Bei der Eröffnung der neuen Kinderarzt-Praxis in Horb: Eva Maute und Iona Oprea. Das Töchterchen der neuen Fachärztin Maute hält den Luftballon hinter Mamas Kopf fürs Foto hoch. Foto: Jürgen Lück

Die Kinderarzt-Praxis Eröffnung von Iona Oprea im Krankenhaus Horb wird zum „Kinderarzt-Gipfel.“ Was die Mediziner zur Kinderarztversorgung sagen.

Feierliche Eröffnung der neuen Kinderarzt-Praxis von Iona Oprea im Krankenhaus Horb.

 

Ein wenig Balsam in der Kinderarzt-Krise, die hohe politische Wellen geschlagen hatte. Sogar der Petitionsausschuss des Landtags kam nach Horb. Auslöser war, dass Horbs Kinderarzt Michael Nagel seinen Kassensitz aufgegeben hatte. Innerhalb von vier Wochen verlor Horb 2,5 Arztsitze. Nagel will sie wohl verkaufen – sie sind noch nicht besetzt.

Oprea: „Wir können wegfallende Versorgung nicht ersetzen“

Iona Oprea: „Durch den Facharzt von Eva hat der Landkreis einen halben Arztsitz mehr. Wir können die wegfallende Versorgung nicht ersetzen. Früher haben wir Patienten aus den angrenzenden Landkreisen aufgenommen. Doch das geht nicht mehr.“

Gerald Hellstern, KLF-Chefarzt Kindermedizin, freut sich mit Iona Oprea in Horb über neue Mediziner. Foto: Jürgen Lück

Auch zu Gast: Gerald Hellstern, Leiter der KLF-Kinderklinik in Freudenstadt. Er sagt: „Durch die Diskussion um die hohen Kosten für Honorarärzte und die gute Bewerberlage konnten wir jetzt alle Stellen bei uns im Krankenhaus Freudenstadt besetzen. Darunter sind auch Assistenzärzte. Die können nach der Klinik dann als Weiterbildungsassistent in die Praxen gehen.“

So konnte Cavdar zum Kinderarzt überzeugt werden

Damit wird die KLF (Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt) zur Hoffnung in der Kinderarzt-Krise. Denn: Eva Maute und Seher Cavdar sind zwei der Nachwuchs-Mediziner, die die Kinderarzt-Lücke über den Weiterbildungsassistenten schließen (könnten).

Drei junge Medizinerinnen für Kinder: Seher Cavdar (Weiterbildungsassistentin aus Altensteig), Nina Pletschen (Kinderärztin mit eigener Praxis Calw) und Eva Maute (angestellte Kinderärztin Horb): Foto: Jürgen Lück

Cavdar: „Ich habe in Tübingen Medizin studiert. Den Facharzt Kinderchirurg habe ich schon. Ich bin zu Ulrich Funk als Weiterbildungsassistentin gekommen. Er hat gesagt: Du bist so weit, mach doch den Kinderarzt. Da bin ich jetzt dran im MVZ Altensteig.“

Kinderarzt Funk: „MVZ Modell der Zukunft“

Funk ist auch in Horb. Er sagt: „Cavdar ist im MVZ eine der beiden Weiterbildungsassistenten Kinderarzt.“ Der Kinderarzt: „Das MVZ ist das Modell der Zukunft. Auflagen und Regulierungen machen es niedergelassenen Ärzten sehr schwer. Die meisten der jungen Kollegen wollen das nicht.“

Seine Kollegin Rosemarie Walliser aus Schömberg (Kreis Calw): „Auch ich strebe jetzt eine MVZ-Struktur an. Es ist einfach zu schwer, einen Nachfolger zu finden, der die Praxis als Selbstständiger weiter leben lässt.“

Das hat die neuen Kinderärzte gelockt

Ausnahmen gibt es aber auch. Nina Pletschen: „Ich bin in Calw groß geworden. Nach dem Studium war bei den Kollegen Markus Handel und Regina Braun noch eine Praxis frei. Da bin ich dann eingestiegen.“

Der Beruf des Kinderarzts hat seine schönen Seiten. Die genießt Horbs OB Michael Keßler (CDU) in den neuen Praxisräumen von Iona Oprea. Foto: Jürgen Lück

Doch was hat die drei Kinder-Mediziner in die Raumschaft gelockt? Cavdar, Maute und Pletschen sagen: „Unsere Familien leben hier. Wir wollten wieder heim.“ Maute: „Mit Kindern ist es einfacher, wenn Großeltern in den Nähe sind.“

Warum Kinderärztin Oprea von „Glück und Zufall“ spricht

Seher Cavdar sagt noch: „Ein ebenso großes Problem wie die Ärzte ist das medizinische Fachpersonal. Das fehlt.“ Iona Oprea: „Letztes Jahr ging gar nichts. Dieses Jahr habe ich das Glück, dass ich schon zwei Zusagen für die MFA-Azubis in 2026 habe.“

Die Kinderärztin: „Glück war es auch mit Eva – das hat einfach gepasst in der Zusammenarbeit.“

Fazit: Der „Kinderarzt-Gipfel“ in Horb zeigt – unabhängig von Politik und Förderungen– wie schwierig es ist, neue Ärzte zu finden. Am meisten punktet Heimatliebe und MVZ-Struktur. Dazu braucht es genügend medizinisches Fachpersonal vor Ort.