Das Atomkraftwerk Neckarwestheim ist mittlerweile vom Netz. Die 151 Behälter mit radioaktivem Müll müssen aber irgendwohin – nach Sulz? Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Idee eines Zwischenlagers in Sulz haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Stefan Link, der Kontakt zur Bundesgesellschaft für Endlagerung aufgenommen hatte, erklärt, warum er seinen Vorschlag für erfolgversprechend hält.

Nachdem Stadtrat Stefan Link (AfD) Informationen zu einem möglichen Zwischenlager von radioaktivem Müll auf Bergfeldener Gemarkung eingeholt hat, schlagen die Wellen hoch.

 

Alleine in der Facebookgruppe „News Sulz und Umgebung“ finden sich 70 Kommentare zu dem Thema – und die haben es in sich.

„Aussage gehört ausgelacht“

„Echt jetzt? Herr, schmeiß Hirn“, äußert sich eine Nutzerin fassungslos. „Brauchen wir unbedingt ein Atommülllager?“, fragt eine andere – und beantwortet sich dies klar und deutlich: „Ich finde NEIN.“

„Deutlicher kann man nicht zeigen, dass man die Realität hinter sich gelassen hat und in einer Parallel-Dimension lebt“, schreibt eine weitere Person. Und ein anderer bezweifelt, ob der Vorschlag vollständig zu Ende gedacht ist: „Das Ganze ist weder umsetzbar, noch entspricht es irgendeiner halbwegs nachvollziehbaren Logik. Die Aussage gehört ausgelacht.“

„Fanatiker und Mitläufer“

Allerdings äußert sich die Sulzer Facebook-Community nicht nur komplett ablehnend. So heißt es auch: „Was der Herr Link fordert, ist nur konsequent, die Gegenwindgruppe fordert bei jeder Veranstaltung AKWs, Herr Link spricht wenigstens offen aus, was die Konsequenz ist.“

Worauf ihm entgegnet wird: „In der Gegenwind Gruppe gibt es bestimmt Menschen, die diese Aussage niemals tätigen würden. Auch in der Pro Wind Gruppe gibt es Fanatiker und Mitläufer.“

Giftmüll im Stollen?

Ein Nutzer gibt jedoch zu bedenken: „Ich würde mal behaupten, dass es vielen einfach völlig Wurst ist, wo der Strom herkommt, Hauptsache nix vor der Haustüre. Jahrzehntelang wurden in Braunkohlerevieren ganze Städte weggegraben und wir stören uns an fünf Windkraftanlagen, die mindestens einen Kilometer von der nächsten Wohnbebauung entfernt stehen.“

Und ein anderer stellt Vermutungen über den von Link erwähnten Stollen an, der von Bergfelden nach Haigerloch führt. „Wer weiß, was die in dem Stollen jetzt schon lagern. Häufig wird in solchen Stollen Giftmüll eingemauert“, erklärt er.

Fonds von 24 Milliarden Euro

Mittlerweile hat auch Link sich zu Wort gemeldet. „Mein Bestreben war und ist auf Einnahmen für die Stadt Sulz gerichtet“, erklärt er. Allerdings wolle er seine Bemühungen für ein Atommülllager in Sulz bis nach dem Bürgerentscheid ruhen lassen.

Kosten für einen atomlagertauglichen Umbau des Stollens würden seiner Ansicht nach sicherlich von der Bundesgesellschaft für Zwischenlager übernommen werden. So stünde etwa ein Fonds von 24 Milliarden Euro bereit, in den die Kernkraftwerke einzahlten – und der nur darauf warte, an Gemeinden, die ein Lager zur Verfügung stellen, ausgezahlt werden.

Und noch etwas spreche dafür, dass Sulz der passende Ort für ein Zwischenlager sei: „Wie von der Bundeszentrale gefordert, liegen wir nahe an einem ehemaligen Kernkraftwerk in Neckarwestheim und verfügen über einen anfahrbaren Bahnhof“, erklärt Link.