Im Landkreis Freudenstadt fehlen Kinderärzte. Zwei sind schon weg, einer will zum Jahresende aufhören. Jetzt hat Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner eine clevere Werbeidee.
Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner (CDU) sorgt im ganzen Land für Schlagzeilen. Weil er mit witzigen Videos und Aktionen in den sozialen Medien immer wieder punkten kann. Ist das jetzt der richtige Weg, um die Kinderarzt-Krise zu lösen?
Fakt ist: Zum Jahresende werden Horb drei Kinderärzte mit Kassenzulassung fehlen. Michael Nagel hatte Anfang Oktober angekündigt, Patienten ab dem 1. Januar 2025 nur noch privat zu behandeln. Seine angestellten Ärzte haben daraufhin schon den Landkreis verlassen.
Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner: „Die Kampagne wurde aus Reihen des Gemeinderats der Gemeinde Empfingen angeregt. Ich habe mit der Werbeagentur Wager Consulting Kontakt aufgenommen und den Entwurf für die Werbekampagne gemacht. Wir bilden mit Eutingen und Horb eine Verwaltungsgemeinschaft. Weil unsere Eltern nicht fragen, wo der Kinderarzt sitzt, bin ich froh, dass auch Eutingens Bürgermeister Markus Tidemann (SPD) und Horb OB Peter Rosenberger (CDU) mitmachen.“
Das Praxis-Potenzial von Empfingen, Eutingen und Horb
Denn: Alle drei Kommunen haben Ärztehäuser. Im MVZ Dettingen, so Horbs OB Rosenberger im Sozialausschuss des Kreistags, hatte sich schon ein Kinderarzt beworben. Der durfte dort aber nicht praktizieren, weil erst der Landeszulassungsausschuss am 19. Februar 2025 offiziell feststellt, dass der Landkreis Freudenstadt unterversorgt ist. Bis dahin gilt der Landkreis offiziell als überversorgt mit Kinderärzten!
So sieht die neue Kinderarzt-Werbung aus
Unter dem Slogan „Xundmacher gesucht“ ist der Text im typischen sympathischen Stil, den Empfingens Bürgermeister Truffner mit der Werbeagentur Wager entwickelt hat: „Wir suchen einen Kinderarzt, der nicht nur den Stethoskop-Tanz beherrscht, sondern auch das Herz am richtigen Fleck hat.“ Geboten wird unter anderem: „Volle Rückendeckung von den Bürgermeistern, den Gemeinderäten, den Eltern und den Kindern.“ Dazu noch: „Echte Wertschätzung: Sie werden bei uns nicht nur als Arzt oder Ärztin, sondern auch als Mensch gefeiert.“
Wie sieht Truffner die Erfolgschancen?
Empfingens Bürgermeister: „Unsere Werbeaktionen in Empfingen haben meist guten Erfolg und die Leute penetrieren kann ich bekanntlich.“ Zudem hat er über 230 Medizinerinnen und Mediziner, teilweise in Ausbildung oder als Oberarzt in einer Kinderklinik, per Mail kontaktiert. Will Empfingen damit einer anderen Gemeinde ihren Kinderarzt abwerben? Truffner: „Ganz klar nein – alle drei (Ober-)Bürgermeister betonen, dass das Thema nur gemeinsam gelingen kann. Es geht nicht darum, wer hat einen Kinderarzt und wer nicht. Hier muss es darum gehen, mit einem ,Kopf’ oder am besten mehrere ,Köpfen’ den besten Standort zu entwickeln – für unsere Raumschaft.“