will wissen, ob man die flexible Tagesbetreuung durch Tageseltern noch ausweiten kann. Seidler: „Im U3 Bereich ist es in Krippen möglich, dass die Eltern zwei oder drei Tage Betreuung buchen können. Die Frage ist: Inwieweit können wir noch einen Tiger (private Tagespflegeeinrichtung in Horb, Anm.d.Red.) wie im Storchennest installieren? Die Tageseltern sind selbstständig. Unsere Erzieher haben generell eine fünf Tages-Woche.“
Uwe Hellstern (AfD): „Kann man die Erzieher nicht flexibel von Kita zu Kita schicken?“ Seidler: „Nein. Die Kitas haben unterschiedliche Träger.“
Den Sofortmaßnahmen wurde mit großer Mehrheit zugestimmt.
Nächste Kita-Gebührenerhöhung steht schon an
Und wie geht es jetzt mit den Gebühren weiter? Seidler kündigte eine Beteiligung der Elternvertreter in der nächsten Runde an. Gab im Gemeinderat aber zu, dass die Schreiben bei der umstrittenen letzten Erhöhung der Kita Gebühren in Horb erst im Dezember 2025 rausgegangen sind. Die Abstimmung war am 16. Dezember 2025.
Derzeit liegen die Empfehlungen der Landesverbände bei 4,5 Prozent für die nächste Runde 2026/27. Ab 2027 werden vier Prozent empfohlen, so Seidler.
Kann das neue „Kita-Konsolidierungspaket“ die Gebühren senken? Keßler: „Nein. Pro Kita-Platz gibt es Beiträge der Eltern. Unser Anteil reduziert sich bei sinkenden Platzzahlen – bis auf die Fixkosten des Gebäudes.“