Den Kindergarten Berneck besuchen derzeit 18 Jungen und Mädchen. Unser Bild zeigt einige von ihnen am letzten Öffnungstag zusammen mit den Erzieherinnen Tanja Härle und Duska Ceran. Foto: Köncke

Bedarfsplan 2021 und 2022 für die Betreuung von Kindern zeigt die künftigen Engpässe auf.

Reichen die angebotenen Plätze in den Altensteiger Kindertagesstätten aus? Besteht in den nächsten Jahren ein zusätzlicher Bedarf? Der Gemeinderat hat sich in der Weihnachtssitzung mit dem Thema beschäftigt.

Altensteig - Sechs Kindertagesstätten gibt es in Altensteig – zwei in der Kernstadt, eine in Walddorf, Wart, Spielberg und Überberg. Hinzu kommt der Waldkindergarten Altensteigdorf. Aktuell sind 358 Kinder im Alter von null bis drei Jahre und 457 vom vierten Lebensjahr bis zum Schuleintritt gemeldet.

Zahlreiche Eltern möchten Kinder in Waldkindergarten schicken

Für die Betreuung von Kleinkindern werden 101 Plätze angeboten, das entspricht einer Quote von 28,2 Prozent. In der Kernstadt würden die "Goldfischle" auch in Zukunft Jungen und Mädchen bis zu 36 Monaten am Standort Bahnhofstraße aufnehmen. Laut Hauptamtsleiter Thomas Bräuning, der die Bedarfsplanung im Gemeinderat vorstellte, sei eine Erweiterung mit weiteren zehn Plätzen denkbar. In der angemieteten Schlosswohnung könnte eine Kleingruppe mit 15 Kindern untergebracht werden, die organisatorisch zur Tagesstätte Welkerstraße gehören würde. In Überberg wünschen sich Eltern eine U3-Betreuung von insgesamt elf Kindern. Angedacht wird von der Stadt die Einrichtung einer altersgemischten Gruppe und nach Abschluss geplanter Umbauarbeiten die Eröffnung eine Kleingruppe im Obergeschoss des Gebäudes.

In der Kita Wart wurde im letzten Monat mit der Betreuung von Zweijährigen begonnen. Dafür stehen fünf Plätze zur Verfügung. "Mal schauen, wie das Angebot angenommen wird", ist Bräuning gespannt. In Walddorf ist die Kleinkindgruppe mit zehn Plätzen voll belegt. Aufgrund der hohen Einwohnerzahl hält der Hauptamtsleiter eine zweiten Gruppe für notwendig, geschehen könnte das entweder durch einen Anbau an den bestehenden Kindergarten oder einen Neubau. Die Entscheidung des Gemeinderats steht noch aus.

In Spielberg wurde im Februar 2019 mit der Kleinkindbetreuung angefangen. In Altensteigdorf möchten zahlreiche Eltern ihre zwei- und dreijährigen Kinder in den Waldkindergarten schicken – insgesamt gingen bei der Stadt zwölf Bedarfsmeldungen ein. Im Frühjahr 2021 will man ein Konzept erstellen.

Überprüft wurden vom Altensteiger Hauptamt nicht nur die Angebote der Kleinkindbetreuung, sondern der Platzbedarf für die über Dreijährigen. Wurden in den Kindertagesstätten der Gesamtstadt vor drei Jahren 370 Jungen und Mädchen betreut, sind es Anfang kommenden Jahres bereits 406, acht Monate später 457 und 2023 zum gleichen Zeitpunkt 493 – ein Zuwachs um mehr als 30 Prozent.

In der Kernstadt werden 250 Plätze angeboten, davon sind 230 belegt, im August 2021 voraussichtlich 260 und 264 im August 2022. Auf die steigenden Zahlen hat die Stadt mit den Ausbau des Kindergartens Karlstraße reagiert. Und im Sommer dieses Jahres wurden in der Welkerstraße ein Anbau und sanierte Räumlichkeiten im Bestand bezogen. In beiden Einrichtungen wurden die Ganztagesplätze deutlich aufgestockt.

