Sie mussten jetzt die Kita-Gebühr senken: Horbs OB Michael Keßler (CDU), Fachbereichsleiter Robert Hermann und Kita-Verantwortlicher Patrick Seidler. Foto: Jürgen Lück

Das Rathaus in Horb muss jetzt die Gebühr für Kinderbetreuung senken. Warum dahinter ein peinlicher Grund steckt.

Die Zuschauerbänke bei der letzten Gemeinderatsitzung waren ordentlich mit Eltern gefüllt. Sie hofften, dass der Stadtrat auf ihre Forderung eingeht, die Erhöhung der Kita-Gebühr bis zum Runden Tisch zu verschieben. Zunächst beharrte das Rathaus auf der Gemeinderatsentscheidung vom Dezember 2025, die Kita-Gebühren drastisch um bis zu 34 Prozent zu erhöhen. Patrick Seidler, verantwortlich für die Kitas, vergleicht die Gebühren in der Raumschaft für Ü3 VÖ (verlängerte Öffnungszeiten). Nagold: 123 Euro. Glatten: 191 Euro, Starzach: 162 Euro. Nur Rottenburg ist so teuer wie Horb jetzt: 218 Euro im Monat.

 

Vergleich mit anderen

Seidler: „Dort sind aber Verpflegung teurer als in Horb. In Nagold wird eine Erhöhung diskutiert. In Glatten werden die Beiträge von der evangelischen Kirche festgesetzt. In Starzach wird die Kita-Gebühr als Standortfaktor gesehen. Um Familien zur Ansiedlung zu bewegen.“

Dort habe ihm der Kämmerer aber signalisiert, dass man auch in Starzach erhöhen müssen. Wegen der Finanzlage.

Dieter Rominger-Seyrich (SPD): „Bei uns wurde eine Erhöhung der Kita-Gebühr um 14,8 Prozent vorgeschlagen. Tatsächlich ist sie um bis zu 34 Prozent. Das ist eine hohe Diskrepanz. Deshalb sollten wir die Fakten erst mit den Elternvertretern am runden Tisch diskutieren, ehe wir über diesen Antrag aus der Petition abstimmen.“

Was ist mit der Petition?

Klartext: Die Kita-Gebührenerhöhung (zum 1. März 2026 umgesetzt) soll bis zum 15. Juni verschoben werden.

Oberbürgermeister Michael Keßler: „Grundsätzlich können wir beim runden Tisch auch über diesen Punkt der Petition sprechen und die finanziellen Fakten der Kita-Kosten darlegen. Beim runden Tisch ist das Thema aber hauptsächlich die Kita-Landschaft.“

Rominger-Seyrich: „Es wurde schon eine erste Sozialstaffelung eingeführt. Grundsätzlich gilt für uns: Starke Schultern können mehr tragen als schwache.“ Die Eltern hatten in der Petition eine Diskussion über mehr Sozialverträglichkeit der Gebühren gefordert.

Die Entscheidung

Die BiM-Stadträte Thomas Bauer und Karin Fluhrer begrüßen das. OB Keßler: „Der Gemeinderat legt die Gebühren fest.“ Dann wird abgestimmt, die Erhöhung der Kita-Gebühren auszusetzen. Es gibt nur drei Ja-Stimmen, die Mehrheit lehnt die Aussetzung ab.

Grund für die Senkung

Dafür wird wenigstens in einem Punkt die Kita-Gebühr gesenkt. Um bis zu 72 Euro. Es geht um den Beitrag für Kinder unter drei Jahren / Teilzeit VÖ für drei Tage. Statt 235 Euro werden ab sofort nur 150 Euro verlangt. Ermäßigt: Statt 212 Euro werden 140 Euro fällig.

Der peinliche Grund, so OB Keßler: „Wir haben einen Rechenfehler gemacht. Wir hatten aber keinen Fall dazu. Diese Gebühr wurde bisher nicht veranlagt oder eingezogen. Deshalb gibt es keinen finanziellen Schaden für Stadt oder Eltern.“

Ein Elternteil sagt draußen: „Bitter gesagt: Erst geschönt, dann verrechnet. Eigentlich hatte ich überlegt, mit zwei Kinder in Horber Kitas wieder arbeiten zu gehen. Doch das lohnt sich jetzt nicht mehr.“