Ob mit Ton aus Baugruben oder aus dem Westerwald: Keramikerin Elisabeth Hilbert lässt ihrer Kreativität freien Lauf.
Seit zwei Jahrzehnten gehört sie fest zum Ortsbild von Dietersweiler: die Keramikwerkstatt von Elisabeth Hilbert. Mit viel Freude, handwerklichem Können und Kreativität entstehen hier Tag für Tag kleine Kunstwerke aus Ton.
Wer durch den Ort geht, begegnet ihrer Arbeit auf Schritt und Tritt: Ein handgefertigtes Schild weist auf das Mitnahme-Bücherregal hin, im Bauerngarten des Dorfmuseums stehen die Kräuternamen auf Tonschildern. Im Dorfmuseum hat sie eine historische Töpferei eingerichtet, bei Museumsfesten zeigt sie hier auf einer alten fußbetriebenen Töpferscheibe ihr Handwerk. Auch besondere Stücke sind dort zu sehen – irdene Krüge aus „einheimischem“ Ton. Denn wann immer in Dietersweiler eine Baugrube ausgehoben wird, holt sich Hilbert dort etwas Ton und fertigt daraus einen Krug.
Zwischen Kindererziehung und Pflege der Eltern
Das Töpferhandwerk erlernte sie von 1981 bis 1984 in Alfdorf. Ihr Gesellenstück, ein reich verzierter Keramikteller, hat bis heute einen Ehrenplatz in ihrer Werkstatt. Trotz familiärer Verpflichtungen ist sie ihrem Töpferhandwerk stets treu geblieben. Obwohl dies zwischen Kindererziehung – das Ehepaar Hilbert hatte damals vier kleine Kinder – und später der Pflege ihrer Eltern nur selten möglich war.
Der entscheidende Schritt folgte 2006: In der Schwarzwaldstraße 44 fand sie passenden Räume. Das leerstehende Haus Mönch, früher Elektro Wolf, war ideal geeignet. Nach gründlicher Renovierung, so wurde der alten Teppichboden entfernt und der darunter verborgene Holzriemenboden aufgefrischt, standen ihr hier große und helle Arbeitsräume zur Verfügung. Arbeitstische, ein großer Brennofen und viele Utensilien fanden ihren Platz.
Mit Geduld und Präzision
Und vor allem: unzählige Töpferwaren. Vom filigranen Puppengeschirr über farbenfrohe Eierbecher bis hin zu Geschirr, Krügen, Schildern und dekorativen Gartenkugeln reicht die Palette. Der Ton für ihr robustes, alltagstaugliches Steinzeug stammt aus dem Westerwald, die Engoben stellt Hilbert selbst her – ein aufwendiger Prozess, der viel Geduld und Präzision erfordert.
Inzwischen hat sich die Keramikerin einen großen Kundenkreis aufgebaut. Junge Familien statten ihren Haushalt mit ihren Stücken aus, Großeltern lassen individuell bemaltes Kindergeschirr anfertigen. Auch Kindergärten und Kirchengemeinden zählen zu ihren Kunden – etwa für Becher, Abendmahlskelche, und Taufschalen.
Handfertigkeit und Konzentration
Eindrucksvoll ist es, ihr beim Bemalens der Keramiken zuzuschauen: Mit kleinen Malbällchen malt sie fast meditativ feinste Muster auf dem noch ungebrannten Ton. „Ich liebe meine Arbeit immer noch“, sagt die zierliche 66-Jährige, „auch wenn sie körperlich fordernd ist“. Was glaubhaft ist: Zunächst wird jeder Tonklumpen von Hand geknetet, beim Drehen braucht es Handfertigkeit und Konzentration, das Bemalen, Glasieren und Brennen ist aufwendig. Das Ergebnis lohnt sich.
Elisabeth Hilbert wählt die Töpfer- statt der Apothekerwerkstatt
Elisabeth Hilbert
wurde 1960 als jüngstes von fünf Kindern in Freudenstadt geboren. Hier betrieben ihre Eltern, das Apothekerehepaar Karl und Elisabeth Aißlinger, gemeinsam mit Kurt Süßer die Adler-Apotheke. Bereits Großvater Ernst Aißlinger war Apotheker; bis zu seinem Tod führte er die Adler-Apotheke. Diese wurde 1945 durch den Brand Freudenstadts zerstört und zunächst als Notapotheke weitergeführt, ehe 1950 am alten Standort wieder eröffnet werden konnte. Derart familiär vorbelastet wäre es naheliegend gewesen, wenn eines der fünf Aißlinger-Kinder die Apothekertradition fortgesetzt hätte. Aber es kam anders, wie Hilbert verrät: „Wir Geschwister haben uns für Ton und Töne entschieden.“ Drei ihrer Brüder studierten Musik. Bruder Stephan wurde Keramiker und hat sich in Köln eine Töpferei aufgebaut. Sie selbst schwankte lange zwischen einer Geigenbauerlehre und einem Kunststudium, entschied sich schließlich für das Töpferhandwerk. Gemeinsam mit Bruder Stephan ist sie regelmäßig auf den Freudenstädter Töpfermarkt.