Eine ganze Klasse spielt Ton G auf der Geige. Umringt von den Drittklässlern der Warenbergschule genießen Joachim Ulbrich und Kristin King-Dom den ersten Präsenzunterricht seit langer Zeit. Foto: Musikakademie Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Dozenten der Musikakademie VS geben seit dieser Woche Präsenzunterricht / Große Freude

Seit dieser Woche sind sie wieder präsent, die Schüler und die Dozenten der Musikakademie Villingen-Schwenningen.

Villingen-Schwenningen. Das Klassenmusizieren, eine Kooperation mit verschiedenen Schulen, hat nach gut halbjähriger Pause unter fast normalen Bedingungen diese Woche begonnen. "Das fühlt sich gut an", strahlt der Leiter der Streicherabteilung an der Musikakademie, Joachim ­Ulbrich, inmitten seiner Schüler bei der ersten Stunde nach der Corona-Zwangspause. Er betreut drei dritte Klassen in Villingen in der Warenberg-, Steppach- und Goldenbühlschule, rund 50 Schüler.

Technik nicht immer stabil

Um Kinder in den Kontakt zu Musikinstrumenten zu bringen, habe der Lehrer im Präsenzunterricht ganz andere Zugangsmöglichkeiten als im Homeschooling. Dies sei auf jeden Fall mit mehr Anstrengung verbunden gewesen. Zu schaffen gemacht hatte oft instabile Technik und der zusätzliche Organisationsaufwand, den Unterricht überhaupt zustande zu bringen. Teilweise sei dies sogar über Handy gelaufen.

Videos mit Plüschente

Wenn der Unterricht einmal gestanden sei, dann hätte er bestimmte klangliche Aspekte oft nur raten können, so Ulbrich. Er habe aber auch viel für den Präsenzunterricht gelernt, wie etwas den Schülern am besten zu vermitteln war. Dies sei die positive Seite gewesen.

Der besondere Höhepunkt des Online-Unterrichts waren sowohl für Ulbrich, seine Kollegin, die Cellistin Kristin King-Dom, als auch die Schüler die Mitmach- und Lernvideos mit der kleinen Plüschente gewesen, die durch ihre lustigen Bemerkungen Aufmerksamkeit erhaschte. Die beiden Musiker hatten mit viel Zeitaufwand mehr als 30 Videos gedreht und auf Youtube gestellt.

Erste Schulstunde

Auch Stephan D. Weisser, Fachbereichsleiter für Gitarre an der Musikakademie, genoss seine erste Schulstunde mit 14 Drittklässlern an der Südstadtschule, der halben Klassenstärke. Er unterrichtet auch an der Haslachschule. Mit den Masken im Gesicht sei zwar noch nicht alles ganz normal, aber auf jeden Fall freute er sich, bei den Kindern zu sein und diese sich, dass der Lehrer leibhaftig anwesend war.

Denn in den vergangenen Monaten habe die Interaktion gefehlt. Er sei zwar mit Videos und Arbeitsblättern mit den Schulen in Verbindung gewesen, aber dies habe den persönlichen Kontakt nicht ersetzt. Manche Kinder hätten auch während des Online-Unterrichts schön geübt, andere seien überfordert gewesen. Joachim Ulbrich sprach sogar von weniger als 50 Prozent der Schüler, die damit erreicht worden seien.

Stephan D. Weisser will nun auf jeden Fall "viel aufholen". Er ist sich sicher, dass er bis zu den Sommerferien viel mit den Schülern hinbekomme und hofft auf ein kleines Vorspiel, das trotz der Auflagen an der Schule möglich sei. Ein guter Anfang ist jedenfalls gemacht. Obwohl Singen noch nicht erlaubt ist, haben die Kinder ganz leise in die Masken gesummt.

Bei der fünften und sechsten Klasse am Deutenberggymnasium in Schwenningen war ebenso Freude und Erleichterung zu spüren, dass endlich wieder ein Stück Normalität einkehrt. Nadia Sofokleous, Leiterin der Bläserklasse der Musikakademie, wurde mit einem breiten Lächeln von ihren Schülern empfangen. Sie seien so glücklich gewesen, wieder miteinander sprechen und spielen zu dürfen, beschreibt sie die erste Unterrichtsstunde. "Sie haben so viel gespielt, Duette und zu dritt", schwärmt die Klarinettistin.

Eine Wand organisiert

Bis es allerdings losgehen konnte, musste sie eine "Spuckschutzwand" organisieren. Sie sei zwar keine Pflicht, aber eine Empfehlung für Bläser. Die zurückliegende Zeit sei mühsam gewesen. Dass die Schüler dennoch geübt, die Hausaufgaben gemacht und den Kontakt zur Musik nicht verloren haben, freute sie besonders.

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