Es ist eine besondere Praxiseröffnung, die da gefeiert wird: Meike und Florian Behrend haben den „Rottweiler Hof“ aufwendig saniert – und das Ergebnis lässt die Gäste staunen.
Es ist ein echter Kraftakt, der hinter den beiden Kieferorthopäden Meike und Florian Behrend liegt: 2021 haben sie den einstigen „Rottweiler Hof“ in der Äußeren Alleenstraße 2 in Rottweil gekauft, um ihn für ihre kieferorthopädische Praxis „Mint“ zu sanieren.
Was sich den Gästen bei der Einweihungsfeier am Freitag nun bot, ließ viele staunen. Der historische Charme des Hauses wurde erhalten, gleichzeitig gelang das Kunststück, in ihm alle Anforderungen an einen hochmodernen Praxisbetrieb auf drei Etagen zu vereinen. Und das geschichtsträchtige Gebäude ist nun auch das Zuhause der jungen Familie.
Meike Behrend verriet schmunzelnd, dass der Nachwuchs von einem „Hochhaus“ spreche, in dem man nun wohne. Die Dimensionen sind in der Tat enorm. Und Florian Behrend ließ die Gäste der Einweihungsfeier – darunter auch Vertreter der Stadt und des Gemeinderats – daran teilhaben, wie viele Überraschungen und Unwägbarkeiten es bei der Sanierung des um 1900 erbauten Hauses gegeben hatte. Doch trotz etlicher schlafloser Nächte habe man es „durchgezogen“. Dafür gab es nicht nur viel Applaus von den Gästen, sondern auch Dank vom ganzen Team.
Praxisbetrieb läuft
Vor zwei Wochen zog die Praxis nun von den zu klein gewordenen Räumen in der Königstraße an den neuen Standort um – der Praxisbetrieb läuft. Und damit ist ein Meilenstein in der Geschichte des Gebäudes geschafft. Es wurde um 1900 von der Pfauenbrauerei erbaut und als Casino bewirtschaftet. 1910 eröffnete das Restaurant „Rottweiler Hof“ und lockte mit Metzelsuppe und Fremdenzimmern. Auch Tanzkurse gab es hier. Das Ende für den Betrieb kam aber bereits nach dem Ersten Weltkrieg – und es wurden Wohnungen geschaffen.
Reinhard Schugg legt den Grundstein
Dass das Haus nun in neuem Glanz erstrahlen kann, dafür wurde vor 40 Jahren ein weiterer Grundstein gelegt: Reinhard Schugg gründete in Rottweil die kieferorthopädische Praxis, die er nach 36 Jahren, in denen er Tausenden Patienten zu schönen Zähnen und dem richtigen „Biss“ verhalf, im Jahr 2021 an seine Tochter Meike und Schwiegersohn Florian Behrend übergab.
An der Sanierung und dem, was hier vollbracht wurde, sei er nicht beteiligt gewesen, hob Reinhard Schugg hervor, der den Bauherren größten Respekt für das Geleistete aussprach. Große Hürden wie nun beim Umbau habe es allerdings auch für ihn vor 40 Jahren gegeben, als er nach Rottweil kam, um seine kieferorthopädische Praxis zu gründen, gab er schmunzelnd Einblicke in die Anfänge.
Einst Veto der Krankenkasse
Die Krankenkasse habe ihr Veto eingelegt, die Bank ihm einen Kredit verweigert. Seine Pläne würden wohl „kaum Erfolg“ haben. Und auf der Suche nach geeigneten Räumen habe er von der Stadt die klare Aussage bekommen: „Wir brauchen Sie hier nicht.“
Bogen zur Uni Tübingen
Das, so betonte Schugg, habe sich freilich grundlegend gewandelt, die Stadt habe das Projekt wohlwollend begleitet. Und er danke allen, die ihr Vertrauen auf seine Nachfolger übertragen haben. Schugg schlug den Bogen nach Tübingen, wo sowohl er als auch Tochter und Schwiegersohn studiert haben. Der Gründer der Universität, Graf Eberhard im Bart, prägte den Wahlspruch „Ich wage es“ – ein Umstand, an den Schugg bei dieser besonderen Eröffnungsfeier nur allzu gerne erinnerte.