Die Grundschule muss sich den Pavillon übergangsweise mit einer Kindergartengruppe teilen. Foto: Fritsch

Es führt kein Weg daran vorbei: Das "Regenbogenhaus", das die Grundschule Hirsau als Mehrzweckraum nutzt, soll übergangsweise zum Kita-Raum werden. Das hilft aber nur kurzfristig. Ein Waldkindergarten sowie ein Neubau sind daher nun im Gespräch.

Calw-Hirsau - Die Verwaltung der Stadt Calw räumt es ein: Der Schulbetrieb der Grundschule Hirsau wird durch den nahegelegenen, "Regenbogenhaus" genannten Pavillon aufgewertet. Dies sei unbestritten; immerhin dient es derzeit als Mehrzweckraum für Musikunterricht, Tanzen oder Sport. Doch der Schulbetrieb könne auch ohne den Pavillon aufrechterhalten bleiben. In Sachen Kindergartenplätze sieht es ohne das "Regenbogenhaus" dagegen düster aus.

 

Das war bereits in der vergangenen Sitzung des Kultur- und Bildungsausschusses der Stadt deutlich geworden. Denn in den bestehenden Kindergärten gibt es keine weiteren Kapazitäten; spätestens ab März 2023 werde wegen des starken Jahrgangs der derzeit Zweijährigen aber eine zusätzliche altersgemischte Gruppe mit 22 Plätzen gebraucht. Hier kommt der Pavillon ins Spiel, der mit geringem Aufwand eine solche Gruppe aufnehmen könnte.

Im Ausschuss hatte dies jedoch für Diskussionen gesorgt. Martina Fischer, die Leiterin der Grundschule, führte an, wie bedeutend das "Regenbogenhaus" für das pädagogische Konzept sei. Beispielsweise die Turnhalle stelle wegen der Entfernung keine gleichwertige Alternative dar. Vor allem kritisierte Fischer aber, dass es bislang keine gemeinsame Suche nach einer Lösung gegeben habe. Eine Ansicht, die viele Räte teilten.

Runder Tisch

Dies hat die Verwaltung zwischenzeitlich nachgeholt – und sich gemeinsam mit Schulleitung und Ortschaftsrat an einem Runden Tisch geeinigt.

Das Ergebnis sieht nun vor, "den Pavillon zumindest übergangsweise für die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen – mit dem Ziel, diesen später wieder für die Grundschule zu nutzen", heißt es in den Unterlagen. Im Bedarfsfall könne die Schule im Gegenzug dafür zum Beispiel Kursaal, Klosterkeller oder Sporthalle nutzen. Zudem soll es im Oktober einen Vor-Ort-Termin geben.

"Es geht nur mit einer Interimslösung", unterstrich Oberbürgermeister Florian Kling in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Denn auch die Möglichkeit, das Gebäude durch Schule und Kindergarten parallel, beziehungsweise abwechselnd zu nutzen, sei aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen. Aus diesem Grund habe man beispielsweise für den neuen Kindergarten auf dem Wimberg, der im ehemaligen Verwaltungsbau der Werkrealschule untergebracht ist, einen weiteren Eingang für die Lehrer anlegen müssen – damit diese, als sie das Haus ebenfalls noch nutzten, nicht durch den Kindergarten selbst müssen.

Der Pavillon könnte nun durch kleinere Maßnahmen recht schnell für die neue Nutzung umgestaltet werden, erklärte Kling. Ob eine Inbetriebnahme im Frühjahr 2023 wirklich klappt, steht angesichts der schwierigen Bau- und Personalsituation allerdings auf einem anderen Blatt.

Möglicher Neubau

Doch auch abgesehen davon ist mit der nun erreichten Einigung keineswegs eine Lösung für das Problem des Platzmangels gefunden. Denn in absehbarer Zeit dürfte Hirsau einige Einwohner mehr bekommen, beispielsweise, wenn das Gärtnerei-Areal bebaut wird. 31 Wohneinheiten sind allein dort geplant.

Die Verwaltung prüft daher nun, wo und ob ein weiterer Kindergarten im Ort gebaut werden kann. Noch gebe es aber keine spruchreifen Flächen, schränkte Kling ein.

Waldkindergarten

Dieter Kömpf (Freie Wähler) erkundigte sich in diesem Zusammenhang – wie bereits seine Ratskollegin Sabine Ekenja (Freie Wähler) im Ausschuss – nach der Möglichkeit eines Waldkindergartens. Kling hatte im Ausschuss zwar erklärt, dass ein solcher ohnehin geplant sei, allerdings in der Regel nicht in städtischer Regie betrieben werde und ohnehin nur geringe Abhilfe schaffen würde.

Kömpf war anderer Meinung: "Das ist etwas, das die Menschen auch annehmen", meinte er – zumal es nicht zuletzt die wirtschaftlich bessere Lösung sei, weil zum Beispiel die Unterhaltungskosten eines Hauses wegfielen. Seiner Bitte, diese Option zu prüfen, war die Verwaltung indes bereits zuvorgekommen. Wie Kling bekanntgab, sei der zuständige Förster schon dabei, nach möglichen Standorten Ausschau zu halten, zunächst im Bereich zwischen Hirsau und Altburg. Allerdings sei dies nicht ganz einfach, da auch für einen Waldkindergarten bestimmte Regeln gelten würden.

Kömpf ärgerte sich in diesem Zusammenhang über überbordende Bürokratie. Immer gebe es "eine Flut von Regelungen und alles dauert dann ewig". Die Verwaltung konnte ihm nur beipflichten – doch selbst wenn es anders wäre, werde ein Waldkindergarten "nicht die Lösung aller Probleme sein", fürchtete Kling. Der Druck in Sachen Betreuung sei so groß, "dass wir beides machen müssen".

Schule gegen Kita?

Erhard Hofmann (Linke) sprach sich indes vehement dagegen aus, den Schülern das "Regenbogenhaus" wegzunehmen. Seiner Ansicht nach sei einerseits der Schulbetrieb als pädagogisch wichtigere Einrichtung für Kinder einzustufen, andererseits müsse der großen Politik signalisiert werden, dass es so nicht weitergehen kann. Andere Kommunen würden dies bereits so praktizieren und schlicht einräumen, dass der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht erfüllt werden könne. Dadurch, so hoffte er, werde über kurz oder lang eine Reaktion erzwungen – und die Politik lockere entweder Regularien für die Unterbringung von Kitas oder greife den Kommunen, an denen alles hängenbleibe, anderweitig unter die Arme. Es bleibe ein "übler Geschmack", wenn durch eine Lösung in einem Fall jemand anderem etwas genommen werde.

Bernhard Plappert (CDU) pflichtete Hofmann zwar grundsätzlich bei, dass im Fall des Pavillons ein Interessenskonflikt entstanden sei, erklärte aber auch, dass dieser nun gut gelöst worden sei. Völlig falsch sei es dagegen, Schul- gegen Kindergarten-Pädagogik auszuspielen. Beide Konzepte seien auf ihre Art gleich wichtig und wertvoll.

Beschluss

Bei einer Gegenstimme beschloss der Gemeinderat letztlich, den Pavillon übergangsweise als Kindergarten zu nutzen. Die Interimslösung, so sei es der Schule in Aussicht gestellt worden, solle für drei Jahre gelten, erklärte Kling. Ab 2025 würde das "Regenbogenhaus" demnach wieder der Schule zur Verfügung stehen.