Im Evangelischen Kindergarten Berneck/Hornberg stehen 28 Plätze zur Verfügung – bis zum Sommer kommenden Jahres sind 19 belegt und am Stichtag 1. August 2023 voraussichtlich 29. In Spielberg reichen die vorhandenen 45 Plätze in den kommenden Jahren nicht mehr aus. Im Januar 2023 werden sie zum ersten Mal leicht überschritten, im August steigt die Zahl von 46 auf 53. Behelfen könnte man sich, laut Bräuning mit der Einrichtung einer weiteren Kleingruppe mit zwölf Plätzen in den vorhandenen Räumlichkeiten. Sollte allerdings ein Angebot zur Ganztagsbetreuung vorliegen, käme man um bauliche Veränderungen nicht umhin.

In Überberg werden 37 Plätze angeboten. Derzeit besuchen 22 Jungen und Mädchen die Einrichtung, im Sommer 2021 werden es laut Statistik 29 sein, im Sommer 2022 voraussichtlich 30 und im Sommer 2023 sogar 31 Kinder. Für Bräuning reichen die vorhandenen 1,5 Gruppen aus.

"Es besteht Handlungsbedarf"

In Walddorf werden 70 Plätze bereitgestellt, im Sommer 2021 wird die Zahl leicht überschritten, ein Jahr später auf 77 steigen und am Stichtag 1. August 2023 auf 84. Bräuning: "Es besteht Handlungsbedarf." Der Gemeinderat sollte möglichst zeitnah an einen Anbau an den bestehenden Kindergarten oder einen Neubau denken. In Wart werden 37 Plätze vorgehalten. Weil die Anmeldungen darunter liegen – im August 2022 werden maximal 34 Plätze belegt sein – reichen die genehmigten 1,5 Gruppen nach Ansicht von Bräuning noch längere Zeit aus.

"Die Kinderbetreuung in Altensteig ist optimal", lobte der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Dieter Renz. Weil die Stadt einen Mitarbeiter für das Sachgebiet Bildung und Betreuung sucht, wollte Gerd Stunder (SPD) wissen, ob Thomas Bräuning die Sachgebietsleitung im Hauptamt abgeben würde, was nicht der Fall sei, erhielt er zur Antwort. Mit der Einstellung wolle man die Verwaltungsthemen "noch gebündelter abbilden". Die Frage, wann der Kindergarten Überberg im Rahmen geplanter Umstrukturierungsmaßnahmen die benötigten Räumlichkeiten beziehen könne, löste eine kontroverse Debatte aus. "Den Bedarf müssen wir zeitnah befriedigen und können damit nicht bis 2023 warten", hatte SPD-Sprecherin Ursula Utters eine klare Meinung. Der Ortschaftsrat könnte seine Sitzungen doch solange im Evangelischen Gemeindehaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite abhalten oder im Pavillon des Landgasthofs "Hirsch". Andreas Lamparth (Freie Wähler) reagierte verschnupft: "Weder das eine noch das andere ist tragbar." Allein wegen der umfangreichen Registratur sei so etwas nicht machbar, blies Ortsvorsteher Werner Gogolin ins gleiche Horn. "Die Sachen könnte man als Übergangslösung in städtischen Räumlichkeiten unterbringen", wäre für CDU-Fraktionssprecher Tobias Schmid denkbar. Man sollte einfach am Ziel festhalten, sowohl die Baumaßnahmen bei der Feuerwehr als auch die im Rathaus zeitnah und zusammenhängend durchführen, dann würde sich das Problem überhaupt nicht stellen und die Ortsverwaltung könnte wie geplant ins Dachgeschoss umziehen, meldete sich Gogolin erneut. Wenn das nicht durchführbar sei, müssten man eventuell die Prioritäten ändern, warf Bürgermeister Gerhard Feeß ein. Will heißen: den zweiten Schritt (Rathausumbau) vor dem ersten (Feuerwehr-Sanierungsmaßnahmen) in Angriff nehmen.

Der Bedarfsplan 2021 und 2022 für die Betreuung von Kindern bis zum sechsten Lebensjahr wurde einstimmig angenommen.

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