Landrat Klaus Michael Rückert kritisiert die ausbleibende Hilfe der Kassenärztlichen Vereinigung bei der Kinderarzt-Suche. Die findet, Rückert fehle der Blick über den Tellerrand.
Landrat Klaus Michael Rückert übt scharfe Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Als „Totalversagen“ bezeichnete er deren Vorgehen bei der Suche nach Kinderärzten für den Kreis Freudenstadt im Rahmen einer Kampagnenpräsentation auf der Gartenschau „Tal X“. Bei der KVBW befindet man unterdessen, dem Landrat fehle der Blick über die Kreisgrenze.
Doch was ist passiert? Anlass war die Aufstellung eines Banners vor dem Landkreispavillon auf der Gartenschau im Rahmen der Kampagne „Xundmacher*in gesucht!“.
Der Landkreis möchte damit für die Niederlassung von Kinder- und Jugendärzten werben, um die drei freien Kassenarztsitze im Kreis zu besetzen – und hätte das nur zu gerne mit Unterstützung der KVBW getan.
Keine Bereitschaft zur Finanzierung der Kampagne
Doch die KVBW war nicht bereit, sich an der Kampagne oder dem Werbebanner zu beteiligen. Stattdessen sprang der Freudenstädter Kinderarzt Stefan Langrehr privat ein, um das Banner zu ermöglichen. Dem Kreis selbst sind ob der Haushaltslage die Hände gebunden.
Zwar begrüßt die KVBW die Kampagne, man bitte aber auch um Verständnis, dass man es nicht leisten könne, ein Werbebanner zu finanzieren, erklärt Kai Sonntag, Leiter des Stabsbereichs Kommunikation der KVBW auf Nachfrage unserer Redaktion.
KVBW kritisiert begrenzten Blickwinkel Rückerts
Für Rückert eine bloße Ausrede: „Wenn man sich mal deren Ausgabenpositionen anschaut, müsste so ein Banner für 800 Euro eigentlich drin sein“, meint der Landrat.
Die Kassenärztliche Vereinigung hält dagegen. „Herr Rückert sieht sich für den Landkreis Freudenstadt zuständig, die KVBW für ganz Baden-Württemberg“, führt Sonntag aus. Unterstütze die KVBW einen Kreis, müsse sie dies bei allen tun.
Gartenschauen als Bühne
Für Rückert gar keine schlechte Idee. Wieso nutze man denn nicht die aktuelle Bühne aller Gartenschauen im Land, um um Ärzte zu werben, fragt er.
Dafür fehlten schlicht die Mittel, kontert die KVBW. Sonntag betont zudem, dass bereits zahlreiche Gespräche geführt und Lösungen gesucht wurden, um die Kinderarzt-Krise zu entschärfen. Etwa durch das Einspringen von Hausarztpraxen.
Gesetzliche Fristen
Doch wieso wurden die drei Kassenarztsitze erst jetzt freigegeben? Rückert zeigt sich darüber verwundert, da die Sitze bereits seit Februar unbesetzt sind. Hierfür sei jedoch die gesetzliche Regelung verantwortlich, erklärt die KVBW.
So könne ein Arzt seinen Sitz auch an einen Nachfolger übergeben. Hierfür gebe es aber gesetzlich geregelte Fristen, bis zu deren Verstreichen die Sitze von der KVBW nicht freigegeben werden dürften.
Gesetzliche Zuständigkeiten
Laut KVBW stellt sich die Sachlage um einiges komplexer dar, als vom Landrat dargestellt. Dies habe man auch versucht, Rückert zu vermitteln. Zumal dieser ebenso Verantwortung für die Gesundheitsversorgung seiner Bürger trage.
Einspruch vonseiten des studierten Juristen Rückert. Gesetzlich ist nämlich die Kassenärztliche Vereinigung für die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung zuständig, nicht der Landkreis. Aber das ist eben „typisch KVBW“, sagt Rückert.
„In Sachen Krankenhaus sind wir zuständig, und schauen sie was da steht, ein funktionierendes Krankenhaus“, so Rückert. „Da bitte ich die KVBW doch auch nicht um Unterstützung.“
Auf erneute Nachfrage räumt Sonntag dies zwar auch ein, beharrt jedoch darauf, dass der Landkreis auch Verantwortung trage. Da die KVBW nicht entscheiden könne, wo sich Ärzte niederlassen, sei es schließlich am Landkreis dafür zu sorgen, dass die Region für Ärzte möglichst attraktiv sei.