Die Asiatische Hornisse ist unter anderem an ihrer schwarzen Brust und den gelben Füßen erkennbar. (Symbolfoto) Foto: dpa/Boris Roessler

Imker schlagen Alarm: Die Asiatische Hornisse breitet sich immer weiter aus. Jetzt ist sie im Kreis Rottweil angekommen. Welche Gefahren drohen nun?

Die Asiatische Hornisse ist auf dem Vormarsch. In der Ortenau und nördlich davon entlang des Rheins gab es bereits unzählige Sichtungen. Nun gibt es auch im Kreis Rottweil eine bestätigte Sichtung. Was bedeutet das für die Bürger? Wie gefährlich ist die invasive Art für den Menschen? Und was kann gegen sie getan werden? Wir haben nachgefragt.

 

Dass die Asiatische Hornisse warme Gefilde bevorzugt, lässt sich schon an den Ausbreitungszahlen von 2014 bis 2023 erkennen. Da gab es Sichtungen von Einzeltieren oder Nestern vor allem im Nordwesten Baden-Württembergs und vereinzelt im Ortenaukreis und im Breisgau.

Etabliert im Kreis Rottweil

Das hat sich geändert – begünstigt durch die Klimaerwärmung. „Die Asiatische Hornisse gilt im Landkreis inzwischen als etabliert“, erklärt Olga Bär, Pressesprecherin im Landratsamt Rottweil. Tatsächlich gab es bereits 2024 zwei plausibilisierte Funde im Kreis Rottweil – beide im Oktober: in Aistaig und Bochingen. Das Landratsamt spricht zudem von drei Meldungen aus Schramberg.

Und auch in diesem Jahr gab es bereits eine Meldung bei der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Am 30. April wurde nachweislich eine Asiatische Hornisse in Trichtingen festgestellt. Und auch wenn es sich dabei um ein Einzeltier handelte, erklärt das Landratsamt Rottweil: Mit einem weiteren Anstieg von Sichtungen müsse gerechnet werden. „Sowohl Primär- als auch Sekundärnester sind im gesamten Kreisgebiet möglich.“

Zahlen in Baden-Württemberg

Landesweit waren es im vergangenen Jahr laut LUBW 3302 Einzeltierfunde und 1470 Nester der invasiven Art aus Südostasien, die sich seit 2014 auch in Baden-Württemberg stark ausbreitet.

Im laufenden Jahr sind es zum aktuellen Zeitpunkt bereits 1211 Einzelfunde und 356 Nester. Nester, die bis zum 31. März gemeldet wurden, werden dabei noch dem Vorjahr zugerechnet, da sie 2024 gebaut wurden.

Nicht gefährlicher oder giftiger als die europäische Version

Die gute Nachricht: Der Stich der Asiatischen Hornisse ist nicht gefährlicher oder giftiger als der einer europäischen. Und: „Solange kein Konflikt provoziert wird, verhält sich auch die Asiatische Hornisse in der Regel friedlich“, erklärt Olga Bär vom Landratsamt. Man sollte sich also genauso wie gegenüber anderen „sozialen Wespenarten“ verhalten, rät sie. „Bei Unsicherheiten kann jederzeit die Untere Naturschutzbehörde kontaktiert werden.“

Das Gift der Hornisse ist laut NABU Baden-Württemberg schwächer als das von Honigbienen oder anderen Tieren dieser Art, der Stich kann jedoch aufgrund der Giftzusammensetzung und des langen Stachels als schmerzhafter wahrgenommen werden. Bei zwei bis drei Prozent der Bevölkerung kann eine allergische Reaktion ausgelöst werden.

Funde ans LUBW melden

Wer glaubt, eine Asiatische Hornisse entdeckt zu haben, sollte den Fund laut Landratsamt über die Plattform des LUBW melden. „Dort kann auch ein aussagekräftiges Foto hochgeladen werden, anhand dessen in der Regel eine Bestimmung erfolgt. Alternativ können sich Bürger auch direkt an die Untere Naturschutzbehörde wenden“, so Olga Bär.

Und wie kann man verhindern, dass die Asiatische Hornisse im Garten ein Nest baut? „Eine gezielte Verhinderung der Ansiedlung – insbesondere von Primärnestern – ist kaum möglich“, meint die Landratsamt-Pressesprecherin dazu. „Die Art zeigt sich anpassungsfähig und nutzt verschiedenste Lebensräume.“ Generell sei die Wahrscheinlichkeit, die Asiatische Hornisse auch im heimischen Garten anzutreffen, gegeben und werde sich in den kommenden Jahren stark erhöhen, so die Prognose.

Muss die Asiatische Hornisse beseitigt werden?

Experten für die Asiatische Hornisse gebe es mindestens zwei im Landkreis, teilt uns das Landratsamt mit – darunter einen Berater aus der Unteren Naturschutzbehörde selbst.

Die Verifizierung der Hornissen-Funde erfolge in der Regel durch die LUBW in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Bienenkunde (LAB). Diese sei noch bis März 2026 für das Management der Art zuständig. „Liegt ein begründeter Verdacht vor, wird gegebenenfalls ein Fachberater vor Ort hinzugezogen“, erklärt Olga Bär das Prozedere.

Was die Beseitigung angeht, so sei diese – anders als in der Vergangenheit – nicht mehr verpflichtend. „Maßnahmen erfolgen nur noch dann, wenn die Biodiversität gefährdet ist“, erklärt Olga Bär. Wirtschaftliche oder gesundheitliche Gründe rechtfertigten kein Eingreifen mehr. „Kosten für etwaige Maßnahmen müssen daher gegebenenfalls von Privatpersonen selbst getragen werden. Im Einzelfall entscheiden die ehrenamtlichen Fachberater selbst über das weitere Vorgehen, bei Bedarf koordiniert durch die Untere Naturschutzbehörde.“

Daran erkennt man sie

Die Asiatische Hornisse
ist etwas kleiner als die heimische Hornisse. Die Arbeiterinnen sind 1,7 bis 2,4 Zentimeter groß, Königinnen können auch bis drei Zentimeter groß werden. Die Brust der Asiatischen Hornisse ist schwarz, der Hinterleib dunkel. Die Beine sind schwarz-gelb gefärbt. Die Asiatische Hornisse baut laut Landesanstalt für Umwelt zwei Nester. Das im Frühjahr von der Königin gebaute, etwa Handballen große Primärnest hängt meist in Schuppen oder Sträuchern, teils aber auch in Bodennähe. Die Sekundärnester werden im Sommer gebaut und befinden sich meist in mehr als zehn Metern Höhe freihängend in Bäumen. Das Einflugloch befindet sich seitlich am Nest. Die Nester können bis zu einen Meter Höhe erreichen.