Für Kinder von Eltern, die im Bereich der kritischen Infrakstruktur tätig sind, wird an Schulen und Kindergärten eine Notfallbetreuung eingerichtet. Foto: Büttner

Eltern stehen vor Problemen. Kinder werden weiterhin in Gruppen betreut. Gefahr von Ansteckung bleibt. 

Region - Die Schulen sind geschlossen. Wer nun zuständig ist, da sind sich die Ämter nicht so ganz einig. Die Nachfrage, welche Möglichkeiten Eltern nun offen stehen, wird vom Kultusministerium Baden-Württemberg an den Kommunalverband für Jugend und Soziales weitergereicht, von dort wiederum an das Landesgesundheitsamt und dann wieder zurück an das Kultusministerium. Es wird schnell deutlich, dass es für das Problem keine einfache Lösung gibt.

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Die Eltern kleiner Kinder stehen im Moment vor einer großen Herausforderung. Die Frage aller Fragen lautet: Wo bringe ich meine Kinder für die kommenden Wochen unter? Die Not macht kreativ. Wer keine Familienmitglieder hat, die auf den Nachwuchs aufpassen können, sucht nach anderen Lösungen.

Einige Eltern wechseln sich nun ab. Reihum werden so wochenweise die Kinder in verschiedenen Häusern betreut. So manch einer versucht daraus auch Profit zu schlagen. Auf Facebook bieten immer öfter Privatpersonen Kinderbetreuung gegen Bezahlung an. Diese Angebote anzunehmen empfiehlt Fabian Schmidt vom Ministerium für Kultur, Jugend und Sport Baden-Württemberg jedoch nicht. "Natürlich verstehen wir die Eltern, die nun mit der Situation umgehen müssen", meint er. "Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat eine Eindämmung der Ausbreitung von Corona zu Zweck. Wenn Kinder dann wieder in wechselnden Gruppen betreut werden, haben wir immer noch das Infektionskettenproblem."

Erlaubnispflichtige Kindertagesbetreuung momentan untersagt

Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt sei es rechtlich gar nicht möglich, sich als Kinderbetreuer zu versuchen, erklärt Schmidt. "Wenn man fremde Kinder bei sich zu Hause hütet, haben wir eine erlaubnispflichtige Kindertagesbetreuung." Und die jetzt noch anzumelden, sei, selbst wenn die Qualifikationen vorhanden seien, im Moment nicht möglich. Denn genau diese Betreuungsform ist nun untersagt. Darunter fallen auch Kindergärten und Krippen.

Wenn die Kinder von Außenstehenden im Elternhaus betreut werden, sehen die Regelungen lockerer aus, aber: "Wir schließen die Kindergärten ja nicht zum Spaß", meint Schmidt. "Es geht um den Schutz der Bevölkerung und für einige um Leben und Tod. Wir wollen keine Panik verbreiten, rufen aber dazu auf, verantwortungsvoll zu handeln."

In Sachen Kinderbetreuung sei der erste Ansprechpartner der Arbeitgeber. Wenn dieser keine Möglichkeiten wie Homeoffice anbieten könne, sei der nächste Schritt, sich in der Familie umzusehen. Könnte da niemand den Nachwuchs betreuen, dann vielleicht jemand im Freundeskreis. "Es ist nicht einfach, Empfehlungen für den Einzelfall abzugeben", sagt Schmidt. "Aber wenn jemand gar keine Anlaufstelle hat, kann es sich lohnen, bei Erziehern oder Lehrern nachzufragen. Viele Schulen und Kindergärten bieten auch Notfallbetreuungen an."

Notfallbetreuung für Kinder mit Eltern bestimmter Berufsgruppen

Der Homepage des Kultusministeriums ist zu entnehmen, dass es an Schulen und Kindertageseinrichtungen für Schüler an Grundschulen und der Klassenstufen fünf und sechs an weiterführenden Schulen sowie für Kindergartenkinder eine Notfallbetreuung in der betroffenen Einrichtung gibt.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist, dass beide Erziehungsberechtigte in Bereichen der sogenannten kritischen Infrastruktur tätig sind. Dazu zählen Sektoren, die in den aktuellen Zeiten nicht pausieren und in denen auch keine Arbeit von daheim aus möglich ist. Dazu gehören Berufe in der Energie- und Wasserversorgung, in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen, in Presse, Rundfunkt, Rettungswesen sowie in Regierung, Verwaltung und Justizeinrichtungen. Die Betreuung findet in möglichst kleinen Gruppen statt.

Bleibe schließlich nichts anderes übrig, so Schmidt, als Angebote von Privatpersonen anzunehmen, solle dringend darauf geachtet werden, dass die Gruppe nicht zu groß sei und immer die gleichen Mitglieder habe. "Wenn jemand vormittags fünf Kinder betreut und Abends fünf andere und morgen wieder andere, dann erhöht das das Ansteckungsrisiko enorm."

Das Ansteckungsrisiko muss möglichst gering gehalten werden

"Wir erteilen Kindertagesstätten und Kindertagespflegeeinrichtungen die Betriebserlaubnis", erklärt Jürgen Romero-Brey vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS). Wenn ein Angebot in dieser Form stattfinde, müssen die Betreuungspersonen Qualifikationen in Form von Fortbildungen nachweisen können. "Was dagegen Eltern privat ausmachen, entzieht sich unserer Regelungskompetenz."

Wenn zum Beispiel über Facebook ein Student anbiete, auf die Kinder einer Familie aufzupassen, sei es Sache der Eltern, das Angebot anzunehmen oder nicht, erklärt Romero-Brey. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass aufgrund des Coronavirus gerade eine Ausnahmesituation herrsche. Welche Betreuungsform Eltern nun auch wählen, es sollte eine sein, bei der das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich gehalten wird.

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