Verzweifelte Eltern hatten schon angekündigt: „Wenn die Kinderärzte in Horb aufhören, werden wir halt im Notfall ins Krankenhaus gehen.“ Was der Klinikverbund Südwest sagt und warum er den Eltern jetzt nicht helfen darf.
Die Kinderarzt-Krise: Gleich drei Pädiater hören in Horb auf, Kinder von Kassenpatienten zu behandeln. Jetzt befürchten die Krankenhäuser, dass die Notaufnahmen noch mehr belastet werden.
Lukas Schult, Sprecher des Klinikum-Verbunds Südwest: „Die Notaufnahmen arbeiten bereits heute am Limit.“ Verzweifelte Eltern hatten auf Facebook schon angekündigt, dass sie nach dem Aus der Kassenbehandlung durch Michael Nagel mit ihren Kindern im Notfall die Krankenhäuser aufsuchen würden.
Klinikverbund-Südwest-Sprecher Schult: „Analog zu den Auswirkungen durch die Schließung der KV-Notfallpraxen würde dies zu einem weiter erhöhten Patientenaufkommen in den Notaufnahmen führen, die bereits heute am Limit arbeiten.“
Klinik-Verbund Südwest: „Wir wollten Eltern helfen – Zulassungsausschuss hat abgelehnt.“
Noch dramatischer: Der Klinik-Verbund Südwest wollte ein Angebot für Eltern schaffen. Sprecher Lukas Schult: „Ein Lösungsansatz wäre die Einrichtung sogenannter Institutsambulanzen, die es den Kliniken ermöglichen, unter bestimmten Voraussetzungen, wie etwa einer ärztlichen Unterversorgung in einem bestimmten Gebiet, auch an der ambulanten Versorgung teilzunehmen.“
Der Klinik-Verbund Südwest wollte das den Eltern auch anbieten. Sprecher Schult: „Ein solcher Antrag zur Einrichtung einer pädiatrischen Institutsambulanz wurde von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in den Kliniken Sindelfingen-Böblingen bereits gestellt. Dieser wurde jedoch mit Verweis auf die gesetzlichen Vorschriften vom Zulassungsausschuss der KV abgelehnt.“ Eine tiefergehende Begründung hat es seitens der kassenärztlichen Vereinigung nicht gegeben, so Schult.
Das sagt die KV zum „Verbot“ der Institutsambulanz
Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung: „Das Thema Institutsambulanzen ist ein schwieriges Thema. Ich darf darauf verweisen, dass nicht die KVBW darüber entscheidet, sondern der Zulassungsausschuss, der zu gleichen Teilen aus Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen besetzt ist. Gleichwohl würde eine Institutsambulanz am Klinikum in Sindelfingen nicht die Probleme der Eltern in Horb lösen.“
Fakt ist: Die Fahrt nach Nagold oder Calw in die Notaufnahme ist eine Option. Die bessere wäre vielleicht die nach Böblingen.
Die Kinder-Fachklinik ist in Böblingen
Südwest-Klinikverbunds-Sprecher Schult: „Kommen Kinder als Notfälle über die Zentrale Notaufnahme in eine der Kliniken im Verbund, so findet selbstverständlich eine ärztliche Ersteinschätzung statt. Weiterführende Untersuchungen und Therapien können jedoch nur in einer Kinderklinik durchgeführt werden.“ Und die gibt es weder am Südwest-Standort in Nagold oder Calw.
Schult: „In den Kliniken Calw und Nagold existieren keine eigenen pädiatrischen Fachabteilungen, der Klinikverbund Südwest verfügt jedoch über eine leistungsstarke Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Standort Böblingen für spezialisierte ambulante und stationäre Behandlungen.“
Kann ich als Eltern mit meinen Kindern ins Krankenhaus gehen für Impfungen und U-Untersuchungen?
Schult: „Nein. Wir als Akutkrankenhaus dürfen keine Impfungen oder U-Untersuchungen durchführen, da dies den niedergelassenen Kinderärzten obliegt.“
Kann eine Instituts-Ambulanz bei der KLF eine Lösung sein?
Horb OB Peter Rosenberger (CDU) will auch eine solche Instituts-Ambulanz als Lösung des Kinderarzt-Problems nicht ausschließen. Er sagt: „Ich bin überzeugt, dass den Menschen im ländlichen Raum vor allem eines wichtig ist: eine verlässliche Anlaufstelle für ihre medizinische Versorgung. Wie das Kind heißt, ist für die Menschen im ländlichen Raum von untergeordneter Bedeutung – entscheidend ist eine verlässliche Anlaufstelle mit einer verlässlichen Versorgung. Für uns ist es selbstverständlich, dass ein Krankenhaus einspringt, wenn ein Arzt im Ort wegfällt und nicht anderweitig ersetzt werden kann.“
Rosenberger kündigt Resolution an
Doch der OB will auch gemeinsam mit dem Gemeinderat für eine bessere Versorgung kämpfen. Rosenberger: „Gleichzeitig sehen wir die dringende Notwendigkeit, junge Menschen dafür zu gewinnen, im ländlichen Raum zu arbeiten – sei es als angestellte Ärztinnen und Ärzte oder durch die Gründung einer eigenen Praxis. Und hierfür braucht es Anreizsysteme. Wir arbeiten aktuell an einer Resolution, die wir dem Gemeinderat in der kommenden Sitzung im November vorlegen werden. Wir wollen damit ein starkes Signal setzen: Wir stehen Seite an Seite mit den Eltern und der gesamten Bevölkerung und kämpfen gemeinsam für eine nachhaltige medizinische Versorgung in unserer Stadt.“