Rea Garvey brachte Irish-Pub-Stimmung zum Kesselfestival in Stuttgart. Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Festival-Feeling auf dem Wasen: Insgesamt 65.000 Menschen haben am Wochenende das Kesselfestival in Bad Cannstatt besucht. Am Sonntag waren im bunten Line-Up Künstler wie Rea Garvey, Clueso, Deine Freunde und Bilderbuch da.

Die Sonne geht, nach einem heißen Tag, gerade sommerlich unter am Wasenhimmel, als der Headliner Rea Garvey gegen 21 Uhr auf die Bühne kommt und von seinen ersten Tagen in Deutschland, damals in Gerlingen, erzählt und sich an die Abende im Biddy Earlys Irish Pub erinnert. Entspannt ist die Stimmung in Bad Cannstatt am Sonntagabend und der irische Sänger und Gitarrist gibt sich ganz genauso. Auf dem Festivalgelände ist nicht mehr so viel los wie am Tag zuvor bei Apache, dennoch ist der Platz gut besucht, die Gäste haben genug Raum, sich zu verteilen. Laut Veranstalter waren es 65.000 Menschen, die am Wochenende das Kesselfestival besucht haben, wobei der Samstag weitaus stärker frequentiert war.

 

Garvey spielt seinen neuen Sommer- und Gute-Laune-Song „Free like the Ocean“, und auch ältere Stücke wie „Hey, Hey, Hey“ oder „The One“, dazu ausgelassen tanzende Fans. Das mittlerweile 23 Jahre alte Stück „Supergirl“ sorgt für ein wenig Romantik und Nostalgie, natürlich wird da von allen Seiten mitgesungen. Es wird gerockt, mit irischen Folk-Einlagen und dann gibt sich Garvey ganz im Zeichen des Kesselfestivals als Familienvater, spricht sich aus für weniger Hass und mehr Liebe in der Gesellschaft und für Vielfalt. Am liebsten würde er das Publikum noch in einen Irish Pub entführen, sagt er. Die irische Kneipe scheint an diesem Abend überhaupt sein Lieblingsthema zu sein, so oft erwähnt er sie, viele der Gäste wären wohl dabei, und Garvey dreht noch einmal auf, im Hintergrund dazu Videos von Wölfen und Unterwasserwelten. Gerne würde er noch eine Zugabe geben, aber die strenge Zeittaktung des Festivals lässt es nicht zu.

Deine Freunde, Clueso, Großstadtgeflüster und Bilderbuch am Sonntag

Neben Rea Garvey waren im bunten Line-Up des Kesselfestivals am Sonntag auch Clueso und Bilderbuch zu sehen. So war für jeden Geschmack etwas dabei. Auch die Berliner Elektropunk-Band Großstadtgeflüster gab sich am Nachmittag die Ehre, die wohl mit „Feierabend“ oder „Diadem“ die ersten Hüften zum Schwingen gebracht haben dürften. Mit neuem Album sind sie im kommenden Jahr wieder auf Tour. Die kleinsten Gäste haben sich am Mittag über „Deine Freunde“ freuen dürfen. Clueso feiert mit achtköpfiger Band und lässigen Jazz-Interludes und spielt Hits wie „Chicago“, „Gewinner“ und „Zusammen“. Trotz der Hitze bringt er durchs Publikum ein paar La-Ola-Wellen.

Bilderbuch touren derzeit durch den deutschsprachigen Raum und präsentieren sich mit Psychedelic-Rock in den neuen Songs „Softpower“ und „Dino“. Aber auch „Bungalow“ oder „Maschin“ dürfen nicht fehlen. Frontmann Maurice Ernst, gewohnt nonchalant, geht bei den warmen Temperaturen lieber gleich oben ohne. Das Publikum hat die Hände in der Luft, textsicher wird mitgesungen.

Der sonntäglichen Stimmung entsprechend war der Tag ganz gediegen auf dem Kesselfestival. Langes Schlangestehen war nicht mehr nötig, und die Bands sorgten für eine runde Sache. Der gute Geist des Festival-Feelings hat den Cannstatter Wasen ganz sicher erfasst und wird so schnell vermutlich nicht mehr von dort weichen.