Kameramann Kevin Stachorowski richtet den Fokus auf den ganz normalen Alltagswahnsinn in der Schwenninger Kinderarztpraxis von Stefan Röser. Sein außergewöhnlicher Fall kommt nun ins Fernsehen. Foto: Cornelia Spitz

Der Fall des Schwenninger Kinderarztes Stefan Röser kommt ins Fernsehen.

Stefan Röser ging es nicht um seine Person – und er wollte auch nie alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch genau das hat er geschafft mit seiner Offenheit, über den Clinch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) transparent zu informieren, indem er erzählt, dass ihm „wegen überlanger Arbeitszeiten“ als Kinderarzt in Schwenningen nun Rückforderungen und Strafzahlungen der KV drohten.

 

Sogar das Fernsehen interessiert sich jetzt für den Fall des Kinderarztes.

Am Dienstagmorgen hat der SWR ein Kamerateam in die Kinderarztpraxis in der Schwenninger Alleenstraße geschickt.

Mittendrin im Alltagswahnsinn der Praxis

Dort stehen an dem Morgen schon die Familien mit kranken Kindern Schlange. Redakteur Hardy Faißt vom SWR und der Kameramann Kevin Stachorowski blicken verblüfft auf die Szenerie, die sich ihnen bietet, und halten sie im bewegten Bild fest. „Das hat schon Wellen geschlagen“, sagt Faißt wenig später gegenüber unserer Redaktion. Etwa zweieinhalb Minuten soll der Fernseh-Beitrag im SWR dauern – „für ein Nachrichtenformat ist das relativ lang“, erklärt Hardy Faißt, der mit Interesse auf den Fall des Schwenninger Kinderarztes blickt.

Viele seiner Patienten kennen das Bild, wie Stefan Röser an einem ganz normalen Praxistag von Behandlungszimmer zu Behandlungszimmer eilt und trotzdem noch freundliche Worte findet und ehrliches Interesse an seinen kleinen Patienten zeigt. An diesem Morgen aber ist alles anders – unter den ganz normalen Alltagswahnsinn in seiner Kinderarztpraxis mischt sich an diesem Dienstag das SWR-Kamerateam. „An einem Montagmorgen wäre das Selbstmord“, sagt Stefan Röser zwischen Tür und Angel etwas hilflos mit Blick auf die Patienten, die angesichts der ungewöhnlichen Umstände an diesem Dienstag noch ein klein wenig länger Geduld haben müssen. Doch die Mission ist es dem Praxisteam wert: Sie wollen mit Unterstützung des Fernsehteams den Fokus auf das lenken, was schief läuft im Gesundheitssystem.

Spannung, wie es weitergeht

Stefan Röser kann davon ein Lied singen – nicht erst seit dem die Androhung von Strafzahlungen und Rückforderungen durch die Kassenärztliche Vereinigung wegen überlanger Arbeitszeiten das Fass für den Kinderarzt zum Überlaufen gebracht haben. Er gab seine Zulassung als Kassenarzt zurück – mit blutendem Herzen und wehem Blick auf seine Patienten, zu welchen ebenso viele Familien aus sozial schwachen Verhältnissen und auch mit Migrationshintergrund gehören – alles andere als klassische Privatpatienten.

Doch wird der Schwenninger Kinderarzt ab April nur noch solche bedienen können? Stefan Röser nimmt den Mundschutz ab, auf den jemand einen lachenden Clown-Mund gemalt hat, um Kindern die Angst vorm Doktor zu nehmen und bei Untersuchungen das Eis zu brechen. „Man wird sehen“, sagt er und zuckt die Schultern. Immerhin sei er nun im Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung – ein Gespräch könnte Klarheit bringen, „wie genau es nun weitergeht“. Ob die KV es schaffen wird, Stefan Röser doch noch als Kassenarzt an Bord zu halten, bleibt abzuwarten. Immerhin kamen durch seinen konsequenten Schritt zur Kündigung und vermutlich auch die Petition, die Eltern für ihn gestartet haben und die bereits von über 5850 Personen unterzeichnet worden ist, Gespräche ins Rollen. Durch das große Medieninteresse wird nicht nur der Fall des Schwenninger Kinderarztes heiß diskutiert, sondern das Gesundheitssystem generell beleuchtet – weit über den Schwarzwald-Baar-Kreis hinaus.

Der Beitrag des SWR über Stefan Röser soll am Donnerstag, 7. März, um 19.30 Uhr in der Sendung SWR Aktuell Baden-Württemberg ausgestrahlt werden.