Jetzt hängt das Suchplakat für einen neuen Kinderarzt am Kreisverkehr auf dem Hohenberg. Foto: Stadt Horb

Jetzt hängt ein Bauzaun-Banner für einen neuen Kinderarzt am Kreisverkehr auf dem Hohenberg. Warum das Rathaus so enttäuscht von der kassenärztlichen Vereinigung ist.

Der Frust auf die Regularien steckt tief im Rathaus Horb. Das zeigt sich nicht nur bei der Planung der Umfahrung Hohenberg, sondern auch in der Kinderarzt-Krise. Zwei Pädiater haben Horb schon verlassen.

 

Die Kinderarzt-Krise. Zwar hat der Auslöser – Kinderarzt Michael Nagel – erklärt, dass er noch vier Wochen länger als geplant seinen Kassensitz behält. Damit macht er die Tür auf, dass es eine Lösung im Februar geben könnte.

Allerdings: Das Rathaus hat jetzt die Hoffnung verloren, dass die kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KV) bis dahin einen möglichen Nachfolger hat. Rathaussprecherin Inge Weber sagt: „Wir haben aus Gesprächen mit der KV BW keine Hoffnung, dass wir über die Kassenärzliche Vereinigung ab Februar eine Lösung bekommen.“

Grund für den Frust des Rathauses: Die schriftliche Antwort der KV auf die Resolution des Gemeinderats Horb zur Kinderarzt-Krise.

Die Frust-Antwort der kassenärztlichen Vereinigung

Doris Reinhardt, Vize-Vorsitzende der KV, schreibt: „Freigabe des Planungsbereiches: Die KVBW kann den Planungsbereich nicht freigeben. Die Einstufung von Planungsbereichen als gesperrt oder auch unterversorgt trifft nicht die KVBW, sondern der dafür gesetzlich zuständige Landesausschuss.“ Der tagt erst wieder am 19. Februar 2025.

Spezielle Fördermöglichkeiten für die Ansiedlung von Kinderärzten: Reinhardt sagt: „Die Förderkriterien werden zum Jahresbeginn 2025 angepasst. Inwieweit davon die kinderärztliche Versorgung im Landkreis Freudenstadt betroffen ist, können wir aktuell noch nicht sagen. Wir bitten aber um Verständnis, dass wir einheitliche Kriterien für alle Stadt- und Landkreise benötigen.“

Darum gibt es kein mobiles Kinderarzt-Team

OB Peter Rosenberger hatte sich gegenüber dieser Redaktion so geäußert: „Bitter gesagt: Wenn wir ein Dritte-Welt-Land wären, hätte man uns schon längst ein mobiles Kinderarzt-Team geschickt.“

Laut Doris Reinhardt liegt das nicht an der KV: „Selbstverständlich verstehen wir den Wunsch, dass alle Eltern – und damit die Kinder – kontinuierlich medizinisch betreut werden. Klar muss aber sein, dass die KVBW nicht über eigene Ärztinnen und Ärzte ver-fügt, die sie irgendwo „hinschicken“ kann. Die Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzten hängt damit auch viel von den örtlichen Rahmenbedingungen ab (Kinderbetreuung, Schulangebot, Erreichbarkeit, Wohn- und Baumöglichkeiten), die nicht von der KVBW beeinflusst werden können.“

Kann nur noch die Xundmacher-Kampagne helfen?

Deshalb bleibt die einzige Hoffnung die „Xundmacher-Kampagne“. Von Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner mit der Werbeagentur Wulf Wager konzipiert – gemeinsam mit Horbs OB Rosenberger und Bürgermeister Markus Tideman (SPD) aus Eutingen ins Rennen gemacht. Gerade sind die Oberhäupter der Kommunen dabei, diese Ausschreibung auch europaweit laufen zu lassen. Und die ersten Reaktionen lassen ein zartes Pflänzchen Hoffnung aufkeimen.

Horbs Rathaussprecherin Inge Weber sagt: „Wir haben viel positive Resonanz bekommen. Das Ziel der Kampagne ist ja auch, öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen. Das gilt auch in Richtung der Entscheidungsträger. Es gab auch schon eine erste Anfrage von Studierenden. Auch das stimmt uns positiv.“