Von sechs Jahren bis 27 sind alle im Kinder- und Jugendcafé in Ebingen willkommen. Hier gibt es coole Angebote und genügend Freiraum.
Das Hölzle in Ebingen ist eine Institution. Ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche Alltag und Schulstress hinter sich lassen, die Seele baumeln, sich treffen und Spaß haben können. Damit das so bleibt, braucht es nicht nur motivierte und kompetente Mitarbeiter, sondern auch finanzielle Mittel und Flexibilität. „Wir wissen nie, was uns erwartet“, verdeutlicht Franziska Eisele, die Leiterin des Kinder- und Jugendcafés in der Langwatte 58 in Ebingen.
Manchmal plant man beispielsweise beim gemeinsamen Kochen mit fünf Teilnehmern und plötzlich sind es 65, lacht die Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendbüros Albstadt.
„Während der Öffnungszeiten kann alles passieren“, erklärt Franziska Eisele. Und damit ist nicht nur gemeint, dass man eben schnell mal noch Lebensmittel nachkaufen muss. Spontanität ist auch gefragt, wenn die Kinder und Jugendlichen einen speziellen Wunsch für den Zeitvertreib haben oder wenn es darum geht, als Ansprechpartner die Sorgen und Nöte der Café-Besucher anzuhören und gegebenenfalls nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Über 40-jährige Tradition
Die Kinder- und Jugendarbeit in Albstadt hat eine lange Tradition, weiß Carina Neumann, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros. Begonnen hat alles einst im Hotel Hecht, nachdem im Jahr 1981 eine Arbeitsgruppe zum Thema Jugendarbeit gegründet wurde. Deren Konzept bildete die solide Basis für die weitere Arbeit. Im Jahr 1985 wurde dann das Hölzle eröffnet, das damit auf eine über 40-jährige Geschichte zurückblicken kann. Zehn Jahre lang wurde hier ausschließlich Jugendarbeit betrieben mit verschiedenen Veranstaltungen, auch mit politischen Themen, abends und an den Wochenenden, bei denen man auch Jugendbands eine Bühne gab.
Im Jahr 1995 führte man dann das Konzept der offenen Kinder- und Jugendarbeit ein mit unterschiedlichen Schwerpunkten, weiß Carina Neumann. Dazu gehörten beispielsweise ein reines Mädchenzimmer und der Betrieb eines Internetcafés. Seit 2016 gibt es in Albstadt die Jugendbeteiligung und das Hölzle wurde quasi zur Zentrale. Hier sitzt deshalb auch die Leitung des Kinder- und Jugendbüros. Inzwischen ist das Team auf über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen, die allerdings nicht alle vollzeit arbeiten. Das freie WLan für die Besucher hat das einstige Internetcafé abgelöst, Schwerpunkte wurden verlagert und Zeiten sowie Angebote dem Bedarf der Kinder und Jugendlichen angepasst, berichtet Carina Neumann.
So gibt es inzwischen das Kindercafé für Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse. Alle Älteren dürfen zum Jugendcafé, bei dem die Grenze erst mit 27 Jahren gezogen wird. „Wir wollen so viele wie möglich mit unseren niederschwelligen Angeboten ansprechen. Die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen sollen vereint werden, indem sie sich zusammenfinden“, schildert die Leiterin der Jugendarbeit. Was damit gemeint ist, lässt sich ganz einfach erklären. Die meiste Zeit drückt die Jugend die Schulbank – verteilt auf unterschiedliche Einrichtungen, die wiederum eigene Themen haben, mit denen sich die Schüler auseinandersetzen. Interessant wird es für die jungen Leute, wenn sie sich über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten austauschen.
Neue Freunde finden
Ein ganz neues Format im Hölzle, dem markanten Fachwerkbau in Nachbarschaft zur Hohenbergschule und der Innenstadt, ist die Spätschicht. Diese soll speziell für ältere Jugendliche von zirka 14 bis 20 Jahren angeboten werden und findet mehrmals im Jahr statt. Die zweite Spätschicht wird am 21. Februar von 19 bis 22 Uhr eingeläutet. Es gibt eine Kreativnacht, bei der im Potpainting Tassen und Gläser bemalt werden. Solche Trends greift man im Hölzle gerne auf und macht das Angebot mittels Flyern an den Schulen bekannt.
Im Jugendcafé kann man steigende Zahlen vermelden, freuen sich Franziska Eisele und Carina Neumann. Ihnen ist es wichtig, sich auf die Jugendlichen und ihre Bedürfnisse einzustellen. Die Flexibilität bringen sie mit und finden es schön, wenn man eben nicht alles planen kann und vieles spontan geschieht. „Es ist viel Bewegung im Haus. Eben ein ständiges Kommen und Gehen“, berichtet Franziska Eisele aus Erfahrung. Sie stellt einen erhöhten Bedarf fest und sieht die Themen im Hölzle als Angebot – nicht als Betreuung. Es gibt unter den zehn bis 30 Jugendlichen pro Öffnungstag und den acht bis 20 Kindern quasi Stammgruppen, aber auch immer wieder neue Besucher.
Für alle attraktiv
„Schülerinnen und Schüler jeglicher Schulform, vom SBBZ bis zum Gymnasium, kommen ins Hölzle. Das funktioniert gut“, freut sich die Leiterin und erklärt: „Das Hölzle ist ein guter Ort, um neue Freunde zu finden. Hier kann man coole Ideen aufgreifen und selbst einbringen.“ Die Themen Partizipation, Mitbestimmung, Nachhaltigkeit und Regionalität spielen eine große Rolle, weshalb man für die Getränkeauswahl im Hölzle kürzlich ein Tasting anbot. „Alles kann, nichts muss. Wir verknüpfen Trends und Hypes mit Themen.“ Ganz neu richtet man gerade im Hölzle einen Kreativraum und einen Zockerraum ein. Auch hier flossen viele kreative Ideen der Jugend ein.